Klimaforschung Inflation der Wetterextreme

Tausende wurden obdachlos, als Hurrikan Mitch 1998 über Nicaragua hinwegzog. Vermutlich war das Wetterphänomen La Niña an der Entstehung des Hurrikans beteiligt.

(Foto: DPA)

Wenn La Niña wütet, können ganze Regionen in Regen versinken. Geht die globale Erwärmung ungebremst weiter, könnte das Wetterextrem im Pazifik fast doppelt so häufig auftreten wie bisher.

Von Marlene Weiß

Die globale Erwärmung könnte ein regelmäßig wiederkehrendes Wetter-Phänomen im Pazifikraum begünstigen, das Fluten und Dürren mit sich bringt. Das schließen Forscher um Wenju Cai von der Forschungsorganisation CSIRO im australischen Aspendale aus übereinstimmenden Berechnungen anhand von verschiedenen Klimamodellen (Nature Climate Change).

Das im Pazifikraum bekannte Phänomen La Niña, das die Forscher untersucht haben, ist das Gegenstück zu der Konstellation namens El Niño. Beides ist eine Folge von Temperaturunterschieden im Meer: Normalerweise ist der Ozean um die Weihnachtszeit im Osten - vor Peru - kalt und bei Australien und Südostasien warm. Steter Wind weht von Ost nach West. In El-Niño-Jahren ist die Temperaturdifferenz kleiner, die Ostwinde schwächer; Wasserströmungen kommen zum Erliegen oder kehren sich um, was das Wetter weltweit prägt. Bei La Niña ist es umgekehrt: Das Wasser ist vor Peru besonders kalt, im Westen sehr warm, die Ostwinde stärker als üblich. Folgen sind Starkregen in Südostasien, Trockenheit in Südamerika und erhöhtes Hurrikan-Risiko in Nordamerika.

Im Zuge des Klimawandels dürften sich die Landflächen in Südostasien stärker als der Pazifik erwärmen und die Meeresoberfläche stärker als tieferes Wasser. Beides dürfte laut den Forschern extreme La Niñas begünstigen; statt wie bisher im Mittel alle 23 Jahre könnte das Phänomen bei ungebremster Klimaerwärmung künftig alle 13 Jahre auftreten. Vor allem gelte das für die Jahre nach einem starken El Niño: Künftig könnte also öfter auf ein Wetter-Extrem das nächste folgen. So wie zuletzt von Ende 1997 bis Anfang 1999. Zuerst brachte damals ein Jahrhundert-El-Niño Überschwemmungen in Peru und Trockenheit in Asien. Im Jahr darauf schlug La Niña zu, mit Überflutungen in China, Bangladesch und Venezuela, Dürre im Südwesten der USA sowie dem Hurrikan Mitch, der in Honduras und Nicaragua wütete.