Konflikte unter Affen Schimpansen sind geborene Killer

Neues Schimpansen-Außengehege im Zoo Hannover Ein Schimpanse erkundet am 27.09.2013 ein neues Außengehege im Zoo in Hannover (Niedersachsen). Auslöser für den Bau der neuen modernen Anlage war der spektakuläre Ausbruch von fünf Schimpansen vor über einem Jahr gewesen. Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Schimpansen töten gelegentlich Artgenossen. Ist der Mensch schuld an der Affen-Aggression? Forscher vermuten eher, das Töten habe einen bestimmten evolutionären Sinn.

Von Christian Weber

Als Jane Goodall vor 35 Jahre zum ersten Mal über Schimpansen berichtete, die Artgenossen töten, war die Überraschung groß. Mittlerweile weiß man aus zahlreichen Berichten, dass diese nichtmenschlichen Primaten tatsächlich zu den wenigen Arten gehören, die mit zum Teil extremer Gewalt Konflikte ausfechten, manchmal sogar regelrechte Dschungelkriege führen. Umstritten blieb allerdings bis heute der eigentliche Grund für die Primatengewalt.

So machen einige Forscher den Menschen verantwortlich. Dieser habe vor allem durch das Verfüttern von Bananen an Forschungsstationen Zwietracht zwischen den Schimpansen gestiftet. Ein weiterer Grund für Konflikte könnten menschengemachte Habitatverluste sein. Andere Wissenschaftler hingegen halten die Gewaltbereitschaft der Schimpansen für eine evolutionäre Anpassung.

Im Fachmagazin Nature (Bd. 513, 2014, S.321) ergreift nun eine internationale Gruppe von 30 renommierten Primatenforschern um Michael Wilson von der University of Minnesota klar Partei für die Evolutionsthese. In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler unter anderem Daten, die über Jahrzehnte hinweg an 18 Schimpansen-Kolonien in Afrika erhoben wurden. An 15 Orten wurden Tötungsakte unter Gruppen beobachtet.

Bei den Kämpfen geht es um Nahrung und Sexualpartner

Dabei fanden sich in der Statistik keinerlei Belege, dass Aktivitäten wie Rodungen oder Flächenverbrauch die Zahl der Konflikte erhöht hätte. Im Gegenteil: Der friedlichste Orte war ausgerechnet jene Forschungsstätte in Guinea, die laut Studie am stärksten durch Menschen beeinträchtigt war.

"Die Muster tödlicher Aggression beim Schimpansen zeigen nur eine geringe Korrelation mit menschlichen Einflüssen", folgern die Autoren. "Sie sind besser mit der adaptiven Hypothese erklärt, wonach das Töten ein Mittel ist, bei geringen eigenen Kosten Rivalen zu eliminieren." Es gehe um Ressourcen wie Nahrung und Sexualpartner. Dies erkläre auch, wieso es die meisten gewaltbedingten Todesfälle in Gemeinschaften gab, wo die Populationsdichte hoch und die Zahl der Männchen groß war.

Auch unter den Schimpansen sind es - ähnlich wie bei Menschen - hauptsächlich die Männchen, die wiederum andere Männchen und Jungtiere töten. In einem Kommentar zur Studie warnt Joan Silk von der Arizona State University jedoch vor leichtfertigen Übertragungen: "Menschen müssen nicht notwendigerweise kriegerisch sein, nur weil Schimpansen gelegentlich ihre Nachbarn töten."