Klimagipfel in Warschau Protest? Sinnlos

Braunkohle-Tagebau in Brandenburg: Wie geht es mit dem Klimaschutz weiter?

Beim Klimagipfel fahren die Industrienationen derzeit die Welt mit Vollgas gegen die Wand. Verständlich, dass die Umweltorganisationen keine Lust haben, dem länger zuzuschauen und abreisen. Doch am Ende wird ihnen diese Form des Protests nichts bringen.

Ein Kommentar von Marlene Weiss

Es ist sicher nicht einfach, als Klimaschützer erhobenen Hauptes einen Klimagipfel zu ertragen. Man muss sehen, wie Vertreter von Australien demonstrativ Snacks futtern oder kichern, man muss erleben, wie sich Gastgeber Polen für die Kohleindustrie ins Zeug legt, man muss sich idiotischste Argumente der Regierungen anhören, warum die Verantwortung stets bei den anderen liegt; man muss dabeisitzen, während die Welt mit Vollgas gegen die Wand gefahren wird.

Muss man? Müssen wir nicht, haben diverse große Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen am Donnerstag in Warschau gesagt, und die Konferenz aus Protest gegen dieses Theater am vorletzten Tag verlassen; darunter Greenpeace, der WWF und Oxfam.

Ganz abgesehen davon, dass sie nur Beobachterstatus haben, also keiner auf sie angewiesen ist: "Getting to Yes", der Harvard-Verhandlungsklassiker von 1981, empfiehlt sehr weise, seine "Batna" - die "beste Alternative zu einer Einigung" - zu überdenken, bevor man Verhandlungen aufgibt. Das ist in diesem Fall einfach, denn es gibt keine. Und daher werden die Organisationen sich sehr bald wieder am Verhandlungsprozess beteiligen. Das wissen sie, und schlimmer: Alle wissen, dass sie es wissen. So ehrenvoll und verständlich es ist, bei dem üblen Spiel nicht mehr mitzumachen: Im Ergebnis ist der Protest gegen das Warschauer Konferenztheater nur ein weiterer Akt der Aufführung.