Das Eis in der Arktis geht rapide zurück. Nordost- und Nordwestpassage sind erstmals gleichzeitig eisfrei. Der jährliche Zyklus von Schmelzen und Gefrieren ist aus dem Gleichgewicht geraten.
Das Meereis der Arktis schmilzt rapide. Seine Ausdehnung ist so stark zurückgegangen, dass seit einigen Tagen zum ersten Mal sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage für Schiffe befahrbar ist. Sie können also nun vom Atlantik aus nördlich von Kanada oder nördlich von Russland in den Pazifik fahren.
Bild vergrößern
Außergewöhnlich warme Sommer lassen in der Arktis das Eis schmelzen. (© Foto: Getty Images)
Anzeige
"Die Öffnung ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie rasant die Eismenge in der Arktis in den vergangenen Jahren abgenommen hat", sagt Georg Heygster von der Universität Bremen; er ist am EU-Projekt Damocles beteiligt, das den Klimawandel in der Arktis erforscht.
"Der jährliche Zyklus vom Schmelzen und Gefrieren des Meerwassers ist aus dem Gleichgewicht geraten." Bereits im Jahr 2005 war die Nordostpassage für einige Wochen offen, im vergangenen Jahr die Nordwestpassage.
Arktis ohne Eis?
Normalerweise wächst die arktische Eisfläche im Winter wieder auf die Größe des Vorjahres an, nachdem sie während des Sommers geschrumpft ist. Doch die Sommer 2005 und 2007 waren in der Arktis außergewöhnlich warm. Durch die steigenden Temperaturen in den Sommermonaten erhole sich das Eis im Laufe der Winter mittlerweile nur noch unzureichend, sagt Heygster.
Im September vergangenen Jahres etwa umfasste das Meereis der Arktis nur noch von 4,2 Millionen Quadratkilometern, wie Satellitenmessungen des amerikanischen Snow and Ice Data Centers ergaben. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen in 1970er-Jahren.
Auch in diesem Sommer sind die Temperaturen am Nordpol ungewöhnlich hoch. Möglicherweise wird der Rekord vom vergangenen September gebrochen. Vor ein paar Wochen sprachen Wissenschaftler sogar davon, dass die Arktis dieses Jahr gegen Ende des Sommers ganz eisfrei sein könnte.
Mittlerweile gilt das zwar als unwahrscheinlich, doch die Prognosen sind düster. "Vor zwei, drei Jahren wurde noch spekuliert, ob die Arktis bis zum Ende des Jahrhunderts einen eisfreien Sommer erleben wird. Heute streitet man darüber, ob es in 20 oder 30 Jahren soweit sein wird", sagt Heygster.
Kürzere Seewege
Dass die Seewege in der Arktis künftig häufiger offen sein werden, könnte sich auch auf die Schifffahrt auswirken. Die etwa 6500 Kilometer lange Nordostpassage entlang der sibirischen Küste reduziert die Fahrtzeit zwischen Europa und Asien. Von Hamburg nach Japan ist der Weg fast 40 Prozent kürzer als auf der Route durch den Suezkanal.
Für einen regelmäßigen Verkehr von Containerschiffen aber sind die arktischen Passagen den Reedern noch zu unsicher und unwirtschaftlich. "Derzeit lohnt es sich nur, hier Kreuzfahrtschiffen mit einer höheren Eisklasse fahren zu lassen", sagt Coretta Sieg von der Hamburg-Süd Reiseagentur.
- Polarmeer Vom Eis geholt 15.07.2008
- Gefahr für die Schifffahrt Hurrikane über der Arktis 12.07.2008
- Streit um den Nordpol Wem gehört die Arktis? 29.05.2008
- Feilschen um den Nordpol Schatzkammer Eismeer 27.05.2008
(SZ vom 29.08.2008/gal)
" die nur zwei Möglichkeiten offen lassen, entweder sofort total ändern, -oder der totale Untergang, soetwas ist defätistisch und wirkt hysterisch - Wasser auf die Mühlen der Verharmloser. ..."
Das Problem liegt soch darin, das wir uns durchaus darüber im Klaren sind und letztlich in einer komfortablen Klimazone leben ... bis auf die Starkregenfälle der letzten Jahre/Zeit und Stürmen, die ich in der Häufigkeit und Strärke in meiner Kindheit nicht erlebt habe. Aber die Menschen in Afrike, Bangladesh, die Tiefebenen Südchinas ... den dort lebenden Menschen ist es zum erheblichen Teil gar nicht bewusst was geschieht und auch nicht, warum es so schnell geschieht. Also ... nichts für Ungur, Gruß
Kuni
der Klimawandel zeigt am deutlichsten, welch negativen Folgen die Globalisierung für die Menschheit hat, früher ist die Zerstörung der Umwelt immer als lokales Phänomen wahrgenommen worden. Das geht jetzt nicht mehr, die Folgen sind bereits überall zu spüren, in Sibirien wie auch längst bei uns, es gibt es Überschwemmungen, die Pflanzen reagieren, die Wälder müssen anders geplant werden.
Meine Hausschadensversicherung wurde um 1/3 erhöht wegen drohender Zerstörung durch Unwetter mit Hinweis auf Klimawandel.
Die Mikroorganismen verändern sich. Milben in den Gärten! Ein zunächst langsamer Wandel kann aufgefangen werden, aber das Tempo steigt: Indien und China entwickeln sich dramatisch, die letzten Urwälder in Südamerika, Kanada und Afrika werden abgeholzt, im Amazonasbecken gibt es bereits Versteppung. Das verstärkt den Klimawandel. Das Schmelzen der Gletscher im Himalaya und anderwo zerstört die
Wasserspeicher. Amerika verweigert sich bisher der Erkenntnis des Klimawandels. Das Gesamtbild ist Besorgnis erregend. Die Menschheit ist denkbar schlecht vorbereitet. Die Wirtschaft ist globalisiert, hängt von billigem Transport ab, besonders der Exportweltmeister Deutschland. Es ist wie bei einem Krieg, wehret den Anfängen, später ist es zu spät.
So persönlich habe ich es auch nicht genommen.
Wir finden schon noch zusammen, irgendwie.
Es stimmt, für einige Regionen werden die Folgen des Klimawandels sehr unangenhem sein, z.B. Louisiana, aber ich bin halt der Meinung, eine weltweite Gesamtkatastrophe ist eher unwahrscheinlich.
Den Menschen in Louisiana und ähnlichen Regionen wird momentan kein anderer Ausweg bleiben, als sich auf die veränderte Situation einzustellen, -oder halt wegzuziehen.
Die Auswirkungen sind da, und sie werden auch bei einem völligen Umdenken nicht sofort wieder verschwinden.
Das sind die Aufgaben der Zukunft, uns mit der veränderten Situation zu arrangieren.
Unsere Zivilisation ist leider so an den Gebrauch fossliler Energieträger gebunden, dass ein Umbau eine gewaltige Aufgabe darstellt und viele Gefahren für das gesellscaftliche Gleichgewicht birgt.. Mittelfristig müssen wir uns aber umorientieren, sonst verschwinden wir mit den letzten Ölvorräten. Diese Umorientierung käme dann auch der Umwelt zugute.
Nichts zu tun wäre trotzdem falsch, unabhängig vom Klimawandel.
Ihrem Beispiel mit dem Granit kann ich nur zustimmen. Aber ich denke, mit den steigenden Erdölpreisen und den damit verbundenen, immer höher werdenen Transportkosten werden sich in vielen Bereichen die Vorteile der Billigproduktion alsbald aufheben und Granit, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, aus dem bayerischen Wald wird dann wieder kostengünstiger sein.
Wo diese Entwicklung bereits sichtbar ist, ist im Bereich Lebensmittel, der Marktanteil regionsnah produzierter Lebensmittel steigt an, bleibt zu hoffen, dass er weiter steigt.
meine Replik war nicht persönlich gemeint, Sie machen sich immerhin Gedanken über dieses Thema, was sehr für Sie spricht. Angst ist übrigens ein guter Ratgeber, solange sie nicht paralysiert, aus Angst springt man nicht aus dem Fenster und das ist gut so. Ich fürchte nur und dagegen polemisiere ich, daß mit Ihrer Einstellung eben gerade nichts passiert. Es ist auch nicht egal aus welchen Gründen sich das Klima ändert. Die Eiszeiten ware auch schon früher katastrophal für die Menschheit, eine Besiedelung Europas war erst danach wieder möglich. Es auch keinen Sinn, Katastrophen eben weil sie schrecklich sein können aus dem Bewußtsein zu verbannen. Würden Sie den Menschen in Lousiana empfehlen, sich auf einen Platzregen oder auf einen Hurrican vorzubereiten? Gesellschaftliche Veränderungen werden nicht ausbleiben, aber mit einer "solaren Revolution" könnten viele neue Arbeitsplätze entstehen (sind schon entstanden), die lokale Produktion von Energie würde Unabhängikeit von den Großkonzernen stärken, mehr Gewicht auf lokale Produktion und weniger Globalisierung ermöglichen. Im Baumarkt kaufen wir Granit aus China, nicht aus dem bayerischen Wald, weil der 10 % teuerer wäre. Dafür sorgt die Dieselemission der
Schiffe für schnelleres Abschmelzen der Pole.
Es ist schon ein bißchen einfach, jeden, der die eigene Meinung nicht teilt, als Ahnungslosen zu titulieren. Das würde bedeuten, Sie haben die Wahrheit und sonst niemand.
Natürlich wird ein Handeln erfordelich sein, und ein Umdenken in der Energiepolitik wird sich zwangsläufig aus der Endlichkeit der fossilen Energien ergeben.
Auch Ihr Hinweis, dass frühere Klimaschwankungen natürliche Ursachen hatten, trifft nicht wirklich. Objektiv gesehen ist es nämlich egal, ob sich das Klima aus natürlichen Ursachen verändert, oder ob wir dabei nachhelfen. Die Folgen daraus werden ähnlich sein, eine unweigerliche, weltweite Katastrophe zu konstruieren, nur weil wir Menschen einen Anteil an der Veränderung haben, halte ich für gewagt.
Sie schreiben, dass die Energie zu 100% aus solaren Quellen gewonnen werden könnte, und suggerieren, wenn dass so wäre, dann wäre alles wieder gut, oder zumindest viel besser. Das auch ein sofortiger Stopp des CO² Ausstoßes erst einmal überhaupt keine Auswirkungen auf den Klimawandel hätte (das CO² müßte sich erst aus der Atmosphäre wieder auswaschen) Diese Aussage stände nämlich ebenfalls wirtschaftlichen Interessen entgegen.
Es wird auch nie ein Wort darüber verloren, welche gesellschaftlichen Auswirkungen ein plötzlicher energiepolitischer Radikalumbau haben könnte. daran sollte man aber auch denken.
Ich bin kein Verfechter des "Weiter so" aber ich verwehre mich gegen die überall grassierenden Schreckenszenarios und Horrorvisionen, die nur zwei Möglichkeiten offen lassen, entweder sofort total ändern, -oder der totale Untergang, soetwas ist defätistisch und wirkt hysterisch - Wasser auf die Mühlen der Verharmloser.
Ich bewahre lieber einen kühlen Kopf und wende meine Energie zukunftsweisenden Modellen zu und stecke sie nicht in apokalyptische Überzeugungsversuche.
Ich glaube aber auch nicht, dass ich Sie irgendwie von Ihrer Meinung abbringen kann, -und für Sie bin ich nur ein Verharmloser. Aber Sie verbreiten nur Angst (und haben wahrscheinlich selbst viel davon) Angst ist in einer Situation, wie sehr der unbestreibare Klimawandel und seine Folgen darstellt, ein ganz schlechter Ratgeber.
Paging