Klimawandel Obama erklärt Trump die Energiewende

Barack Obama vor einer Windfarm im US-Bundesstaat Iowa im Jahr 2012

(Foto: REUTERS)
  • US-Präsident Barack Obama hält in einem Gastbeitrag den Trend zu mehr Klimaschutz und erneuerbaren Energien für unaufhaltsam.
  • Im Wissenschaftsmagazin Science argumentiert Obama, Wirtschaftswachstum und Energiesparen ließen sich bereits gut miteinander vereinen.
  • Donald Trump hat Schlüsselpositionen im Kabinett an erklärte Gegner von Klimaschutz vergeben. Obama gibt sich dennoch optimistisch und führt vor allem wirtschaftliche Argumente an.
Von Marlene Weiß

Der noch amtierende US-Präsident Obama ist überzeugt, dass der globale Trend zu mehr Klimaschutz unumkehrbar ist - egal, was sein Nachfolger Donald Trump künftig tut oder lässt. "Unabhängig von der kurzfristigen Politik machen mich die wachsenden wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Hinweise zuversichtlich, dass der Trend zu einer Wirtschaft der sauberen Energie sich fortsetzen wird", schreibt Obama in einem aktuellen Gastbeitrag im Wissenschaftsmagazin Science.

Der bevorstehende Wechsel an der Spitze der größten Wirtschaftsmacht und des zweitgrößten Treibhausgas-Emittenten der Welt macht vielen Klimaschützern Sorgen. Donald Trump ist erklärter Gegner von Klimaschutz und hat Schlüsselpositionen seiner Regierung an Vertreter der Öl-Industrie verteilt. So soll der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Scott Pruitt, die Umweltbehörde Epa leiten. Pruitt bezweifelt den Klimawandel und hat gegen staatlichen Umweltschutz gekämpft.

Dessen ungeachtet äußert sich Obama optimistisch. In seinem Gastbeitrag nennt er vier Gründe dafür. Erstens seien Wirtschaftswachstum und Klimaschutz schon heute keine Gegensätze mehr. Damit könnte Trumps Entschlossenheit, Wirtschaft und Arbeitsplätze über alles andere zu stellen, beim Klimaschutz ins Leere laufen. Tatsächlich blieben die globalen Emissionen zuletzt ungefähr konstant, während die Wirtschaft wuchs. Das gab es nie zuvor. In den USA war das besonders deutlich: Laut dem jüngsten Bericht seiner Wirtschaftsberater ist der Treibhausgas-Ausstoß von Heizungen, Industrie und Verkehr in den USA seit 2008 um 9,5 Prozent gesunken, bei mehr als zehn Prozent Wirtschaftswachstum. Für jeden Dollar Wirtschaftsleistung emittieren die USA heute 18 Prozent weniger CO₂ als 2008.

Obamas zweites Argument betrifft die Energieeffizienz: Für immer mehr Unternehmen und Verbraucher lohnt es sich schlicht aus Kostengründen, Energie zu sparen. So ist auch der gesamte Energieverbrauch in den USA seit 2008 trotz Wirtschaftswachstums um immerhin 2,5 Prozent gesunken. Selbst der Auto-Riese General Motors, nicht gerade ein flexibles Öko-Start-Up, will bis 2020 im Vergleich zu 2011 um 20 Prozent energieeffizienter werden.

Hinzu kommen, drittens, die Kräfte des Marktes: Gerade in den USA stellen etwa Energieversorger immer mehr von Kohle auf Fracking-Gas um, der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung ist dort seit 2008 von 21 auf 33 Prozent gestiegen. "Weil die Kosten der Stromerzeugung mit Erdgas nach den Prognosen im Vergleich zu Kohle niedrig bleiben werden, ist es unwahrscheinlich, dass die Stromkonzerne umsteuern und teurere Kohlekraftwerke bauen", schreibt Obama - unabhängig von der Regierungspolitik. Auch die Kosten erneuerbarer Energien sind dramatisch gefallen. In den USA ist Windstrom seit 2008 um 41 Prozent günstiger geworden, Photovoltaik sogar um bis zu 64 Prozent. Global wurde 2015 mehr als doppelt so viel Geld in Erneuerbare investiert wie in fossile Energien, ein Rekord.

Und schließlich, Punkt vier, verweist Obama auf das Klimaabkommen von Paris: Mehr als 110 Staaten - gemeinsam verursachen sie drei Viertel der weltweiten Emissionen - sind bereits beigetreten, und haben damit die Möglichkeit, Staaten wie China, Indien oder Mexiko zur Rechenschaft zu ziehen. Egal, was innenpolitisch geschieht, läuft es Obama zufolge den eigenen wirtschaftlichen Interesse zuwider, darauf zu verzichten.

"Natürlich ist es einer der großen Vorteile unseres Regierungssystems, dass jeder Präsident seine eigene Politik entwerfen kann", schreibt Obama. Dazu werde auch Donald Trump Gelegenheit haben. Aber die jüngsten Erkenntnisse aus Forschung und Wirtschaft seien doch hilfreiche Wegweiser, was die Zukunft bringen werde. In vielen Fällen sei das unabhängig von politischen Entscheidungen.

Nach allem, was man bisher weiß, steht allerdings zu vermuten: Dieser Hinweis an den künftigen US-Präsidenten dürfte verschwendet sein.

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