Menschen versuchen, besser wegzukommen als andere. Verhaltensforscher wissen das und sahen das Scheitern des Klimagipfels voraus.
Das eine wollen, das andere tun. Was widersprüchlich handelnden Zeitgenossen übel ausgelegt wird, scheint tatsächlich eine allzu menschliche Eigenschaft zu sein. Das zeigen zum Beispiel Experimente von Manfred Milinski. Seit Jahren erforscht der Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön, ob und wie Menschen miteinander kooperieren, wenn sie die Chance bekommen, gemeinsam Vorteile für die ganze Gruppe und jeden Einzelnen zu erzielen. In Spielsituationen im Labor simuliert Milinski damit menschliches Verhalten in der Realität. Um ein lohnendes Ziel zu erreichen, müssen die Probanden freiwillig kleine Opfer bringen - und das macht die Sache sehr vertrackt. Schon Gruppen mit nur sechs Mitspielern und einfachsten Aufgabenstellungen schaffen es kaum, im Sinne eines höheren Ziels zu kooperieren.
Viel Stress, wenig Ergebnis: Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boe, war nicht der einzige, der Gesten der Zermürbung und Enttäuschung zeigte. (© Foto: AFP)
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Betrachtet man Manfred Milinskis Versuchsergebnisse, erscheint das Scheitern der Klimaverhandlungen in Kopenhagen plötzlich unausweichlich. War das kollektive Versagen also die zwingende Folge urmenschlichen Verhaltens, das im Labor längst erforscht ist?
"Zwei Dinge zeigen unsere Kooperations-Experimente mit erstaunlicher Regelmäßigkeit", sagt Manfred Milinski. "Erstens versuchen die meisten Menschen weniger als ihren fairen Anteil beizutragen, und zweitens auch noch möglichst weniger als die Mitspieler einzubezahlen."
In einem seiner Experimente arbeitete Milinski mit Studenten, um Klimaverhandlungen zu simulieren. Sechs Spieler erhielten je 40 Euro Startkapital. Das Ziel war, in zehn Spielrunden ein gemeinsames "Klimakonto" mit mindestens 120 Euro zu füllen. Dabei konnte jeder Spieler pro Runde null, zwei oder vier Euro beitragen. Kam das Geld nach zehn Runden zusammen, wurde eine Zeitungsanzeige bezahlt, die Werbung für Klimaschutz machte - und die Probanden durften ihr verbliebenes Kapital (im Idealfall fairerweise jeder 20 Euro) behalten. Kam das Geld nicht zusammen, entfiel die Zeitungsanzeige, und es wurde gelost: Mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit gingen alle Spieler leer aus. Mit nur zehn Prozent Wahrscheinlichkeit durften die Spieler ihr restliches Kapital behalten, obwohl das Klimakonto nicht voll geworden war.
Im Verlauf dieser Spiele beobachtete Milinski eine hartnäckige Dynamik. In der ersten Runde zahlten altruistisch orientierte Spieler meist ihren fairen Anteil von zwei Euro ein, stellten dann aber fest, dass andere Mitspieler dies unterließen und stoppten ihrerseits die Zahlungen. Etwa nach der Hälfte der Spielrunden wurde den Teilnehmern klar, dass das Ziel von 120 Euro im Klimapot in Gefahr war. Jetzt bemühten sie sich erkennbar, das Ruder herumzureißen. Aber nur in etwa der Hälfte dieser Versuche kam der Zielbetrag noch zusammen.
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Gratulation, Herr Illinger, da gibt es ja um 13:08 schon einen Kommentar aus der Leserschaft zu Ihrem hochinteressanten Artikel.
Klar kann das nicht klappen! Die ganzen Veranstaltungen sind doch immer eine Farce.
Das Geld könnte man sich eigentlich sparen. Und den CO2 Ausstoss aufgrund der Fliegerei der Beteiligten auch. Wieder einmal wurden Tonnen CO2 in die Luft geblasen, und für was: FÜR NIX.
Jedes Land sollte bei sich selbst anfangen und nicht von anderen erst verlangen. Bei diesem Thema ist nur geben angesagt und nicht nehmen.
Am besten wir besteuern alle Menschen, Firmen, etc dieser Erde. (Das Atmen könnte man weglassen). Dann haben alle die gleiche neue Ausgangslage und keiner wird benachteiligter als andere.
PS: Das nächste Mal wenn sich die hohen Tiere treffen, sollen sie das Telefon nehmen