Kommentar Schuld ist die Industrie

Kathrin Zinkant zweifelt nicht an Technik. Aber oft daran, wie sie genutzt wird.

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Die Deutschen sind gar nicht so technikfeindlich, zeigt eine Umfrage. Ein Grund, erleichtert zu sein? Nein, denn das Unbehagen rührt woanders her.

Von Kathrin Zinkant

In Beziehungen kommt es bisweilen vor, dass man sich vor Entfremdung fürchtet. Der Verdacht, der andere könne nicht ganz so zugewandt sein wie erhofft, muss gar keinen konkreten Anlass haben. Manchmal reicht schon eine Vermutung, um Zweifel zu schüren. Irgendwann fangen die Furchtsamen dann an, Fragen zu stellen. Was grundsätzlich eine gute Sache ist. Doch am Ende hören viele leider nur das, was sie hören wollen.

Das ist auch beim "TechnikRadar" der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) so. Eine Umfrage soll regelmäßig Fragen zum Verhältnis der Deutschen zu "der Technik" stellen. Anlass ist die Vermutung, die Bundesbürger seien technikfeindlich. Zwar kann niemand sagen, woher diese Vermutung rührt. Ein schlechtes Verhältnis zwischen Gesellschaft und Wissenschaft gilt aber als bedrohlich, denn in Deutschland gibt es offenbar wenig größere Schätze zu heben als den Intellekt von Ingenieuren und Wissenschaftlern. Also hat die Akademie jetzt etwa 2000 Deutsche repräsentativ befragt. Und herausgekommen ist dies: Die Technikfeindlichkeit der Deutschen gibt es gar nicht. Die Beziehung zwischen Gesellschaft und Wissenschaft ist besser als gedacht. Große Erleichterung! Es ist genau das, was alle hören wollten.

Es ist nur leider nicht das, was der Beziehung gefährlich werden könnte. Um das Verhältnis von Gesellschaft und Wissenschaft zu untersuchen, bedarf es mehr, als sich nach dem Interesse für und der Bewertung von Technologien zu erkundigen. Klar, Deutsche lieben Smartphones, sie befürworten erneuerbare Energien und Technik gegen den Klimawandel. Selbstverständlich findet man es gut, wenn die Luftverschmutzung durch neue Autos abnimmt, vielleicht sogar durch autonomes Fahren, so es denn irgendwann wirklich sicher wird. Was dem Menschen im Alltag nutzt oder große globale Probleme löst, wird geliebt.

Aber in dieser komplizierten Beziehung, gibt es noch andere Akteure. Allen voran: die Wirtschaft. Neue Technik, ob es nun Pflanzenzüchtungstechnologie oder eine neue Kamera ist, erreicht den Verbraucher nicht direkt, sondern über das wirtschaftliche System. Und das ist nun mal profitorientiert. Es wirkt deshalb auch zurück auf die Wissenschaft. Selbst in Deutschland wird der größte Teil der Forschung heute nicht mehr vom Steuerzahler, sondern von der Industrie finanziert. Es ist dieser Einfluss, der eine Entfremdung spürbar wachsen lässt. Nicht gegenüber der Technik selbst, wie auch die Umfrage zeigt. Aber die Rolle des Kapitals schürt Zweifel an der Zuverlässigkeit von Technik und untergräbt die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. Oft zu Unrecht. Doch wenn man davon gar nicht erst etwas hören will, wird sich an dieser Schieflage nichts ändern.