Klimawandel "Anhaltender Langzeittrend"

Die Auswahl von 1998 als Startzeitpunkt eines 15-Jahre-Intervalls ist zudem problematisch, wie Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung betont. Die Briten um Phil Jones, den Chef der CRU, führen es als wärmstes Jahr der Aufzeichnungen, die anderen Institute auf Platz drei oder vier. Damals hatte ein stark ausgeprägtes El-Niño-Phänomen, eine Wetterverschiebung im Pazifik, die globalen Temperaturen in die Höhe getrieben. Seither haben kühlende La-Niña-Episoden überwogen. Unter diesen Bedingungen von einem hohen Startpunkt aus eine Steigung zu finden, ist schwierig.

(Foto: SZ-Grafik/Quelle: PIK)

Genausogut, sagt Rahmstorf in seinem Blog, könne man das Jahr 1992 als Startpunkt nehmen. Es zählt zu den fünf kühlsten der vergangenen Jahrzehnte, weil im Jahr zuvor der Vulkan Pinatubo ausgebrochen war, der Asche und Schwefelverbindungen in die Atmosphäre spuckte und die Sonne abschirmte. Der Anstieg von dort bis 2006 ist fast doppelt so steil wie in der 30-Jahres-Periode 1983 bis 2012.

Abgase in Asien oder veränderte Meeresströmungen?

Ohnehin verneinen die Herren der Datensätze die Aussage, die Erwärmung mache Pause: "Es kommt darauf an, dass die 2000er-Jahre wärmer waren als die 1990er, und die wärmer als die 1980er, und so weiter bis zu den 1960er-Jahren", sagt Phil Jones von CRU. Auch die Nasa, zu der das Giss gehört, spricht von einem "anhaltenden Langzeittrend der Erwärmung".

Grund für einen Rückzieher sehen Klimaforscher also nicht. Aber sie interessieren sich auch für mögliche Ursachen, warum mehr Treibhausgase nicht eins zu eins höhere Temperaturen auslösen. Zum Beispiel fragen sich die Experten, ob die deutliche Zunahme von Smog vor allem in Asien, wo viele neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen und der Autoverkehr zunimmt, die Erde kühlt. Als wichtiger Faktor gelten auch Meeresströmungen, weil Ozeane um eine Vielfaches mehr Wärme speichern und verschieben als die Atmosphäre. Nicht vollständig verstanden haben die Klimaforscher auch das Wechselspiel zwischen El-Niño- und La-Niña-Episoden im Pazifik.

Genug Möglichkeiten also, die Theorie vom Klimawandel durch Treibhausgase um einige Nebenfaktoren zu erweitern - wenn die Forscher nach dem gehässigen Trara über Temperaturkurven wieder klare Gedanken fassen können.