Klimawandel Steigender Meeresspiegel gefährdet 500 Millionen Menschen

Eine überflutete Straße in Kalkutta - die Stadt in Indien zählt du den am stärksten vom Meeresspiegelanstieg bedrohten Regionen weltweit.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie der US-Forschungsorganisation Climate Central warnt vor den Folgen des Meeresspiegelanstiegs für Städte und Bevölkerungen weltweit.
  • Je nach Intensität der Erderwärmung sind demnach bis zu 760 Millionen Menschen gefährdet.
  • Derzeit steigt der Meeresspiegel mit einer Geschwindigkeit von mehr als drei Millimetern pro Jahr.

Wie die Erderwärmung den Meeresspiegel steigen lässt

Eine Klimaerwärmung um vier Grad Celsius wird einer neuen Studie zufolge weltweit zwischen 470 und 760 Millionen Menschen gefährden. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius wären immer noch 130 Millionen Menschen in Küstenregionen vom höheren Meeresspiegel betroffen, heißt es in dem Report der US-Forschungsorganisation Climate Central.

Aufbauend auf einer im Oktober veröffentlichten Studie mit Daten für die USA legen die Forscher vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris nun interaktives Kartenmaterial für die gesamte Welt vor: In Deutschland würden demnach bei einem Anstieg um vier Grad 3,5 Millionen Menschen gefährdet sein, bei einem Plus von zwei Grad 1,3 Millionen.

Bei einer Erderwärmung von vier Grad wären laut den Autoren auch große Gebiete (blau markiert) New Yorks vom Wasser bedroht.

(Foto: Climate Central)

Am stärksten trifft es demnach China, wo 145 Millionen Menschen in überflutungsbedrohten Regionen leben. Dort wäre auch der Effekt einer Erwärmung um nur zwei Grad am höchsten: Dann wären nur noch 64 Millionen Menschen gefährdet. In zwölf weiteren Nationen - darunter Indien, Bangladesch und Vietnam - müssten jeweils mehr als zehn Millionen Menschen vor dem Wasser fliehen. Zu den zehn am meisten gefährdeten Megastädten zählen Shanghai, Hongkong, Kalkutta und Mumbai. Auf interaktiven Karten können die verschiedenen Szenarien für alle Regionen der Welt betrachtet werden.

"Ein Anstieg des Meeresspiegels ist nichts, wovor man Angst haben müsste, weil er sehr langsam verläuft. Aber er ist etwas, um das man sich sorgen muss, weil er unser Land verschwinden lässt, inklusive der Städte", sagte Co-Autor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung laut Mitteilung. Die Forscher legen bei ihren Karten einen Meeresspiegelanstieg von 7,4 beziehungsweise 4,5 Metern zugrunde. Wann sich dieser Anstieg einstellt, lässt sich bislang nur schätzen. Je nach Schadstoffausstoß werden diese Höhen demnach in den kommenden 200 bis 2000 Jahren erreicht. Entscheidend sei aber, dass die Höhe des letztendlichen Anstiegs bereits in diesem Jahrhundert festgelegt werde, durch die Menge an Treibhausgasen, die in die Atmosphäre gelangt.

Schon jetzt habe der Meeresspiegelanstieg von global etwa 20 Zentimetern seit 1901 drastische Auswirkungen selbst in Industrieländern, sagte Levermanns Kollegin Katja Frieler. Der Hurrikan Sandy führte 2012 zu einer riesigen Sturmflut in New York, die große Teile der Stadt überschwemmte. Durch den höheren Meeresspiegel seien einer Studie zufolge gut ein Zehntel mehr Menschen sowie Wohneinheiten betroffen gewesen als ohne diesen Anstieg.

Die Gründe für den Wandel

Der Meeresspiegel steigt nach Angaben des Weltklimarates mit zunehmender Geschwindigkeit. Sie liegt derzeit bei mehr als drei Millimetern pro Jahr, etwa doppelt so schnell als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das liegt daran, dass die Ozeane wärmer werden und sich dabei ausdehnen. Dazu gelangt immer mehr Wasser aus schmelzenden Gletschern oder den Polen in die Meere. Die Klimaschutzziele, die auf dem Gipfel in Paris in einen internationalen Vertrag gegossen werden sollen, würden die gefährlichen Folgen des Klimawandels zunächst nicht verhindern. Denn selbst wenn alle Länder ihre angekündigten Ziele vollständig umsetzen sollten, würde die Erdtemperatur immer noch um 2,7 Grad Celsius steigen, rechnete das unabhängige Projekt Climate Action Tracker aus.

WWF-Studie Klimawandel treibt die Preise und leert die Regale

Die Erderwärmung erreicht den Supermarkt. Das zeigt eine Studie am Beispiel von Kaffee, Bananen, Haselnüssen und Orangen.