Klimakonferenz in Doha Nur knapp am Desaster vorbei geschrammt

Doha war ein Warnschuss. Die Konferenz hat gezeigt, wie leicht schlechte Vorbereitung und mangelnder Führungswille in einem Desaster enden können.

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Schmelzende Polkappen? Taifune in Südostasien? Bei der Klimakonferenz in Doha waren sie so fern wie ein fremder Planet. Die Welt konnte mächtige Staaten bestaunen, die entweder nicht willens oder nicht in der Lage waren, den Gesprächen den entscheidenden Schwung zu geben. Um ein Haar wäre der Gipfel an der Uneinigkeit Europas gescheitert. Das ist neu in der internationalen Klimadiplomatie. Das kann so nicht bleiben.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller, Doha

Es ist noch einmal gut gegangen. Nicht viel hätte gefehlt, und die Klimakonferenz in Doha wäre in einem großen Desaster geendet, ohne jedes Ergebnis. Ein Vakuum wäre dort entstanden, wo bisher zumindest so etwas wie ein organisiertes Verfahren war.

Aber was ist eigentlich gut gegangen in Doha? Zwei Wochen lang haben 200 Staaten in Doha verhandelt, und am Ende sind sie nur einen kleinen Schritt weiter als vor einem Jahr, bei der Klimakonferenz in Durban. Damals hatten sie beschlossen, das Kyoto-Protokoll über 2012 hinaus zu verlängern. Jetzt haben sie es tatsächlich getan. Damals hatten sie beschlossen, bis 2015 ein neues Klimaabkommen auszuhandeln.Jetzt haben sie für ihr schönes Ziel einen halbwegs brauchbaren Plan ausgeheckt, mehr aber auch nicht.

Schmelzende Polkappen, Taifune in Südostasien? In Doha waren sie so fern wie ein fremder Planet. Mit der Geschwindigkeit des Klimawandels können diese Konferenzen schon lange nicht mehr Schritt halten. Wenn etwas gut lief im Öl-Emirat Katar, dann das: Die Konferenz ging nicht völlig daneben.

Das macht wenig Hoffnung für die nächsten drei Jahre. In genau drei Jahren müssen sich die Staaten einig sein. Doch in Doha konnte die Welt mächtige Staaten bestaunen, die entweder nicht willens oder nicht in der Lage waren, den Gesprächen den entscheidenden Schwung zu geben. Die USA -auf der Bremse wie eh und je. China - muss sich nach dem Regierungswechsel erst sortieren. Die EU - ein zerstrittener Haufen, der sich nicht rechtzeitig auf eine gemeinsame Linie einigen kann.

Das ist das eigentlich bestürzende an dieser Konferenz: Die Europäer, traditionell die treibende Kraft im Klimaschutz, waren über weite Strecken mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der Konferenz. Mehr noch: Um ein Haar wäre der Gipfel in der Wüste am Ende an der Uneinigkeit Europas gescheitert. Das ist neu in der internationalen Klimadiplomatie. Das kann so nicht bleiben.

Denn ob es ein Abkommen im Jahr 2015 geben wird, hängt maßgeblich vom Verhandlungsgeschick der EU ab. Zwei von drei Klimakonferenzen bis dahin werden in Europa stattfinden, die entscheidende möglicherweise in Frankreich. Wenn die Europäer etwas erreichen wollen, müssen sie sich organisieren, nach innen wie nach außen.

Sie müssen nach innen klären, wie viel Klimaschutz sie eigentlich wollen und wie sich auch Zweifler wie Polen ins Boot holen lassen. Und sie müssen nach außen an Allianzen mit jenen Staaten arbeiten, die zum Klimaschutz bereit sind. Das ist Arbeit nicht nur für die Klimadiplomaten. Sondern für alle, die Europa und seine Staaten im Ausland vertreten.

Doha war ein Warnschuss. Die Konferenz hat gezeigt, wie leicht schlechte Vorbereitung und mangelnder Führungswille in einem Desaster enden können. Noch einmal können sich die Staaten so etwas nicht leisten. Sonst gibt es kein globales Abkommen 2015 und wohl auch keins danach. Dann war alles umsonst.