Heißhunger auf Sex oder kaum Appetit - wie viel Lust ein Mensch hat, ist offenbar angeboren.
Wenn das Blut wallt und die Hormone fließen, gibt es kein Halten mehr. Das sagen manche Männer und Frauen gerne von sich, wenn sie über Sex sprechen.
Nur ein Kuss? Roy Lichtenstein's Kiss II (© Foto: dpa)
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Dass sie damit sogar Recht haben könnten, glauben israelische Wissenschaftler jetzt bestätigen zu können. Richard Ebstein von der Hebrew-Universität in Jerusalem und seine Kollegen haben ein Gen gefunden, das für die Libido eines Menschen verantwortlich sein soll - auch für die der Frau.
Wie stark sich Erregbarkeit, Lustempfinden und Verlangen ausbilden, hängt demnach von den verschiedenen Varianten des Gens DRD4 ab, berichten die Psychologen im Fachjournal Molecular Psychiatry.
20 Prozent der 148 Studenten, die die Forscher befragt haben, tragen die Variante des Gens in sich, die mehr Appetit auf Sex macht.
Kick beim Bergsteigen
Die Sex-Studie, die einiges Aufsehen auszulösen verspricht, ist das Ergebnis eines Onlinefragebogens. Darin haben die Studenten angegeben, wie wichtig ihnen Sex ist, ob sie leicht zu stimulieren sind und wie oft sie sexuelle Phantasien haben.
Von allen Teilnehmern gab es zudem DNS-Material. Die Forscher verglichen das Maß an sexueller Begierde, das sie aus den Antworten ermittelten, mit der Variante des DRD4-Gens jedes Studenten.
Bei zehn Prozent war keine genaue Aussage möglich, aber 70 Prozent aller Befragten haben jene Variante, die sie weniger lustvoll macht als Menschen mit einer anderen Genvariante. Sie sind durchschnittlich um fünf Prozent weniger erregbar.
"Das ist zwar nicht viel", sagt Ebstein, "statistisch ist diese Aussage aber bedeutend." Auch Männer und Frauen unterscheiden sich den Untersuchungen zufolge merklich.
Frauen seien im Allgemeinen weniger leicht erregbar als Männer; zudem habe das so genannte starke Geschlecht weniger Probleme mit der Libido.
Evolution ist schuld
Wie das Gen auf die Libido eines Menschen wirkt, können die Wissenschaftler nur im Ansatz erklären. DRD4 ist das Gen, aus dem sich der Dopamin-D4-Rezeptor bildet. Er gehört zum Belohnungssystem des Menschen und hat viele Aufgaben und Auswirkungen im Gehirn.
"Die Natur hat sich sicherlich nicht mehrere Belohnungssysteme ausgedacht", sagt Peer Briken, Sexualforscher an der Universitätsklinik Hamburg.
"Beim Bergsteigen wird das gleiche System angesprochen wie beim Sex", ist Briken überzeugt. Es sprechen denn auch bereits einige Hinweise dafür, dass eine erhöhte Empfindsamkeit des D4-Rezeptors zu schnellerer sexueller Erregung führt.
Auch steigt bei manchen Parkinson-Patienten die Libido, wenn sie Medikamente einnehmen, die die Dopaminausschüttung erhöhen.
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