"Dabei war allen Spielern sonnenklar, worum es ging, und alle Spieler wollten das Ziel erreichen", sagt Milinski. Das sei aus Berichten hervorgegangen, in denen die Spieler ihre Strategie erklärten. Im Übrigen beklagten sich fast alle nach gescheiterten Versuchsrunden über das Unvermögen der anderen.

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Doch liegt es offenbar in der Natur des Menschen, weniger als die im eben beschriebenen Spiel durchschnittlich notwendigen zwei Euro pro Spielrunde einzubezahlen. Mit wenigen überraschenden Ausnahmen versucht jeder einzelne Teilnehmer, besser wegzukommen als andere, auch wenn dabei das gemeinsame Wohlergehen auf dem Spiel steht.

Die Ökonomie kennt die Problematik als "tragedy of the commons", zu Deutsch etwa die Tragödie um Gemeinschaftsgüter. Die Situation ist vergleichbar mit einer Erbschaft, die nicht unter den Erben aufgeteilt wird, sondern auf ein gemeinsames Konto fließt, auf das jeder Erbe mit einer Kreditkarte Zugriff hat. In so einer Situation ist leicht vorstellbar, wie die Erben versuchen, möglichst viel des Gemeinschaftskapitals zu verschleudern, bevor es die anderen tun.

Die Klimakonferenz von Kopenhagen war zwar kein Spiel, und an sich gab es auch kein Erbe zu verteilen. Dennoch passt das Bild. Die Spieler waren die Staaten der Erde, und das zu verteilende Gemeinschaftsgut war die Menge an Treibhausgas, die jede Nation in den kommenden Jahrzehnten noch in die Atmosphäre blasen darf. Emissions-Reduktionen werden als kurzfristige Opfer der einheimischen Wirtschaft verstanden. Doch im Raum steht auch das große gemeinsame Ziel, die Vermeidung gewaltiger Schäden durch den Klimawandel.

Hohe Zahl von Verhandelnden schadet der Kooperation

Die Situation gleicht also einem Experiment von Manfred Milinski. Nur dass einige Elemente die Angelegenheit noch komplizieren. Manche Spieler sind reicher als andere, was aber offenbar ihre Opferbereitschaft nicht erhöht. Zudem ist unklar, wie groß ein fairer Beitrag zur Senkung des weltweiten CO2-Ausstoßes ist. Müssen Schwellenländer ihre Industrialisierung bremsen, während (oder gar weil) andere Nationen diese bereits hinter sich haben?

Hinzu kam die hohe Zahl verhandelnder Partner, laut Manfred Milinski weit jenseits einer konstruktiven Größe. Frühere Erkenntnisse haben gezeigt, dass bei Zahlen ab 15 bis 20 Verhandlungspartnern die Bereitschaft zu kooperieren rapide abnimmt. Dass die Belohnung für heute zu erbringende Abgasreduktionen erst in Jahrzehnten (in Form eines erträglichen Weltklimas) zu erwarten ist, dürfte die Bereitschaft der Verhandlungspartner in Kopenhagen auch nicht verstärkt haben. "Das konnte nicht klappen", resümiert Manfred Milinski.

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  1. "Das konnte nicht klappen"
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(SZ vom 23.12.2009/beu)