Die Industrieländer kneifen wieder. Seit fast 20 Jahren stellen sie sich nicht ihrer Verantwortung. Schon die Konferenz in Bali vor zwei Jahren hat einen Verhandlungsplan verabschiedet, darum wäre es sehr traurig, wenn in Kopenhagen wieder nur ein Verhandlungsplan herauskommt. Vor allem, weil Naturwissenschaftler sagen, dass es nicht fünf, sondern eine Minute vor Zwölf ist. Die Industriestaaten werden beim Klimaschutz früher oder später deutlich nachlegen müssen, dann können sie auch gleich damit anfangen.
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Wolfgang Sterk, Abteilungsleiter für Klimapolitik, Wuppertal-Institut
Steigende Temperaturen, schmelzende Gletscher, tauender Permafrost, veränderte Niederschlagsmuster und der steigende Meeresspiegel zeigen, dass die Erde sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Messungen lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Arktis besonders schnell erwärmt, doppelt so stark wie die Erde im globalen Mittel. In der Arktis nimmt das Meereis insbesondere im Sommer drastisch an Fläche und Dicke ab und beeinflusst das dortige Ökosystem und die Küstenzonen stark. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Meereis deutlich dünner geworden ist. Aufgrund der Erwärmung schrumpfen Gletscher und Eisschilde und tragen mit ihrem Schmelzwasser zum Meeresspiegelanstieg bei. Noch steigt der Meeresspiegel um drei Millimeter pro Jahr, wobei etwa 40 Prozent auf das Schmelzwasser und 60 Prozent auf die Erwärmung des Ozeans zurückzuführen sind. Die Erderwärmung während des 20. Jahrhunderts wirkt sich in dem besonders sensiblen System der Arktis bereits dramatisch aus und führt schon jetzt zum Tauen und Zurückweichen der riesigen Permafrost-Flächen. Neben den natürlichen Ursachen trägt der Mensch einen entscheidenden Beitrag zur globalen Erwärmung bei. Einen Misserfolg in Kopenhagen kann sich die Menschheit eigentlich nicht leisten.
Peter Lemke ist Polarexperte am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und war von 2000 bis 2006 maßgeblicher Autor der Berichte des Weltklimarats IPCC
Ich bin sehr enttäuscht vom Ergebnis des Apec-Gipfels in Singapur. Es gibt Dinge, und da gehört der Klimaschutz dazu, die man einfach nicht ständig vertagen kann. Das in den kommenden Jahren emittierte CO2 bleibt im Mittel noch bis über das Jahr 2100 hinaus in der Atmosphäre und wird das Klima für die folgenden Generationen prägen. Der Weltklimarat IPCC hat in seinem jüngsten Bericht klar gesagt, dass nur noch wenig Zeit bleibt, den Klimawandel auf ein Maß zu dämpfen, bei dem gefährliche, unumkehrbare Prozesse noch vermieden werden können. Dazu hatten sich im Juli die G8-Staaten sowie China und Indien bekannt. Nur die Konsequenzen, die rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen, will man noch nicht ziehen. Wir befassen uns bei Munich Re seit mehr als 35 Jahren mit dem Klimawandel und sehen deutliche Zunahmen von wetterbedingten Naturkatastrophen - in Deutschland hat sich die jährliche Anzahl von 1970 bis heute etwa verdreifacht. Wir müssen jetzt handeln, um Schlimmeres zu verhindern. Wie Lord Stern und andere Ökonomen bin ich überzeugt, dass sich ambitionierter Klimaschutz langfristig auszahlt. Neuere Studien zeigen auch, dass es bereits kurzfristig mehr Wirtschaftswachstum erzeugt und viele neue Jobs schafft.
Peter Höppe leitet den Bereich GeorisikoForschung des Versicherungskonzerns Munich Re
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(SZ vom 17.11.2009/beu)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Verantwortungsdiffusion heißt es, wenn es darum geht, dass niemand so recht hier mal zu seiner Geschichte stehen will.
Dabei ist die Welt so einfach:
Ein Mensch eine Emission.
Mit diesem Prinzip ließe sich sehr radikal zum Ausdruck bringen, was wir wirklich brauchen: ein ökonomisches Prinzip, mit dem wir gleichzeitig auf der gesamten Welt Anreizstrukturen schaffen, hier wirksam entgegenzutreten.
Randbemerkung:
- Das Ganze wird auf Ebene von Nationalstaaten abgewickelt.
- Eingang finden alle klimaschädlichen Abgase (also auch Methan), die durch das Wirtschaften im Rahmen eines Nationalstaates zu verantworten sind.
- Die Gesamtsumme der zulässigen Emission wird je Jahr auf UN-Ebene festgelegt (und lässt sich damit über die Jahre reduzieren).
- Die Bevölkerungszahl zu einem bestimmten Stichtag aus der Vergangenheit (z.B. 1.1.2000) wird genutzt (damit wird kein Anreiz zu weiterem Bevölkerungswachstum in einem Nationalstaat gesetzt)
- Sollte ein Staat zuviel Emissionen verantworten, ist er gezwungen, von anderen Ländern nicht genutzte einzukaufen (=Entwicklungshilfe).
- Sollte am Ende mehr Emissionen im Jahr zu verzeichnen sein als es laut UN-Vorgabe weltweit hätte geben sollen, wird der letzte Marktpreis für nicht genutzte Emissionsrechte zugrundegelegt für Strafzahlungen (=Hilfe für Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind).
Das Fatale einer solchen Vision von Weltregierung ist die Notwendigkeit einer weltweiten Administration, die wirksam die Emissionsrucksäcke unseres Wirtschaftens erfasst... Das ist nicht gerade eben mal gemacht...
Die Illusion, dass der CO2-Ausstoß gesenkt werden könnte wird noch solange gehegt und gepflegt werden, wie Lobbyisten daran verdienen und Politiker Steuern darauf erheben können. Vernünftiger wäre es, die Anstrengungen auf die Beherrschung der Folgen des CO2-Anstiegs zu verlegen.
... haben auch Schüler für alles eine Ausrede: Das liegt am Klimawandel. Nicht nur die sog. Experten haben das Un-Thema okkupiert.
Wann tun das "Experten" jemals nicht?
In Deutschland überraschen uns zweimal im Jahr jeweils die "neue Eiszeit" und die "baldige Dürre", jeweil etwa im Juli und im Dezember...