Klimawandel Paradox am Südpol

Während sich die Erde erwärmt, wächst die Eisfläche im Südpolarmeer. Forscher haben nun eine Erklärung für das Phänomen gefunden - und beunruhigende Entwicklungen für die Zukunft vorhergesagt.

Auf den ersten Blick erscheint es wie ein Paradox: Der Klimawandel erwärmt die Erde, und gleichzeitig wächst die Eisfläche im Südpolarmeer - in den vergangenen 30 Jahren um knapp 90.000 Quadratkilometer pro Jahrzehnt.

Klimaforscher können diesen Effekt jedoch inzwischen erklären - und die weitere Entwicklung des antarktischen Eises berechnen: Im Laufe dieses Jahrhunderts werde die Eisfläche im Südpolarmeer wohl schrumpfen, schreiben Jiping Liu und Judith Curry vom Georgia Institute of Technology in Atlanta in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins PNAS (online).

Noch wächst die Eisfläche im Südpolarmeer, weil dort wegen des Klimawandels mehr Niederschläge fallen - meist als Schnee. Dieser reflektiert einen Teil der Wärmestrahlung aus der Atmosphäre und verhindert so, dass das Eis schmilzt.

Steigt jedoch der Ausstoß der Treibhausgase erwartungsgemäß im Lauf der kommenden Jahrzehnte weiter, erwärmt sich das Meer, in der Folge schmilzt das Seeeis von unten. Zudem fallen die Niederschläge nicht mehr als Schnee, sondern als Regen. Dieser kann, anders als Schnee, die Wärmestrahlung nicht reflektieren, so dass das Eis im Südpolarmeer auch von oben her schneller schmelzen wird.

Je nachdem, wie stark die Treibhausgas-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten ausfallen werden, rechnen die Forscher mit einem Schrumpfen des antarktischen Seeeises um 40.000 bis 300.000 Quadratkilometer pro Jahrzehnt. Besonders schnell werde das Eis vermutlich vom Ende der 2060er-Jahre an schmelzen.

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