Falls der Mensch nicht zu sehr dazwischen kommt, rechnen Klimaforscher frühestens in 15.000 Jahren mit der nächsten Eiszeit.
Das ergibt sich nach Angaben des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) in Bremerhaven vom Mittwoch aus den ersten Ergebnissen der europäischen Eiskernbohrung "Epica" in der Antarktis.
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Zwei Polarforscher führen in der Antarktis Bohrungen durch. (© Foto: dpa)
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Es sei noch unklar, ob der Einfluss des Menschen das Kommen der Eiszeit beschleunige. Die Ergebnisse werden an diesem Donnerstag im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 429, S. 623) veröffentlicht.
Laut AWI wurde bei der Arbeit die Klimageschichte der vergangenen 740.000 Jahre aufgedeckt. Dies sei die längste kontinuierliche Klimaaufzeichnung auf Grundlage von Eiskernen. Insgesamt registrierten die Wissenschaftler in dem Bereich je acht Eis- und Warmzeiten.
Mit der bereits seit 12.000 Jahren dauernden derzeitigen Warmzeit erlebt die Erde nach Darstellung des stellvertretenden AWI-Direktors Prof. Heinz Miller voraussichtlich eine der längsten Warmperioden der vergangenen 420.000 Jahre.
Die vergangenen vier Zeiträume mit gemäßigten Temperaturen dauerten demnach mit 12.000 bis 15.000 Jahren nur relativ kurze Zeit an. Die kalten Perioden waren wesentlich länger.
740.000 Jahre Klimageschichte
Den Terminplan für die Eiszeiten förderten Wissenschaftler aus zehn europäischen Staaten bei einer bislang 2500 Meter tiefen Bohrung im Inlandeis der Antarktis zu Tage. Seit knapp einer Million Jahren lagern sich dort Schneefälle in dünnen Eisschichten ab. "Sie spiegeln 740.000 Jahre Klimageschichte der Erde wider", sagte Miller.
Weitere 200.000 Jahre wollen die Forscher im kommenden Winter erkunden, wenn sie die letzten 100 Meter Eis über dem Felsuntergrund anbohren. Die Analyse der jeweils drei Meter langen Eiskerne werde noch Jahre in Anspruch nehmen, sagte Miller: "Das ist Stoff für viele Doktorarbeiten."
Die im Eis eingeschlossenen Klima-Informationen sind laut Miller wesentlich detaillierter als die Erkenntnisse, die die Wissenschaftler bei den bisher üblichen Bohrungen im Meeresboden fanden.
Im Gegensatz zu den Bodenproben sind in den dünnen Eisschichten laut Miller Spuren jener Gase gespeichert, die das Klimageschehen maßgeblich beeinflussen. Unter anderem entdeckten die Forscher, dass die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre früher in Eiszeiten bei 200 ppm (Anteil pro eine Million Teile) und in Warmperioden bei 280 ppm lag.
Seit 1750 sei der Anteil dieses Treibhausgases durch menschlichen Einfluss auf 370 ppm gestiegen. Nach vorläufige Analysen sei dies der höchste Wert der vergangenen 500 000 Jahre. Welche Konsequenzen das für das Klima habe, könne den Eiskernen jedoch nicht entnommen werden, sagte Miller.
(dpa)
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