Klimawandel Gefahr aus der Tiefkühltruhe

Supermärkte setzen zunehmend auf Kühltruhen ohne Kühlmittel, die das Klima belasten

Der Einsatz von FCKW ist verboten, doch auch andere Kühlmittel sind gefährlich: Sie wirken als starke Treibhausgase. Immerhin ist im Handel bereits eine Umstellung auf umweltfreundliche Technik zu erkennen.

Von Christopher Schrader

http://www.duh.de/home.htmlUm Joghurt frisch und Fertigpizza gefroren zu halten, stehen in jedem Supermarkt Kühlgeräte. Viele davon haben offenbar eine schlechte Umweltbilanz. Sie verbrauchen nicht nur viel Energie, durch ihre Aggregate fließen oft auch äußerst klimaschädliche Kühlmittel.

Seitdem FCKW verboten sind, weil sie die Ozonschicht angreifen, haben viele Hersteller ihre Geräte auf sogenannte F-Gase umgestellt. Diese Stoffe aber steigern, wenn sie in die Umwelt gelangen, den Treibhauseffekt; das Kühlmittel R404A etwa wirkt fast 4000-mal so stark wie die gleiche Menge Kohlendioxid.

Elf Prozent davon gehen pro Jahr im Durchschnitt verloren, stellt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer Studie fest. Dabei lassen sich Kühlschränke auch mit anderen Chemikalien wie Propan, Ammoniak oder CO2 selbst betreiben, die als natürliche Kühlmittel gelten.

Im Handel ist bereits eine Umstellung zu erkennen, wie eine Umfrage der DUH zeigt, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Organisation hat 33 Handelsunternehmen angeschrieben und um Auskünfte zu ihren Kühlgeräten gebeten.

Ausführlich geantwortet haben sieben, allgemeine Daten mitgeteilt sechs weitere; darunter sind führende Supermarkt- und Discounterketten. So erklärten Aldi-Süd, Kaisers Tengelmann, Kaufland, Lekkerland und Metro, dass ihre Aggregate in Lagern und Logistikzentren überwiegend mit natürlichen Kühlmitteln funktionieren.

In den Märkten selbst sind oft die Tiefkühltruhen die Vorreiter, die zum Beispiel bei Aldi-Süd nach eigener Angabe zu 79 Prozent mit Propan laufen. Lidl und Aldi-Nord nutzen jeweils in mindestens der Hälfte aller Kältetruhen natürliche Kühlmittel.

Gemessen an der Präzision der Angaben gehört die Beschäftigung mit dieser Frage für die Discounter offenbar zur Unternehmens- und Öffentlichkeitsstrategie.

Die Handelsketten Rewe und Edeka hingegen haben der DUH nur pauschal geantwortet, sie rüsteten Kühlgeräte bei Neubau oder grundlegender Sanierung der Märkte um. Für die Tochterunternehmen Penny und Netto-Marken Discount haben sie keine Angaben gemacht.

Drogerieketten, die frische Lebensmittel verkaufen, sowie die Betreiber von Hit-, Famila-, Norma- und Denn-Supermärkten antworteten nicht.

Die DUH wertet die Angaben als Stütze für ihre Kampagne für ein EU-Verbot der F-Gase mit hohem Treibhaus-Effekt von 2017 an.