Kommunikation im Tierreich Am Meckern erkannt

Auch ein Jahr nachdem sie vom Nachwuchs getrennt wurde, erkennt eine Ziegenmutter unter etlichen Stimmen eine alte Aufnahme ihres eigenen Zickleins.

Von Laura Hennemann

Am Klang der Stimme erkennen Ziegenmütter ihren Nachwuchs. Und das noch bis zu 17 Monate nach der Geburt - selbst, wenn sie dann schon mehr als ein Jahr voneinander getrennt waren.

Ziegenmütter erinnern sich noch lange an die Stimme ihres Nachwuchses.

(Foto: dpa)

Dies berichten Biologen um Eloide Briefer von der Queen Mary University of London im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B (im Druck).

Die Wissenschaftler untersuchten neun Mutter-Kind-Paare Afrikanischer Zwergziegen. Die Forscher nahmen die Rufe der Zicklein auf, als diese fünf Wochen alt waren. Im Alter von fünf bis sechs Monaten wurden die Jungtiere entwöhnt und von ihren Müttern getrennt. Im zwölften bis 18. Monat nach der Geburt spielten die Biologen den Müttern die alten Aufnahmen ihrer Kinder vor. Zur Kontrolle ließen sie auch die Rufe anderer Zicklein hören.

Die Reaktionen der Ziegenmütter waren eindeutig: Bei den Lauten ihrer eigenen Kinder reagierten sie schneller, schauten länger in Richtung des Lautsprechers und antworteten öfter selbst mit Rufen.

Tatsächlich hatten die Ziegenmütter zu diesem Zeitpunkt schon ein neues Junges zur Welt gebracht und waren dabei, es aufzuziehen. Eine Vermutung war daher, dass sich die Rufe der Geschwister so weit ähnelten, dass die Mütter in dem alten Ruf vermeintlich das derzeitige Junge erkannten.

Um diese These zu prüfen, nahmen die Wissenschaftler eine Lautanalyse der Ziegenrufe vor. Per Computer verglichen sie, wie sehr sich die Laute der Kinder derselben Mutter sowie die von weiteren Ziegenkindern unterschieden. Auch wenn sich die Rufe von Geschwistern tatsächlich ähnelten, war die Übereinstimmung zu gering, als dass sich damit die Reaktion der Mutter erklären ließ. Ihr Gedächtnis muss zu ihrem ersten Kind zurückreichen, schließen die Forscher daher.

Nur von wenigen Tierarten ist bisher bekannt, wie lange sich Mütter an die Rufe ihrer Kinder erinnern. Bei den Nördlichen Seebären beträgt diese Zeitspanne zum Beispiel ein Jahr. Jedoch sind solche Bestimmungen gerade bei wildlebenden Tieren schwierig, weil man dieselben Individuen über Jahre hinweg beobachten muss.