Von Markus C. Schulte von Drach

Die Menschheit hat erneut eine Botschaft ins All geschickt, um Außerirdische auf sich aufmerksam zu machen. Diesmal ist das Ziel die Ausweitung des Marktes in den interstellaren Raum.

Sie werden sich wundern, die Aliens im Sternbild des Großen Bären, wenn sie diese Video-Botschaft vom Planeten Erde erhalten: "Esst Tortilla-Chips".

(© Foto: istockphoto/ Montage: sueddeutsche.de)

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Werden sie verstehen, worum es geht? Werden sie Kontakt mit uns aufnehmen? Vielleicht sogar eine Packung bestellen, um die terrestrische Nahrung zu analysieren und vielleicht zu probieren?

Haben sie überhaupt einen Mund?

Es wurden von Astronomen ja schon einige Botschaften ins All geschickt, in der Hoffnung, außerirdische Intelligenzen auf uns aufmerksam zu machen. Geniale Köpfe haben immer wieder intensiv darüber nachgedacht, wie Informationen über die Erde und die Menschheit sich in einem interstellar verständlichen Code darstellen ließen, damit wirklich alle - von kleinen grünen Männchen mit Antennen bis zu planetengroßen denkenden Schleimwesen - verstehen, wer wir sind und wo wir stecken.

Radiobotschaft für den Großen Bären

Doch wirklich etwas über uns erfahren werden nun wohl als Erste die Bewohner der Planeten im Sternbild Großer Bär. Auf der Erde, so die Werbebotschaft, die vom EISCAT Space Centre auf Spitzbergen, Norwegen, gestern abgeschickt wurde, gibt es Tortilla-Chips. Und es gibt eine Firma, der der irdische Markt offenbar inzwischen zu klein erscheint. Hofft man beim Unternehmen Dorito auf überirdische Gewinne mit Hilfe interstellarer Geschäfte?

Entwickelt wurde die Nachricht diesmal nicht wie sonst von Astronomen, sondern von dem Nicht-Wissenschaftler Matt Bowron. Der 25-Jährige hatte an dem Wettbewerb "You Make It, We Play It" teilgenommen, bei dem es darum ging, einen 30-Sekunden-Video-Clip zu produzieren, der Aliens einen kleinen Ausschnitt vom Leben auf unserer Erde zeigen sollte.

Gewonnen hat Bowron mit seinem Film "Tribe" (Stamm), für den er 20.000 Britische Pfund kassiert und mit dem er ins Guinness-Buch der Rekorde eingehen wird. Schließlich ist es die erste an Außerirdische gerichtete Werbung und zugleich die erste Weltraum-Botschaft aus Großbritannien überhaupt.

Der Werbespot wurde über einen Zeitraum von sechs Stunden von den EISCAT-Radaranlagen in eine Region des Weltraums gesandt, wo "die Sterne unserer Sonne sehr ähnlich sind und es kleine, mit der Erde vergleichbare Planeten geben könnte", erklärte EISCAT-Direktor Tony van Eyken, der mit dem Honorar für die Sendung zukünftige Forschung finanzieren will.

Peter Charles, Chef des Projekts bei Dorito erklärte: "Wir sollten nicht zu überrascht sein, wenn die ersten Aliens, die auf der Erde ankommen, sofort eine Tüte Doritos verlangen."

Es könnte natürlich auch ganz anders ausgehen. Besorgte Ufo-Gläubige fürchten schon lange, dass es besser wäre, die Aliens nicht auf uns aufmerksam zu machen. Und deutet nicht das Schicksal der Sonde Pioneer 10 schon darauf hin, das dies gefährlich sein könnte? Die wurde von Klingonen entdeckt und zerstört, wie der Film "Star Trek V: Am Rande des Universums" zeigt.

Auch in der Bloggosphäre werden bereits Befürchtungen laut, die Aliens könnten einfallen und uns sämtlicher Tortilla-Chips berauben, bis nur noch die "pudrigen Schmierspuren der Dorito-bestäubten Alien-Finger zurückbleiben, um die Geschichte vom endgültigen Schicksal der Erde zu erzählen", wie zum Beispiel Lindsay Patterson befürchtet.

Denkbar wäre auch, dass die Werbebotschaft von den Außerirdischen furchtbar missverstanden wird. Der Film zeigt nämlich einen "Stamm" von Chips, die aus einer Tüte steigen, einem Glas mit Salsa-Soße huldigen, in dem einer der ihren als Opfer landet und von einem riesigen, bärtigen Menschenmonster gefressen wird.

Bleibt zu hoffen, das der Clip nicht wirklich als Ausschnitt vom Leben auf unserem Planeten verstanden wird. Sonst wäre zu befürchten, dass die intergalaktischen Friedenstruppen das Dokument zum Anlass nehmen, Streitkräfte in Richtung Erde zu senden, um die niedlichen Chips von ihren humanoiden Unterdrückern zu befreien.

Vielleicht haben wir aber auch Glück, und das in ein sendetaugliches Format umgewandelte MPEG-File wird von den Außerirdischen nicht entschlüsselt. Oder Calvin, jener Sechsjährige aus den Comics des US-Zeichners Bill Watterson, hat Recht: "Manchmal denke ich, dass sicherste Zeichen dafür, dass es irgendwo im Universum intelligentes Leben gibt, ist, das bislang niemand versucht hat, mit uns in Kontakt zu treten."

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