Die Emission von Treibhausgasen steigt unaufhörlich. Und auch viele Unterzeichner des Kyoto-Protokolls verfehlen ihre Zielvorgaben.
Den vielen Reden sind bisher wenig Taten gefolgt - diesen Eindruck kann zumindest bekommen, wer die jüngsten Statistiken über den Ausstoß klimaschädlicher Gase studiert.
Bild vergrößern
China hat nach vorläufigen Zahlen die USA 2006 als größter Emittenten von CO2 abgelöst. (© Foto: AP)
Anzeige
Im Jahr 2005 ist die Emission von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen in 40 Industriestaaten fast auf einen Rekordwert gestiegen, verkündete der Vorsitzende des UN-Klimaschutzsekretariats in Bonn, Yvo de Boer, vor einigen Tagen.
Diese Mengen werden in CO2-Äquivalenten zusammengefasst; auf dieser Skala haben die USA von 2004 bis 2005 gut 50 Millionen Tonnen Treibhausgas mehr ausgestoßen, Spanien kommt auf ein Plus von 15, Japan von drei, Italien und Österreich jeweils von zwei Millionen Tonnen. Das alles wird auch nicht dadurch ausgeglichen, dass Deutschland in dem gleichen Jahr 23 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart hat, die Niederlande sechs und Großbritannien drei Millionen Tonnen.
"Manche Länder betreiben einfach noch keine Klimaschutz-Politik", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, "dazu gehören viele Länder in Südeuropa." Das zeigt sich auch daran, wie weit diese Staaten von ihren Zielen nach dem Kyoto-Protokoll entfernt sind. Italien hat sich verpflichtet, im Mittel der kommenden fünf Jahre 6,5 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990 - zurzeit steht es bei einem Plus von zwölf Prozent. Spanien darf, um seine Wirtschaft zu entwickeln, 15 Prozent mehr emittieren, es hat 53 Prozent Zuwachs.
Dennoch werde das Kyoto-Protokoll ein Erfolg werden, nimmt Yvo de Boer an: Gut fünf Prozent fordert der Vertrag im Mittel aller beigetretenen Länder; die momentanen Daten wiesen auf eine Reduzierung von elf Prozent bis 2012 hin - aber 15 Prozent seien mit geänderten Vorgaben der Politik auch möglich.
Schwierigkeiten mit den Kyoto-Zielen könnte auch Kanada bekommen, das um sechs Prozent reduzieren will, aber zurzeit 25 Prozent mehr ausstößt als 1990. Ähnliches gilt für Australien und die USA. Beide haben das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert. Doch nach dem Regierungswechsel in Canberra in diesem und in Washington im kommenden Jahr mag es sein, dass die neuen Regierungen ihre Sonderstellung überdenken.
Entscheidend ist auch Asien
Entscheidend für die Entwicklung der Treibhausgase ist aber auch Asien. Dort hat China nach vorläufigen Zahlen die USA 2006 als größter Emittenten von CO2 abgelöst. Eine Kennzahl alarmiert Beobachter besonders. Wo die USA 540 und Deutschland 430 Kilogramm Kohlendioxid pro tausend Dollar Wirtschaftsleistung ausstoßen, sind es in China 2840 und in Indien 1780 Kilogramm.
In Indien sinkt diese Relation seit Jahren stetig, in China aber steigt sie seit 2001 wieder. "Das liegt an den vielen Kohlekraftwerken, die das Land errichtet", sagt Claudia Kemfert.
"Das wirtschaftliche Wachstum übertrifft alle Fortschritte bei der Energieeffizienz", ergänzt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, "das betrifft Schwellen- wie Industrieländer." Für die Jahre 2006, 2007 und danach sind daher erneut Rekordwerte beim CO2 zu erwarten.
Das Wachstum hat schließlich Deutschland als einen der letzten Staaten erfasst. "Wir erleben eine weltweite Hochwachstumsphase", sagt Edenhofer. "Das wird man auch in den Treibhausgas-Statistiken sehen."
Strom-Autos in China belasten die Umwelt stärker als Benziner. Jetzt lesen ...
- Klimakonferenz in Bali Feilschen um jedes Wort 03.12.2007
- Klimawandel "Emissionen in besorgniserregenden Weise gestiegen" 20.11.2007
- Kommentar Schlussakt beim Klima 19.11.2007
(SZ vom 3.12.2007/mcs)