Klimagipfel in Durban Willkommen in der warmen Welt

Der Klimagipfel in Südafrika hat noch kein Problem gelöst, aber er stellt eine Lösung in Aussicht: Erstmals in der Geschichte der Klimadiplomatie wollen sich alle Staaten auf ein rechtlich verbindliches Abkommen einlassen - aber es soll erst im Jahr 2020 in Kraft treten. Doch damit wird die Erderwärmung nicht aufzuhalten sein.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller, Durban

Erfolg, zumal im Klimaschutz, ist Ansichtssache. Misst man den Fortschritt am Notwendigen, gerät auch die Klimakonferenz in Durban zur großen Enttäuschung. Die Erderwärmung wird dieser Gipfel nicht aufhalten.

Die Erderwärmung werden die Beschlüsse des Klimagipfels von Durban nicht stoppen - aber ein wichtiges Zeichen ist gesetzt.

(Foto: dpa)

Nach einem Jahr wie 2010, in dem weltweit so viel Kohlendioxid ausgestoßen wurde wie nie zuvor, haben die Staaten auch in Südafrika nichts besseres zu vereinbaren gehabt als einen Fahrplan in ein neues Abkommen, das im Jahr 2020 in Kraft treten soll. 2020: nach neun weiteren Jahren massiver Emissionen. Willkommen in der warmen Welt.

Wird es dem Klima helfen?

Klimapolitik ist ein zähes Geschäft. Gerade weil das Klimaproblem alle Grenzen überschreitet, in zeitlicher wie auch räumlicher Hinsicht, gewinnt der gemeinsame Kampf gegen die Erderwärmung eine Komplexität, die sich kaum noch bewältigen lässt. Er tangiert Verteilungs- und Gerechtigkeitsfragen zwischen der entwickelten und der weniger entwickelten Welt; er bestimmt, allein durch die Begrenzung von Treibhausgasemissionen, die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften; er wirft Fragen von historischer Verantwortung und globaler Solidarität auf. Nichts davon lässt sich einfach lösen.

Das macht die Klimakonferenz von Durban so besonders. Erstmals in der Geschichte der Klimadiplomatie wollen sich alle Staaten auf ein rechtlich verbindliches Abkommen einlassen. Es ist das Ende jener verhängnisvollen Freiwilligkeit, mit der sich der Großemittent USA bisher stets aus der Verantwortung ziehen konnte. Es bedeutet Pflichten auch für aufstrebende Staaten wie China, Brasilien oder Südkorea - wenn auch erst 2020.

Das Kyoto-Protokoll, das einzig zählbare, was die Staatengemeinschaft bisher an Klimapolitik auf die Beine gestellt hat, läuft weiter; wenngleich ohne Japan, Kanada und Russland. Wo der Fortschritt selten geworden ist, gibt sich die Welt schon mit wenig zufrieden. Und es steht nun einiges in Aussicht.

Wird es dem Klima helfen? Erst einmal kaum. Bis zum Jahr 2020 sind weiterhin 85 Prozent aller globalen Emissionen keiner festen Begrenzung unterworfen. Auch ist längst nicht ausgemacht, dass ein verbindliches Klimaabkommen auch ein anspruchsvolles sein wird. Die Debatten der letzten Verhandlungsnacht, in der Staaten wie Indien, China und die USA versuchten, die rechtliche Form eines künftigen Abkommens zu verwässern, lassen für die Arbeit daran nichts Gutes ahnen.