Klimaforschung Die Antarktis wächst

Der Totten-Gletscher könnte ins Rutschen geraten, warnen Forscher.

(Foto: AFP)

Die globale Erwärmung führt zu stärkerem Schneefall am Südpol. Das klingt widersinnig, ist aber einfache Physik. Die diktiert auch, dass der Meeresspiegel deswegen sinkt - aber nicht genug, um den Trend umzukehren.

Von Christopher Schrader

Der Schneefall über der Antarktis dürfte mit der globalen Erwärmung zunehmen. Ein internationales Forscherteam hat die bisher weit schwankenden Schätzungen zu dem Phänomen eingeengt und beziffert die Zunahme auf fünf Prozent pro Grad Erwärmung. Die Gruppe um Katja Frieler vom Potsdam-Institut hat in sechs Eisbohrkernen nachvollzogen, wie sich das Ende der letzten Eiszeit auf die Niederschläge ausgewirkt hat. Diese Daten haben die Forscher mit Ergebnissen von 35 Klimasimulationen kombiniert. Zuvor kursierten Schätzwerte zwischen praktisch null und 13 Prozent pro Grad Erwärmung (Nature Climate Change, online).

Den Grund für diesen zunächst widersinnig erscheinenden Effekt liefert die Physik: "Wärmere Luft enthält mehr Feuchtigkeit, und das kann zu mehr Niederschlag führen", sagt Frieler. Dadurch wächst der Eispanzer und es sinkt der Meeresspiegel, weil Wasser in Form von Schnee auf festem Land liegen bleibt. Frielers Kollegin Ricarda Winkelmann rechnet mit einem Absinken des Ozeans in 100 Jahren um etwa drei Zentimeter pro Grad Erwärmung. Sie hat dabei berücksichtigt, dass mehr Schnee den Druck auf das Eis darunter erhöht, schneller zur Küste zu fließen.

Klimaforscher rechnen zurzeit mit bis zu vier Grad Erwärmung, wenn der politische Klimaschutz nicht bald greift. Trotzdem dürfte der zunehmende Schneefall in der Antarktis den Trend der anschwellenden Weltmeere nur bremsen, nicht umkehren. Zurzeit steigt der Meeresspiegel um drei Zentimeter pro Jahrzehnt. Bis 2100 könnte der Zuwachs laut Weltklimarat einen Meter erreichen.

Dafür sind auch Prozesse in der Antarktis verantwortlich, wo große Gletscher im Westen des Kontinents rapide schmelzen. Einer neuen Studie zufolge ist aber auch einer der größten Eisströme im bislang stabilen Osten gefährdet, der Totten-Gletscher (Nature Geoscience, online). Eine Forschergruppe um Jamin Greenbaum von der University of Texas hat Kanäle unter dem Eis entdeckt, die das Polarmeer mit dem tiefen Trog verbinden, auf dem das Totten-Schelfeis liegt. Außerdem konnte das Team eine Blase relativ warmen Wassers in passender Tiefe ganz in der Nähe identifizieren. Wenn es in den Trog strömt, könnte der Totten-Gletscher ins Rutschen geraten.