Klimawandel Kleiner Teich, viel Treibhausgas

Ein Vogel fliegt über einen Teich im New Yorker Central Park. Aus Seen und Teichen entweichen insgesamt etwa sechs Prozent aller freigesetzten Klimagase.

(Foto: Shannon Stapleton/Reuters)

Teiche wurden lange als Methanquelle unterschätzt - dabei stoßen sie besonders viel von dem Klimagas aus.

Von Christoph Schrader

Der Schmelzwasser-Teich, den die russischen Forscher N14 nennen, ist zu klein für Karten oder Satellitenbilder. Er liegt in Sibirien auf tauendem Permafrostboden und hat eine Oberfläche von 2,5 Quadratmetern. Solche Mini-Wasserflächen werden bisher meist ignoriert, wenn es um eine genaue Bilanz der Treibhausgas-Emissionen geht.

Gerade die kleinsten Tümpel jedoch, warnt Meredith Holgerson von der Yale University, enthalten überproportional viel Kohlendioxid und Methan - und setzen besonders viel davon frei. Beim Methan könnten es nach Holgersons Berechnungen fast 41 Prozent der gesamten Emissionen aus stehenden Gewässern sein (Nature Geoscience).

"Wenn wir die Respiration der Teiche nicht genauer erfassen, wissen wir auch nicht, wie der Planet im Klimawandel reagiert", sagt sie. Dem kann Peter Casper vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin nur zustimmen. "Die Binnengewässer sind bei der Betrachtung der Treibhausgase lange vernachlässigt worden."

Die Teiche mit den höchsten Treibhausgas-Werten hat Holgerson selbst gefunden

Meredith Holgerson hat mit ihrem Kollegen Peter Raymond Daten von gut 400 Seen noch einmal ausgewertet, die andere Wissenschaftler vor allem in Kanada, den USA, Skandinavien oder Russland erhoben hatten. Die Größe der Gewässer reichte von 2,5 Quadratmetern bis zu mehr als 500 Quadratkilometern bei den größten Seen in Deutschland und Japan: dem Boden- und dem Biwasee.

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Die Teiche mit den höchsten Treibhausgas-Werten hat Holgerson selbst gefunden, in der Nähe eines Landhauses ihrer Universität. Der Woodpile-Pond bei Eastford in Connecticut mit seinen 716 Quadratmetern enthielt zum Beispiel fast 6000-mal so viel Methan pro Liter wie der Bodensee.

Wie viele Teiche von bis zu 1000 Quadratmetern es auf der Welt gibt, können die Yale-Forscher nur schätzen: 550 Millionen bis 3,2 Milliarden. Sie nehmen nach Modellrechnungen 8,6 Prozent der stehenden Gewässerfläche ein, stoßen aber durch Diffusionsprozesse, also durch den Gasaustausch an der Oberfläche 15 Prozent des aus Seen freigesetzten CO2 und fast 41 Prozent des Methans aus.

"Die Erfahrung lehrt, dass Methan vor allem durch Gasblasen freigesetzt wird"

Würde man das Methan einbeziehen, das durch Gasblasen freigesetzt wird, läge der Anteil der Teiche noch höher, vermutet Holgerson. "Die Erfahrung lehrt, dass Methan vor allem durch Gasblasen freigesetzt wird", sagt Matthias Koschorreck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. "Die Studie benennt also sogar nur eine Untergrenze der Emissionen."

Derzeit geht es nur um eine Korrektur der Bilanzrechnung. Aus Seen und Teichen entweichen etwa sechs Prozent aller freigesetzten Klimagase. Mit der globalen Erwärmung und dem Auftauen des Permafrosts, mahnt ein Forscherteam um Ludmilla Schirokowa von der russischen Akademie der Wissenschaften, könnte sich der Ausstoß der untersuchten sibirischen Tümpel verzehnfachen.

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