Von Stefan Ulrich

Tropische Vögel im Park, schlaflose Bären, Dürren und Überschwemmungen - in Italien sind Landwirte, Fremdenverkehrsämter, Katastrophenschützer und Klimaforscher alarmiert..

Die Römer der Antike beobachteten die Vögel, um die Zukunft vorauszusagen, und auch im modernen Rom fehlt es nicht an Zeichen, die es zu deuten gilt.

Klimawandel in Italien

Ein Wasserreservoir bei Palermo droht auszutrocknen. (© Foto: AP)

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So breiten sich in der Villa Doria Pamphili, einem Stadtpark, wilde Papageien aus. Immer größer wird der Schwarm, und der extrem milde Winter scheint den knallgrünen Vögeln besonders zu behagen.

Im Abruzzen-Nationalpark dagegen finden die Bären nicht in den Winterschlaf. In Madonna di Campiglio in den Alpen versuchte eine Bärenmutter sogar, mit ihren Jungen auf eine Skipiste zu spazieren.

Auch Italiens Pflanzenwelt gerät durch die Wärme aus dem Rhythmus. Bereits Anfang Januar blühten in Ligurien die Mimosen, Wochen früher als normal. In Sizilien öffnen die Mandelbäume ihre Knospen, in Rom quellen die Gemüsemärkte über von frischen Artischocken und Basilikum, in der Poebene steht das Getreide bis zu 20 Zentimeter hoch.

Glücklich über den Frühling im Winter mit Temperaturen von mehr als 20 Grad können in Italien allenfalls Eisverkäufer sein. Landwirte, Fremdenverkehrsämter, Katastrophenschützer und Klimaforscher sind alarmiert - wegen der kurzfristigen Folgen und der langfristigen Wetterentwicklung.

So klagt der Bauernverband Coldiretti über die bedrohliche Trockenheit, die der wärmste Dezember seit 150 Jahren mit sich gebracht habe. Die Wasserreservoirs des Landes füllten sich nicht auf. Gehe das so weiter, "droht der italienischen Landwirtschaft ein Zusammenbruch". Zudem könnten die Schäden in die Hunderte Millionen Euro gehen, wenn die zu früh erwachte Natur plötzlich von Frost oder Starkregen überrascht werde.

Guido Bertolaso, der Chef des italienischen Zivilschutzes, warnt die Bürger: "Wir müssen uns an extreme Situationen gewöhnen." Er meint ein instabiles Klima mit abrupten Schwankungen. Diesen Winter hört er "alle Alarmglocken läuten". Nach dem Klima-Report, den die EU-Kommission vergangene Woche veröffentlichte, "kann niemand mehr sagen, er sei nicht gewarnt worden".

Halbwüsten und Hitzetote

Die Studie aus Brüssel erregt in Italien größte Aufmerksamkeit. Schließlich wird dem Land ein schlimmes Schicksal prophezeit: Der Treibhauseffekt könnte beträchtliche Teile der Halbinsel in den kommenden Jahrzehnten in Halbwüsten verwandeln.

Viele Pflanzen und Tiere würden verschwinden, der Meeresspiegel ansteigen, die Küstenebenen versalzen und die Zahl der Hitzetoten zunehmen, während die Touristen in nördlichere Länder abwandern.

Wenn die Erderwärmung so weitergehe, warnt das Papier, könne der Mittelmeertourismus in 70 Jahren zum Erliegen kommen. Nun sind solche Prognosen mit Vorsicht zu betrachten, das weiß man auch in Italien.

Kaum einer zweifelt jedoch daran, dass der Klimawandel fatale Folgen haben wird. Heimische Studien bestätigen das. So prophezeit der Nationale Forschungsrat drei bis fünf Grad heißere Sommer und einen Wechsel von Dürre und Überschwemmungen.

Die staatliche Forschungsanstalt für neue Technologien, Energie und Umwelt warnt: "In Italien ist fast ein Drittel des Territoriums von Austrocknung und Bodenverarmung bedroht." Roms Bürgermeister Walter Veltroni sagte am Montag auf einem "Festival der Wissenschaften": "Die Natur ist verrückt geworden, und nur noch die Wissenschaft kann uns retten."

Immerhin: Die Katastrophenszenarien lassen das Thema Umweltschutz an Bedeutung gewinnen. So gehört der Klimawandel in Umfragen auf einmal zu den Problemen, die die Bürger am meisten umtreiben.

Das schlägt sich in der Politik nieder. Im Wirtschaftsministerium hat eine Kommission damit begonnen, die Kosten der Erderwärmung und Gegenmaßnahmen zu ermitteln. Zudem will die Regierung dieses Jahr eine nationale Klimakonferenz abhalten.

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