Klimagipfel in New York Tropische Nächte, 42 Grad, riesige Hagelkörner

"Ich marschiere für die Menschheit"

Klimaschutz ist dringlich, das machen die Demonstranten kurz vor Beginn des Klimagipfels in New York deutlich. Hunderttausende ziehen durch die Straßen der US-Metropole, viele Prominente unterstützen ihre Forderungen. mehr...

Klimagipfel ohne Verpflichtungen: 120 Staats- und Regierungschefs kommen zum UN-Gipfel nach New York, Merkel bleibt fern. Obwohl es keine Beschlüsse geben wird, sind Umweltschützer leicht optimistisch. Und ein deutscher Wetterfrosch zeichnet ein düsteres Szenario.

Von Michael Bauchmüller

Still zieht der Demonstrationszug durch Berlin. Keine Lautsprecher, keine Sambagruppen, stattdessen einige Hundert Demonstranten mit Kopfhörern, still vor sich hin tanzend, Richtung Brandenburger Tor. Eine Demo, so leise und unaufhaltsam wie der Klimawandel.

Der Zug in Berlin ist Teil der größten globalen Klimademo in der Geschichte, mit 2500 Demonstrationen weltweit, in Melbourne, Bogotá, Johannesburg, Delhi. In New York marschiert auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit - als wolle er seinem eigenen Gipfel noch einmal Nachdruck verleihen. Am Dienstag nämlich empfängt Ban mehr als 120 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zum Klima-Sondergipfel, es wird die größte Zusammenkunft von Staatenlenkern seit dem gescheiterten Gipfel von Kopenhagen 2009. Jeder Staat müsse "eine klare Vision" vorlegen, wie sein Beitrag zum großen Ziel aussehen soll, sagt Ban, der Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius. "Je mehr Zeit wir verlieren, desto mehr werden wir zahlen, an Leben und Geld."

Ein bisschen anders als in Kopenhagen

Derlei Appelle hat der UN-Generalsekretär schon oft abgegeben, auch bei seinem bislang letzten Sondergipfel dieser Art. Damals, fast auf den Tag vor sieben Jahren, waren 70 Staatschefs nach New York gekommen. Seinerzeit machte Ban anschließend eine "neue Ära im Klimaschutz" aus, die aber leider in Kopenhagen schon wieder zu Ende war.

Im Vorfeld des UN-Klimagipfels fanden weltweit 2500 Demonstrationen statt - die größte globale Klimademo in der Geschichte gab es in New York.

(Foto: dpa)

Diesmal allerdings liegen die Dinge ein klein wenig anders. "Weltweit haben sich die Dinge geändert", sagt Jennifer Morgan, Klimaexpertin beim Washingtoner World Resources Institute. "Es gibt eine Reihe von neuen Regierungen, die mit dem Klimaschutz anders umgehen als ihre Vorgänger." Chinas Xi Jinping etwa, der auffällig oft über Klimaschutz redet. Indiens Narendra Modi, bekennender Fan erneuerbarer Energien. Oder auch Barack Obama, der in seiner zweiten Amtszeit doch noch den Kampf gegen die Erderwärmung aufnimmt. "Dadurch entsteht eine völlig neue Dynamik", sagt Morgan.

Die ist auch nötig. Nur mühsam hatten sich die Staaten nach dem Gipfel von Kopenhagen aus der Schockstarre gelöst. 2011 vereinbarten sie im südafrikanischen Durban, einen neuen Anlauf auf verbindliche Ziele zu nehmen, auszuhandeln bis 2015. Vermutlich wäre es der letzte.

Viele Länder sind noch nicht soweit

Diesmal soll es anders laufen als in Kopenhagen. Nicht noch einmal sollen alle wichtigen Fragen erst am Schluss auf den Tisch kommen, in einer Komplexität, die Staatspräsidenten und Premiers nicht mehr übersehen. Wenn sie nun in New York zusammenkommen, dann auch, um die Positionen schon einmal abzustecken. An den Kernfragen hat sich dabei nichts geändert: Welche Staaten müssen wie viel Kohlendioxid ausstoßen? Auf welche Hilfe können Entwicklungsländer vertrauen? Wie lässt sich der Tropenwald schützen - und wer kommt für die Schäden auf, die der Klimawandel anrichtet?

Welche Staaten müssen wie viel Kohlendioxid ausstoßen? - Eine der Kernfragen des UN-Klimagipfels in New-York.

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Das Treffen in New York wird noch keine Antworten geben, auch wenn es anders geplant war. Ursprünglich sollten die Staaten schon harte Zahlen vorlegen - insbesondere was die Minderung von Emissionen angeht. Doch eine Verpflichtung dazu gibt es nicht. Bei der jüngsten großen Klimakonferenz in Warschau setzten die Staaten dafür eine Frist bis März 2015. Ohnehin sind viele Länder noch nicht so weit. Die EU zum Beispiel will erst im Oktober ihre Klimaziele für die Zeit nach 2020 feststecken, aller Voraussicht nach in einem unschönen Ringen zwischen den Kohlestaaten Osteuropas und den Klimaschützern im Westen. In den USA will Barack Obama die Kongresswahlen im November hinter sich bringen, ehe er konkreter wird. Wenn aber zwei so große Emittenten schweigen, lassen die anderen auch nichts raus.