Der Klimagipfel droht zu scheitern. Denn die USA und China bewegen sich nicht - deswegen weichen andere Teilnehmer ihre Ziele auf. Auch Al Gore denkt über Kopenhagen hinaus.

Der Weltklimagipfel geht in die Schlussphase: Vor dem Eintreffen der Staats- und Regierungschefs verhandeln an an diesem Mittwoch die Umweltminister aus 192 Staaten über den weltweiten Klimaschutz. Doch was bereits vor Beginn der Konferenz befürchtet wurde, scheint immer wahrscheinlicher: Dass nämlich in Kopenhagen kein verbindliches Klima-Abkommen geschlossen wird.

Der frühere US-Präsident Al Gore setzt offenbar nicht mehr auf Kopenhagen - sondern strebt für das kommende Jahr ein Klimaschutzabkommen an. (© Foto: ddp)

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Die USA und China zeigen sich bislang nicht bereit, über ihre bisherigen - im Vergleich zu den EU-Staaten eher schwachen - Zusagen hinauszugehen. Und ihre starre Haltung scheint nun dazu zu führen, dass immer mehr Konferenzteilnehmer, die bislang ehrgeizigere Klimaschutzziele vorlegten, ebenfalls beginnen, diese abzuschwächen.

So wollen die Unterhändler der Europäischen Union der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge nun ihren Ausstoß von Treibhausgasen weniger begrenzen als bislang anvisiert. Die europäischen Staaten hatten sich in der vergangenen Woche auf eine CO2-Reduktion von bis zu 30 Prozent bis zum Jahr 2020 verständigt - wenn andere Länder vergleichbare Angebote machten.

Da dies jedoch nicht der Fall ist, rudert nun auch die EU zurück: Statt 30 Prozent im Vergleich zu 1990 könnten es nun nur noch 26 Prozent sein, sagte ein EU-Unterhändler der FTD. Denkbar sei auch, das 30-Prozent-Ziel erst 2025 zu erreichen.

Auch ein neuer Entwurf für das überwölbende Abkommen der Klimarahmen-Konvention, der am Dienstagabend publik wurde, sieht eher wie das Gegenteil von Forschritt aus. Enthielt ein erster Entwurf vom vorigen Freitag noch eine Auswahl möglicher Minderungsziele, sind diese nun getilgt. Die entsprechende Textstelle bleibt nun offen - ebenso wie Verabredungen zu Ausgleichszahlungen an Entwicklungsländer.

Ein Klimaschutzabkommen ohne feste finanzielle Zusagen für die Entwicklungsländer hält nun auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon für denkbar. "Wir können diese Angelegenheit nächstes Jahr diskutieren", sagte Ban der Internetausgabe der britischen Financial Times zufolge. in Kopenhagen.

Der UN-Chef sagte weiter, er sei sich nach dem bisherigen Verhandlungsverlauf "nicht sicher, dass eine Zahl für langfristige Finanzhilfen jetzt möglich ist". Es gebe "viele andere wichtige Punkte".

"Die Natur verhandelt nicht"

Auch der frühere US-Vizepräsident und prominente Umweltaktivist Al Gore glaubt offenbar nicht mehr an eine verbindliche Lösung in Kopenhagen. Bei einem Auftritt auf der Konferenz am Dienstag forderte er US-Präsident Barack Obama und den US-Senat auf, spätestens im April 2010 ein Klimaschutz-Gesetz zu verabschieden, meldet die New York Times. Ein definitives Abkommen könnte Gores Ansicht zufolge auf einer neuen Klimakonferenz im Juli in Mexiko geschlossen werden.

Die Entwicklungsländer reagierten mit Empörung auf die Aussagen, wonach es in Kopenhagen keine verbindlichen Finanzzusagen der Industriestaaten geben müsse - und drohten mit einem Schweitern des Klimagipfels. Der Sprecher der in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen Länder, Lumumba Stanislaus Di-Aping, reagierte am Mittwoch mit einer entsprechenden Ankündigung. Di-Aping sagte der Zeitung Politiken dazu: "Es müssen konkrete Beträge auf den Tisch. Eine andere Sicherheit gibt es für uns nicht."

Dramatische Appelle auf der Seite 2.

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  2. "Erde am Abgrund"
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