Klimawandel Die Bilanz des Klopapiers

Jeder einzelne Verbraucher von Alltagsprodukten trägt zum Klimawandel bei. Wie sehr, das zeigt das Pilotprojekt "Product Carbon Footprints" (PCF).

Von Laura Weissmüller

Die Finanzkrise hat ein Thema aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt, über das noch vor ein paar Monaten genauso heftig diskutiert wurde wie heute über die Abwrackprämie und das Konjunkturpaket: den Klimawandel. Wie sehr jeder Einzelne nicht nur davon betroffen, sondern auch daran beteiligt ist, zeigt das Pilotprojekt "Product Carbon Footprints" (PCF), dessen Ergebnisse am Montag in Berlin vorgestellt wurden.

Kohlendioxid-Fußabdruck

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Zehn Unternehmen haben dabei unter Trägerschaft von WWF, Öko-Institut und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung untersucht, wie hoch die CO2-Bilanz von einzelnen Konsumgütern aus ihrem Sortiment ist. Um den "CO2-Fußabdruck" zu berechnen, haben die Teilnehmer in bis zu 68 Seiten langen Einzelstudien den Lebenszyklus der 15 Produkte verfolgt.

Sie haben nicht nur berücksichtigt, wie das Produkt hergestellt und transportiert wurde, sondern auch was beim Gewinnen der Rohstoffe passiert ist, wie der Kunde zum Einkaufen gefahren ist, wie er das Produkt genutzt hat und wie es dann entsorgt wurde (www.pcf-projekt.de).

Die untersuchten Konsumgüter und ihre CO2-Fußabdrücke waren so unterschiedlich wie die beteiligten Unternehmen: Tchibo ließ eine Tasse Kaffee auf den Beitrag zum Treibhauseffekt testen (50 bis 101 Gramm), Rewe eine Packung Erdbeeren aus Spanien (442 Gramm), der dm-Drogeriemarkt Toilettenpapier (2,5 Kilogramm pro Zehnerpackung), die Telekom einen Telefonanschluss (über die Jahre 144 Kilogramm) und Tengelmann eine Sechserpackung Freiland-Bioeier (1178 Gramm).

Die Bilanz hängt von jeweils unterschiedlichen Faktoren ab: Beim Kaffee schlägt vor allem zu Buche, wie der Konsument sein Heißgetränk aufbrüht - die CO2-Bilanz kann sich dadurch verdoppeln. Beim Klopapier dominiert die Produktion das Resultat, bei den Eiern entstehen fast zwei Drittel des Kohlendioxids in der Haltung der Hühner, bei den Erdbeeren ist hingegen der Transport ein großer Faktor.

Doch gerade beim Transport sind laut Josef Lüneburg-Wolthaus von Rewe die Möglichkeiten begrenzt, CO2 einzusparen. Die Transportlogistik sei nahezu ausgereizt. Kein Lastwagen fahre leer nach Spanien zurück, gleichzeitig käme ein Transport mit der Bahn wegen der langen Fahrtdauer nicht in Betracht. Wer im Winter deswegen lieber zu Äpfeln greifen möchte, sollte bedenken, dass deren Lagerung ebenfalls klimaschädlich ist.

Allein vier Tonnen CO2 pro Person entfallen in Deutschland zurzeit auf den privaten Verbrauch; das macht 40 Prozent der gesamten Emissionen aus. Viele Experten halten langfristig nur einen international einheitlichen Ausstoß von zwei Tonnen pro Kopf für vertretbar.

Der Konsument hatte bislang aber kaum eine Chance, sich über die Klimarelevanz seiner Einkäufe zu informieren. Deswegen hat das Pilotprojekt jetzt vorhandene Methoden zur CO2-Ermittlung getestet. Den persönlichen "CO2-Fußabdruck" zu kennen, sei laut Christian Hochfeld vom Öko-Institut zwar keine "Allzweckwaffe gegen den Klimawandel", aber zumindest ein Schritt, um diesen zu begrenzen.