Klimawandel 2012 ist das Jahr der Wetterextreme

Für die Amerikaner war 2012 das bisher wärmste Jahr in den Aufzeichnungen, viele Bundesstaaten erlebten eine außergewöhnliche Dürre. Und das war nur eine von vielen Wetterextremen weltweit in diesem Jahr.

(Foto: dapd)

Fast alle Weltregionen haben dieses Jahr außergewöhnlich starke oder gleich mehrere Hitzewellen, Dürren, schwere Regenfälle, Überflutungen oder extreme Kälteeinbrüche erlebt. Der Meteorologischen Weltorganisation zufolge war 2012 demnach ein besonderes Jahr - im negativen Sinne.

Von Christopher Schrader

Die ersten zehn Monate des Jahres 2012 waren geprägt von Wetterextremen, stellt die Meteorologische Weltorganisation (WMO) fest. Fast alle Weltregionen haben Hitzewellen, Dürren, schwere Regenfälle, Überflutungen oder extreme Kälte erlebt, manche Länder sogar mehrere davon, teilweise unmittelbar nacheinander.

In Europa zum Beispiel folgte der extremen Kälte im Januar und Februar von Ende März an eine Hitzewelle. China erlebte Dürre wie Fluten.

Die WMO hat ihre vorläufige Bilanz an ihrem Sitz in Genf und in Doha am Rande des Klimagipfels vorgelegt. Sie erwartet, dass 2012 zu den zehn wärmsten Jahren der Klimastatistik gehören wird. In den Monaten Januar bis Oktober habe die globale Durchschnittstemperatur 0,45 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel gelegen.

Das entspricht Platz neun, obwohl das Jahr mit einer La-Niña-Phase begonnen hat. Diese Verschiebung der Wetterverhältnisse im Pazifik bewirkt eine leichte globale Abkühlung. Das halbe Jahr nach dem Abklingen von La Niña, Mai bis Oktober, war dann die viertwärmste solche Periode.

Natürliche Klimavariabilität "ändert nichts am langfristigen Trend der steigenden Temperaturen", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. "Der Klimawandel passiert vor unseren Augen und wird wegen steigender Spiegel der Treibhausgase in der Atmosphäre weitergehen."

Viele Schwergewichte bei den Verhandlungen in Doha waren von den Extremen betroffen. Die USA haben bisher das wärmste Jahr in den Aufzeichnungen und außergewöhnliche Dürre in vielen Bundesstaaten erlebt. Kanada hatte den wärmsten Sommer der Statistik, Russland den zweitwärmsten seiner Geschichte, übertroffen nur vom Jahr der Waldbrände 2010. Brasiliens Norden verzeichnete die schwerste Dürre seit 50 Jahren, so die WMO, in China traf es den Süden heftig.

Neue Temperaturrekorde meldeten Ende Mai Grönland mit 24,8 und Norwegen mit 31,1 Grad. In Australien erreichte das Thermometer im Frühling früher die 40-Grad-Marke als je zuvor, am 20. September. Rekorde meldete auch Frankreich, wo es heißer war als während der Hitzewelle von 2003. Großbritannien hingegen hatte den nassesten Sommer seit 1912.

Bei keinem dieser Ereignisse ist mit Sicherheit nachzuweisen, dass sie durch den Klimawandel ausgelöst wurden. Aber viele Forscher sind inzwischen bereit zu sagen, dass die globale Erwärmung Wetterexterme deutlich wahrscheinlicher mache. In den USA kursierte im Sommer die Formulierung: "So also fühlt sich der Klimawandel an."