Pillen und Gasmasken hatten im Frühjahr 1910 Hochkonjunktur, denn der Halleysche Komet näherte sich der Erde. Viele Menschen glaubten, der Weltuntergang stünde bevor.
"Momentphotographien vom Weltuntergang" boten Fotografen vor genau 100 Jahren an. Und sie waren sogar "Sofort nach dem Untergang zu haben."
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Der Halleysche Komet zieht etwa alle 76 Jahre an der Erde vorbei. Das letzte Mal war er 1986 am Himmel zu sehen. (© Foto: AP)
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Doch nicht alle Menschen nahmen es mit einem solchen Galgenhumor auf, dass der Halleysche Komet sich mit seinem blausäurehaltigen Schweif am 19. Mai 1910 der Erde nähern sollte.
Freilich war die Blausäurekonzentration auch nach damaligem Wissen völlig ungefährlich - dennoch bescherte die Leichtgläubigkeit vieler Menschen, aber auch die uralte Furcht vor Kometen den Angstmachern gute Geschäfte. So hatten Pillen Hochkonjunktur, auch Gasmasken verkauften sich gut.
Zwar nahmen damals Satiriker den Rummel um die Wiederkehr des Halleyschen Kometen genussvoll aufs Korn: Unter dem Titel "Der Weltuntergang vom 19. Mai 1910" spotteten sie mit einer ganzen Serie von Bildpostkarten über die Furcht mancher Leute vor dem drohenden Weltende.
Bei allem Spott war jedoch die Furcht vor den oft unverhofft auftauchenden Schweifsternen tief im menschlichen Bewusstsein verankert. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten, die Kriege, Seuchen und Hungersnöte ankündigen.
Halley beschäftigt die Menschen seit jeher
Auch der Halleysche Komet, der uns etwa alle 76 Jahre besucht und nach dem 1741 gestorbenen britischen Astronomen Edmond Halley benannt ist, sollte bei seiner Wiederkehr vor hundert Jahren schon einiges auf dem Kerbholz haben:
Im Jahr 218 nach Christus soll er in China eine Revolte gegen den Herrscher ausgelöst haben.
Im Jahr 1066 galt sein Erscheinen als Vorbote der Schlacht bei Hastings und des Sieges der Normannen über die Angelsachsen. Das Auftauchen des Kometen vor der Schlacht wurde sogar auf dem berühmten Bayeux Teppich, einem bis heute erhaltenen Wandbehang aus dem Mittelalter, dokumentiert.
Lange Zeit galt er auch als Stern von Bethlehem, obwohl er bereits im Jahre zwölf vor Christus am Himmel erschienen war.
Doch ganz unbegründet ist der große Respekt, denn die Menschen dem Kometen von jeher zollten, nicht: Der Zusammenstoß eines solchen Himmelskörpers mit unserem Planeten würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen.
Von einer Kollision mit der Erde war der Halleysche Komet im Jahr 1910 aber weit entfernt - auch wenn er uns damals deutlich näher kam als bei seiner Wiederkehr 1986.
Sein letzter Auftritt war unspektakulär
Halleys erneutes Auftauchen vor gut 24 Jahren verlief übrigens zumindest für Beobachter in Mitteleuropa denkbar unspektakulär: Himmelsgucker hierzulande konnten den tief am Himmel stehenden Halley nur mit Mühe ausmachen - ganz im Gegensatz zu den prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake in den 1990er Jahren.
Dennoch war der bislang letzte Besuch des Halleyschen Kometen für die Wissenschaftler hoch spannend. Denn eine ganze Armada von Forschungs-Raumsonden nahm 1986 Kurs auf den bekanntesten aller Kometen, der wie seine Artgenossen den charakteristischen Schweif bei der Annäherung an die Sonne ausbildet.
Damals funkte die europäische Raumsonde Giotto Bilder des kartoffelförmigen Kerns von Halley zur Erde - und Daten, die bewiesen, dass Kometen Verbindungen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff enthalten.
Seither gab es weitere Kometen-Missionen, die unser Verständnis von den gern als schmutzige Schneebälle beschriebenen Schweifsternen erweitern sollten.
Eine der spektakulärsten Missionen läuft bereits seit 2004, als die Europäer die Sonde Rosetta auf eine zehnjährige Reise zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko schickten. Dort soll sie 2014 ein Landegerät mit dem Namen Philae absetzen - zu einem "Ritt auf dem Kometen".
(sueddeutsche.de/AFP/Richard Heister/cosa/mcs)
Gysi gegen Lafontaine
Im April 1986 war der Halleysche Komet im Blickfeld aller Erdenbürger.
Warum hat denn damals keiner die Kernschmelze von Tschernobyl vorhergesagt ?
War das Angstmachen nicht mehr 'in' ?