Erderwärmung China stößt weniger CO2 aus als gedacht

China produziert seinen Strom bislang hauptsächlich mit der Verbrennung von Kohle

(Foto: Reuters)
  • Die CO₂-Emissionen von China sollen niedriger liegen als gedacht.
  • Verantwortlich ist die Kohle, die in den Kraftwerken verfeuert wird. Ihr Kohlenstoffgehalt ist geringer als angenommen.
  • Die Korrektur macht 1,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus.
Von Christopher Schrader

China stößt womöglich seit vielen Jahren weniger Kohlendioxid aus, als die eigene Regierung und internationale Beobachter annehmen. Um 14 Prozent müsse die CO₂-Bilanz für 2013 nach unten korrigiert werden, hat ein internationales Forscherteam ausgerechnet. Das macht in absoluten Zahlen fast 1,3 Milliarden Tonnen CO₂ aus, das Anderthalbfache der deutschen Emissionen im gleichen Jahr. Allerdings bleibt China auch mit den korrigierten Zahlen das Land der höchsten Kohlendioxid-Freisetzung.

Dass mit den bisherigen Angaben etwas nicht stimmt, hatte sich schon lange angedeutet. So weisen nationale Statistiken zum Energieverbrauch geringere Werte auf als die Summe der Angaben aus den Provinzen. Außerdem konnten internationale Beobachter nur raten, wie rein die Kohle ist, die das Land für die Stromproduktion und in der Industrie verfeuert. Offenbar ist der Brennstoff schlechter als angenommen, er enthält mehr Asche, weniger Kohlenstoff und hat einen geringeren Heizwert.

Zu hohe CO2-Emissionen gemeldet

Daten fanden die Forscher um Zhu Liu von der Harvard University und Dabo Guan von der University of East Anglia in Norwich im chinesischen statistischen Jahrbuch. Dieses berichtet über Tausende Kohleproben aus den wichtigsten Minen. Auf Basis dieser Werte reduziert sich der Ausstoß von CO₂ pro verbrauchter Tonne um 40 Prozent.

Gleichzeitig nahmen die Forscher an, dass der Energieverbrauch des Landes insgesamt um zehn Prozent höher liegt, als es die Zentralregierung verbreitet. Hinzu kommen kleinere Abweichungen bei Erdgasverbrauch und Zementproduktion. Insgesamt ergibt sich für 2013 die Korrektur um 14 Prozent gegenüber internationalen Statistiken, auf die sich der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Bericht gestützt hat.

Auch offizielle Angaben aus Peking rücken die Forscher zurecht: Zuletzt habe China zwölf Prozent zu viel Kohlendioxid an das UN-Klimasekretariat in Bonn gemeldet (Nature, Bd. 524, S. 335, 2015). Experten begrüßen die Studie. "Wenn wir die Schätzungen der Emissionen verbessern, können wir die Politik genauer über den Klimawandel informieren", sagt Corinne Le Quéré, die das jährliche Global Carbon Budget verantwortet. Le Quéré arbeitet an der gleichen Universität wie Dabo Guan, hatte mit der aktuellen Studie jedoch nichts zu tun. "Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns", ergänzt sie.