Klimawandel Wärme dort, Kälte hier

Der Klimawandel lässt das Eis in der Arktis schmelzen. Langfristig wird das den Industrienationen in Europa, Nordamerika und Asien im Winter mehr Schnee und Frost bescheren.

Von Christopher Schrader

Der Klimawandel könnte ausgerechnet den großen Industrienationen in Europa, Nordamerika und Asien besonders kalte Winter bescheren. Auslöser dafür ist das inzwischen "irreversible", weitgehende Verschwinden des Eises in der Arktis, sagt James Overland von der amerikanischen Wetterbehörde Noaa.

"Kalte und schneereiche Winter werden eher die Regel als die Ausnahme sein", erklärte der Wissenschaftler am vergangenen Freitag auf einer Konferenz zum Abschluss des internationalen Polarjahrs in Oslo. Darauf haben Europa und die USA im vergangenen Winter womöglich schon einen Vorgeschmack bekommen.

Zwar lässt sich die Entwicklung des konkreten Wetters in einem Jahr niemals zweifelsfrei einer Veränderung im Klima zuordnen, aber die Abläufe passen in Overlands Szenario. Wenn im Sommer die Eisdecke schrumpft, nimmt das offene Wasser sehr viel mehr Wärme als in anderen Jahren auf.

Dadurch ist die Arktis im Herbst und Winter mehr als ein Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt. Das wiederum verändert die Druckverhältnisse: Ein stabiles Kältehoch im Norden schaufelt trockene arktische Kaltluft in mittlere Breiten, also unter anderem nach Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Die europäischen Länder würden sonst häufig von atlantischen Westwinden mit feuchter Luft versorgt, was milde Winter auslöst. Seit langem pendelt die Großwetterlage der Jahreszeit zwischen diesen beiden Zuständen, in Zukunft aber dürfte Overland zufolge die Kälte überwiegen.

Der Wissenschaftler stellt dem Klima der Arktis seit Jahren jedes Jahr ein Zeugnis aus; die Noten folgten den Farben der Ampel. Im Fach Atmosphäre gab es immer "rot".