Immer mehr exotische Krankheiten erreichen Europa - die Erreger profitieren von der Erderwärmung und der Globalisierung.
Nie zuvor ist es Lyle Petersen so dreckig gegangen wie im Sommer 2003. In der Abenddämmerung wollte er noch schnell in seiner Heimatstadt in Colorado die Post vorn an der Straße holen, ohne Mückenschutz ausnahmsweise.
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Gegen die bekannten Erreger wie Malaria mag man sich in Europa schützen können - doch die Gefahr lauert in bislang noch unentdeckten Viren. (© Foto: AP)
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Er würde ja nur kurz draußen sein. Auf der Straße traf er Freunde, sie unterhielten sich ein paar Minuten und flüchteten erst ins Haus, als die gierig umherschwirrenden Mücken zu lästig wurden.
Zwei Tage später fingen die Qualen an. Fast 40 Grad Fieber, die Muskeln vor Schmerzen beinahe bewegungsunfähig, die Haut juckte und brannte, dazu diese unbezwingbare Müdigkeit - "das war keine harmlose Krankheit, sie hat mir den ganzen Sommer verdorben", sagt Petersen heute.
Auch seine Freunde machten Ähnliches durch. Schon nach den ersten Tagen im Bett ahnte Petersen, dass die Mücken schuld an seinem Elend waren. Ein Bluttest bestätigte es: Er war am Westnil-Virus erkrankt, ein eigentlich in Afrika heimischer Erreger, den Mücken oder Vögel auf Menschen übertragen.
Bis zu seiner Krankheit hatte Petersen geglaubt, eben dieses Virus zu kennen. Der Virologe leitet in der US-Seuchenschutzbehörde CDC die Abteilung für Krankheiten, die von sogenannten Vektoren wie Mücken übertragen werden. Das Westnil-Virus ist sein Spezialgebiet.
Für Mücken angenehm warm
Nun erlebte Petersen am eigenen Körper, wovor er und andere Forscher mit zunehmender Dringlichkeit warnen: Exotische Infektionskrankheiten, die bislang nur in eng umgrenzten Gebieten Afrikas und Asiens aufgetreten sind, breiten sich über den ganzen Erdball aus.
In Nordamerika und Europa leiden Menschen plötzlich an Krankheiten, deren Namen sie kaum aussprechen können: Chikungunya, Krim-Kongo-Fieber, Rift-Valley-, Gelb-, Dengue- oder Lassa-Fieber.
"Wir werden in Europa andere Krankheiten bekommen", sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des staatlichen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tiergesundheit.
Auf einer international besetzten Konferenz in Greifswald diskutierte er diese Woche mit 120 Experten darüber, welche Gefahren von exotischen Erregern ausgehen. Die Forscher untersuchen, welche neuen Krankheiten nach Europa gelangen könnten, wie gefährlich sie sind - und welchen Einfluss der Klimawandel auf ihre Ausbreitung hat.
Die globale Erwärmung erleichtert es den exotischen Erregern, selbst die kühlen Zonen Europas zu erobern. Zwar haben Touristen oder der Frachtverkehr schon immer Viren aus ihren Ursprungsländern auf alle Erdteile verteilt. Doch bislang war es den Mücken, die die Krankheiten theoretisch übertragen konnten, in der neuen Heimat schlicht zu kalt oder zu trocken.
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Trockenheit und Wüste, die als Folge der Klimaerwärmung auftreten, sollten die Lebensbedingungen für Mücken doch deutlich verschlechtern?