Klimawandel Wie ein Hurrikan entsteht

Folge des Klimawandels? Ein Satellitenbild von Hurrikan Irma.

(Foto: AFP)

Die Wissenschaft hat ein genaues Bild davon, wie es zu den Riesen-Wirbeln über dem Meer kommt. Doch werden sie aufgrund des Klimawandels tatsächlich häufiger?

Von Jan Heidtmann

Bill Gates nannte es einen "Plan C". Unter der Nummer 200901077569 meldeten der Gründer von Microsoft und ein paar Mitstreiter eine Erfindung bei der US-Patentbehörde an, die einmal nichts mit Computern zu tun hatte. "Wasser-Veränderungs-Risiko-Management" hieß das Vorhaben, das Gates und seine Leute am 3. Januar 2009 einreichten. Kurz gesagt, ging es um die Abwehr von Hurrikanen.

Mithilfe von Pumpen, die auf dem Atlantik installiert werden, sollte kühles Meerwasser aus der Tiefe an die Oberfläche geholt werden. Das sollte auf einer Fläche von mehreren Kilometern geschehen und damit den wärmehungrigen Hurrikanen die Luft abgedreht werden. Doch das Konzept barg zahlreiche Probleme. Das kühle Wasser müsste aus 300 Metern geholt werden, und es wären Millionen Pumpen dafür nötig. So geriet der Plan zu "Plan C" - umzusetzen vielleicht dann, wenn die Klimaerwärmung mehr Wirbelstürme produzieren würde.

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Meteorologen und Klimawissenschaftler streiten ohnehin seit Jahren darüber, ob verheerende tropische Wirbelstürme wie Olga (2001), Katrina (2005), Sandy (2012) oder eben jetzt Irma auch eine Folge der Erderwärmung sind. So wie die Beweislage derzeit ist, müsste Gates seinen "Plan C" nicht umsetzen: Ungefähr genauso viele Indizien sprechen für einen Zusammenhang wie dagegen.

Die Wucht der Wirbelstürme schwankt erkennbar. Aber es gibt ein Muster

Damit aus einem Unwetter ein Hurrikan werden kann, braucht es eine Meerestemperatur von mindestens 26,5 Grad. Die erreicht der Atlantik regelmäßig zwischen Juni und November knapp nördlich vom Äquator vor der Westküste Afrikas. Hier nehmen die Tropenstürme in der Karibik und an der Ostküste der USA ihren Ausgang. Das Wasser verdunstet, die Luft erwärmt sich, so bildet sich ein Sog über dem Meer. Aus allen Richtungen strömen nun Luftmassen herbei, um diesen Unterdruck auszugleichen. Sie nähren den Sturm, es bilden sich Wolkenwirbel, das verdunstende warme Wasser wird zum Treibstoff des Hurrikans.

Da mit der Erderwärmung auch die Temperatur des Atlantiks gestiegen ist, um 0,7 Grad in den vergangenen 100 Jahren, nahmen Wissenschaftler dies lange als Grund an für die steigende Zahl an Hurrikanen seit den 1990er-Jahren. Doch die aufgeheizten Meere liefern nicht nur Energie für Wirbelstürme, sondern auch für sogenannte Scherwinde. Diese aber zerstören die Wirbel. Ungeklärt ist bislang auch, ob tatsächlich die absolute Meerestemperatur am Entstehungsort Stürme verursacht. Oder ob nicht die relative Temperatur im Vergleich zu den umliegenden Meeresregionen entscheidend ist. Dass also besonders dort Sturmgefahr besteht, wo das Meer sehr warm, das Wasser drumherum aber besonders kühl ist. Es wäre ein Argument gegen einen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, die ja die Temperaturen gleichmäßig ansteigen lässt.

Wegen dieser Widersprüche geht der Weltklimarat auch nicht mehr davon aus, dass mehr Hurrikane auf die Menschen zukommen; dafür würden die tatsächlich entstehenden Stürme aber kräftiger und verheerender sein. Doch diese These ist ebenfalls umstritten. Die Anzahl der Wirbelstürme und ihre Wucht schwanken auf längere Sicht stark, meist in einem Rhythmus von 30 bis 40 Jahren. So ging dem Hurrikan Andrew, der 1992 den US-Bundesstaat Florida verwüstete, eine Zeit voraus, in der es kaum derart verheerende Unwetter gab. Nach dieser Kaltphase hat mit Andrew im Atlantik eine Warmphase begonnen, die seitdem kräftigere Hurrikane produziert. Um all diese Wechselwirkungen wirklich einschätzen zu können, fehlt es auch an Daten; Satelliten ermöglichen erst seit rund 30 Jahren, die Unwetter präzise zu beobachten.

Die Ausläufer der Tropenstürme sind übrigens bis Europa zu spüren. Sie sind aber harmlos und verhageln als Tief höchstens den Herbst.

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