Klimawandel Bäume in Deutschland wachsen deutlich schneller

Ein Buchenwald in Brandenburg: Einige Exemplare wachsen laut einer Studie inzwischen um 77 schneller als noch in den 1960ern.

(Foto: dpa)

Sehen kann man es nicht, aber messen: Der deutsche Wald hat sich verändert - einzelne Bäume wachsen um mehr als 70 Prozent schneller als früher. Das hat eine Langzeitstudie ergeben.

  • Eine Studie aus München kommt zu dem Ergebnis, dass Bäume in Deutschland schneller wachsen und altern als früher.
  • Die Beschleunigung könnte Auswirkungen auf die Forstwirtschaft haben.

Klimawandel beeinflusst Baumwachstum stark

Bäume in Deutschland wachsen und altern schneller als in früheren Jahrzehnten. Das geht aus einer Langzeitstudie der Technischen Universität München (TUM) hervor, für die Wissenschaftler 600 000 Baummessungen seit 1870 ausgewertet haben.

Als Ursachen nennen die Forscher das wärmere Klima und die längere Vegetationszeit. Ein weiterer Grund sei die Zunahme von Kohlendioxid und Stickstoff. Der saure Regen habe das Baumwachstum auf den Versuchsflächen nur vorübergehend beeinträchtigt, "der Eintrag von Schadstoffen wurde ja auch seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert", sagte Studienleiter Hans Pretzsch.

Forscher messen Steigerungen von bis zu 77 Prozent

Einzelne Buchen entwickelten sich um 77 Prozent schneller als noch 1960, Fichten um 32 Prozent. Ganze Buchenbestände wüchsen um 30 Prozent, Fichtenbestände um 10 Prozent schneller. Zu diesen Unterschieden erklärte Pretzsch: "Der Wert auf Bestandsebene liegt niedriger als das Wachstum einzelner Bäume, da - vereinfacht gesagt - größere Bäume mehr Platz brauchen, das heißt, die Gesamtzahl sinkt."

Ein Ergebnis der Studie: Die Zieldurchmesser der Bäume und der bestmögliche Zeitpunkt der Bestandsernte werden früher erreicht als in der Vergangenheit. "Davon könnte die Forstwirtschaft profitieren", teilte die TUM mit. Die Studie ist vor kurzem im Journal Nature Communications veröffentlich worden.