Zwar kann auch das CLM die Prozesse nicht präzise darstellen. Aber immerhin gelang es den Forschern nun, das Auf- und Absteigen der Luft besser zu beschreiben. Um den Fortschritt zu erreichen, bauten sie eine mathematische Formel aus der Wettervorhersage in ihre Simulationen ein. Ein aufwändiges Verfahren, denn schließlich hat man nicht einfach das Formelwerk aus der Wettervorhersage übernehmen können. Klimasimulationen sollen ja nicht nur für wenige Tage, sondern für ein Jahrhundert gelten. Schließlich konnte CLM das Klima der vergangenen 40 Jahre aber zufriedenstellend reproduzieren, so dass Simulationen der Zukunft erfolgen konnten.

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Ein Drittel weniger Regen

Das Modell liefert manch anderes Ergebnis als frühere Klimaprognosen. Beispielsweise erwärmen sich die Spätsommer in Deutschland stärker, als kürzlich vom Max-Planck-Institut vorhergesagt. Ende des Jahrhunderts werde es hierzulande 47 Hochsommertage mit mehr als 25 Grad im Schatten geben - mehr als doppelt so viele wie heute. Fichtenwälder werden solcher Hitze kaum trotzen können. Die Ursache für die unerwartet starke Erwärmung im Spätsommer liege vermutlich in der besseren Simulation der Wasserdampf-Bewegung: Dem CLM zufolge verdunstet im Frühjahr mehr Feuchtigkeit, weshalb im Sommer der Boden trockener ist. Die Folge: Die wasserarme Sommerluft kann sich stärker aufheizen.

Im Sommer fällt Ende des Jahrhunderts in Deutschland den neuen Simulationen zufolge ein Drittel weniger Regen. Zwar wird der Verlust durch eine Zunahme der Niederschläge in den anderen Jahreszeiten ausgeglichen; Wassermangel sei mithin nicht zu befürchten. Gleichwohl werden Landwirtschaft, Wälder und Grundwasserspeicher auf die veränderten Bedingungen eingestellt werden müssen.

Obwohl von einem Großcomputer errechnet, unterliegen die Simulationen noch bedeutenden Unsicherheiten. Beispielsweise wirkt sich die Vegetation entscheidend auf das Klima aus. Und der Pflanzenbestand wird sich im Gefolge der Erwärmung zweifellos ändern. Doch künftige Veränderungen des Bewuchses werden von Klimamodellen nicht berücksichtigt. Für ihre nächsten Simulationen planen die Cottbusser Forscher aber, mögliche Vegetationsänderungen in ihre Rechnungen einzubeziehen. Nach Abschluss der Rechnungen in einigen Jahren werden die Forscher wieder gebannt zu ihrem Supercomputer aufschauen, der ihnen eine weitere Klimaprognose liefern wird.

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(SZ vom 16.12.2008/agfa)