Konzerne und Bundesregierung wollen CO2 vergraben lassen, um Kohlekraftwerke weiter zu betreiben. Aber was darf die Gesellschaft künftigen Generationen zumuten?
Ist es richtig, ein Problem einfach in der Erde zu verbuddeln? Das klingt wie eine rhetorische Frage, deren Antwort lauten muss: Nein, natürlich nicht, Probleme muss man lösen oder vermeiden, aber doch nicht einfach vergraben und künftigen Generationen überlassen.
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Doch genau das soll nun ausgerechnet mit einem der größten Probleme der heutigen Welt geschehen: Das Treibhausgas Kohlendioxid, hauptverantwortlich für den Klimawandel, soll tonnenweise in Hohlräume hunderte Meter tief unter der Erdoberfläche gepumpt werden. Auch in Deutschland sehen Techniker, Stromkonzerne wie Vattenfall sowie die Bundesregierung darin eine Chance, um in den kommenden Jahrzehnten Kohlekraftwerke zu betreiben, ohne dass deren Abgase die Erdatmosphäre bis zum Kollaps aufheizen.
Technisch betrachtet spricht vieles für das CCS (carbon capture and storage) genannte Verfahren. Auf einem chemisch relativ sauberen Weg lassen sich in einem modernen Kohlekraftwerk um die 90 Prozent des Kohlendioxids aus den Abgasen herauswaschen. Das verflüssigte Klimagas ist transportabel und wurde in kleineren Versuchen wie im brandenburgischen Ketzin erfolgreich in unterirdische Sandsteinformationen gepresst. Bislang blieb das Gas im Erdreich.
Betreiber von Kohlekraftwerken wollen mit dem CCS-Verfahren in den kommenden Jahrzehnten ihr Geschäft sichern. Unterstützt werden sie von den Pragmatikern unter den Klimaschützern: Diese erhoffen sich von der Technik, dass sie schon bald den weltweit steigenden Ausstoß von Klimagasen eindämmt.
Mit diesen Argumenten hat das Bundeskabinett vor einigen Wochen einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die weitere Nutzung der CCS-Technik fördern soll. Doch nun ist die Debatte in den Wahlkreisen entbrannt. Viele Bundes-Parlamentarier, die eigentlich noch in dieser Woche über das CCS-Gesetz entscheiden wollten, sind zu erbitterten Gegnern des Vorhabens mutiert. Ein Streitpunkt betrifft die Haftung: Genügt es, dass Kraftwerksbetreiber nur 30 Jahre lang verantwortlich gemacht werden können, falls das Klimagas doch wieder aus den unterirdischen Kavernen entweicht? Auch haben Zweifel an der Sicherheit der CCS-Technik im Wahlkampf besonderes Gewicht.
Vieles an der aufflammenden Debatte ähnelt dem Streit um Atomendlager. Und in der Tat ist nicht hinlänglich geprüft, ob die für den Klimaschutz notwendigen Mengen von CO2 auf diesem Weg entsorgt werden können.
Wer die erschreckenden Vorgänge im Atomlager Asse verfolgt hat, kann sich kaum vorstellen, dass geologische Gesteinsformationen ein Gas zuverlässiger einschließen als radioaktive Müllfässer. Der Unterschied zum Atommüll darf allerdings nicht übersehen werden: CO2 ist weder radioaktiv noch giftig. Nur wenn es plötzlich in großen Mengen austritt, könnte es lokal die Atemluft verdrängen und beispielsweise Menschen und Tiere in einer Talsenke ersticken. In Afrika ist das schon geschehen, doch im flachen Norddeutschland kaum zu befürchten.
Zu Unrecht vernachlässigt wird in der Debatte jedoch der grundlegende moralische Aspekt: Was darf die Gesellschaft künftigen Generationen zumuten? Die heute lebende Menschheit macht es sich viel zu leicht mit dem Verfrachten akuter Probleme in die Zukunft, siehe Staatsverschuldung oder Rentenkrise. Selbst wenn man annimmt, dass sich CO2 gefahrlos unter die Erde pumpen lässt, ist es ethisch verwerflich, die Abfälle des Öl- und Kohle-Zeitalters künftigen Generationen aufzudrücken.
In wenigen hundert Jahren, wenn die Menschen hoffentlich den Übergang ins solare Zeitalter gemeistert haben, werden unterirdische Kohlendioxid-Depots lästige Erblasten sein, unerwünschte Relikte aus jener skurrilen Zeit, in der man allen Ernstes noch Kohle verbrannte, um elektrischen Strom zu erzeugen.
- Kohlendioxid-Entsorgung Ab in die Erdspalte 18.11.2008
- UN-Bericht CO2-Ausstoß hat zugenommen 17.11.2008
- Gefährdeter Lebensraum Die Verwandlung der Ozeane 23.04.2009
- Nasa-Satellit Kohlendioxid-Wächter gescheitert 24.02.2009
- Klimawandel Ahnungslos im Orbit 23.02.2009
(SZ vom 19.06.2009/beu)
Riexinger und Kipping führen die Linke
Dass es gefährlich wäre, wenn CO2 in diesen beträchtlichen Mengen an die Erdoberfläche gelangte, ist unbestreitbar. Für mich aber Horrorszenarien, die nicht realistisch sind!
Erstens sollte jeder bedenken, dass CO2 stetig von unserer Erde emittiert wird... überall und zu jeder Zeit. Und ja da gibt es sogar natürliche Ansammlungen in Senken, die bedenklcih für den Menschen sind!
Zweitens, das von Superhaase beschriebene Supergau-Szenario tritt nur dann ein wenn Schwächezonen in der Erde reaktiviert werden, da man aber davon ausgehen kann, in nicht oder nur wenig gestörte geologische Untergründe zu injizieren, ist die Emission in diesen Mengen: Quark.
Drittens handelt es sich bei der CCS Technologie nicht um Injektionstiefen in einigen Zehnermetern unterhalb der Erdoberfläche, sondern eher 2000-3000m und nun stellen wir uns einmal vor, wie lange die Gasdiffusion durch einen Meter nichtporösen Gesteins, z.B. Ton, dauern wird!? Und dabei migriert das Gas in kleinsten Mengen und nciht als Gasblase... geht ja auch gar nicht wenn man den Gebirgsdruck bedenken.
Das ganze Thema wird enorm aufgeblasen, wer hat sich denn in den 70ern aufgeregt, dass riesige Erdgasspeicher unterhalb verschiedener nord- und mitteldeutscher Gebiete eingerichtet wurden?! Und Erdgas ist nunmal explosiv, da würde ich mir als Anwohner wenn überhaupt noch eher Gedanken machen.
Natürlich ist es wichtig, dass alles bis ins Detail geologisch geprüft wird bevor injiziert wird.
Ich für meinen Teil würde eher mal die Methan-Emission im Auge behalten, da dessen Klimawirksamkeit, das des Kohlendioxids um ein Vielfaches übersteigt.
CO2 ist sehr wohl giftig. Der Autor hat sich nicht richtig informiert!
Normalerweise sind etwa 0,03% in der Luft. Als unbedenkliche Dauerbelastung (MIK-Wert) gelten 0,3%. MAK-Wert (zul. Belastung von 8 Stunden pro Tag) ist 0,5%.
Also wird man ab diesem Wert auf Dauer schon krank.
Ab 5% treten unmittelbar Kopfschmerzen, Schwindel und Bewusstlosigkeit auf.
Bei 8% sind die Folgen: Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Eintritt des Todes (!) nach nur 30-60 Minuten. UNGIFTIG? Das hat nichts mit Ersticken durch Sauerstoffverdrängung zu tun. Auch wenn die Luft noch genügend Sauerstoff enthält, stirbt man.
Weiter muss man bedenken, dass bei einer großtechnischen CCS-Nutzung im Laufe der Jahre Milliarden (!!!) Tonnen CO2 eingelagert werden müssen. Es ist dann wohl nicht auszuschließen, dass irgendwann irgendwo mal ein technisches oder geologisches Problem auftritt, bei dem ein paar Millionen Tonnen frei werden. Wenn diese dann durch den Boden nach oben diffundieren, kann es sich bei Windstille in Mulden sammeln oder in Keller eindringen und dort lebensgefährliche Konzentrationen erreichen.
Man kann niemandem zumuten, auf einem solchen Giftgasspeicher leben zu müssen.
scheunen Gruß aus Schleswig Holstein ...
die CDU, ehemals massive Befürworter des CCS Gesetzes hat sich in SH davon verabschiedet. Nicht aus besserer Erkenntniß ... nö ... sondern weil die CDU ansonsten zumindest in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und natürlich Flensburg zu einer Marginalie verkommt. Innerhalb von 4 Wochen ist der Protest gegen die Einlagerung von CO² in Nordfriesland so massiv geworden, daß nicht nur die Landes CDU zurück rudert, sondern auch die Bundes CDU nicht wirklich weiß was sie machen soll.
Hier im Land ist es ganz einfach. Lever duad as Slav (Lieber tot als Sklave) ist seit einigen hundert Jahren der Schnack der Nordfriesen. Als eher konservatives Völkchen, geben sie eigentlich den Politikern wenig Grund zur Sorge .... ABER ... wehe wenn die sauer werden. Jan Hinnak achtern Diek kann bannig böse werden. Das ist nun passiert. Egal ob Kirchengemeinden, Bauernverbände, Kommunen keiner wird Untersuchungen erlauben. Die Durchsetzbarkeit ... auch mit Gerichtsbeschluß ... alleine Voruntersuchungen machen zu können, dürften wohl auf massiven Widerstand der Bevölkerung treffen.
Das Problem neben dem "normalen" Irrsinn Probleme in ferne Zukunft zu verlagern, ist ein ganz einfaches. Kommt es zu Leckagen kann es simpel passieren, daß in Kellern oder in Senken CO² Ansammlungen (weil schwerer als Luft) sind, die schlicht, weil geruchslos dann zum Tod von Mensch und Tier führen können. Muß man nicht unbedingt provozieren. Die Haftungsfrage mag Politikern wichtig sein ... für die Bevölkerung hier ist das ne völlig zweitrangige Frage. Vorrangig ist die Sicherheit der Menschen für die nächsten Generationen. Asse wurde schon als klassisches Beispiel verfehlter Politik aufgeführt, sowas brauchen wir hier im Norden nicht. Statt dezentrale Energieversorgung mit Kraft-Wärmekopplung und einem Wirkungsgrad von ca. 90% sollen Monster mit grade mal irgendwas um die 40% Wirkungsgrad erhalten bleiben und mit der CO² Einlagerung "gerettet" werden. Btw. bei kleinen Anlagen kann ... neben dem sowieso durch den höheren Wirkungsgrad geringeren Verbrauch, CO² noch durch Algen in Biomasse umgewandelt werden. Klar gefällt das den Konzernen nicht besonders, weil die leben von einer zentralen Energieversorgung ... Nascha, an den ollen Wikingern und Friesen, werden die sich allerdings die Zähne ausbeißen.
(W)icken, Fressen, Fossile Brennstoffe
@kaineAhnung: Lass mich raten du isst dein essen roh, heizt nicht und dein pc läuft mit luft und liebe... O_o
@rst2007: Grundsätzlich hast du recht - man muss mehr in alternative ideen investieren und dabei auf eine nachhaltige umweltverträglichkeit achten. Nur was machen wir bis dahin? Alles was C02 ausstößt abschalten und zurück in die Steinzeit kann ja auch keine lösung sein! Also müssen wir wohl oder übel eine mittelfristige lösung für das problem finden und da ist die einlagerung vom C02 ins erdreich keine all zu schlechte idee, oder zumindest besser als das zeuchs weiter in die luft zu blasen...
Was die "kleine" Gasblase im Kibu-See angeht, so war das die größte Gaseruption die man in einem inländischen Gewässer bislang beobachtet hat, also mal bitte nicht für die Dramatik untertreiben...
Paging