Klima Deutschland und sein Hitzeproblem

Sommerhitze in Köln am Rheinufer: Auch 2016 war sehr warm und sehr trocken. Junge Menschen freut das, ältere oft nicht.

(Foto: imago/Ralph Peters)
  • Die Temperaturen in Deutschland lagen 2016 erneut deutlich über jenen der Referenzperiode 1961-1990.
  • Mit 1,3 Grad Celsius über dem Referenzwert landet 2016 in der Statistik der wärmsten Jahre auf Platz acht.
  • Künftig will der Deutsche Wetterdienst vor Hitzestress warnen, auch wenn die "gefühlte Temperatur" für fitte, gesunde Menschen noch unter 38 Grad liegt.
  • Besonders ältere Menschen in Großstädten leiden unter hohen Sommertemperaturen.
Von Marlene Weiß

In Deutschland war es 2016 mal wieder zu warm. Ein neuer Rekord wurde aber - anders als in den vergangenen Jahren - nicht erreicht: Mit 1,3 Grad Celsius über dem Referenzwert landet 2016 in der Statistik der wärmsten Jahre auf Platz acht.

Das hat die detaillierte Auswertung der Messdaten ergeben, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) heute in Berlin vorgestellt hat - verknüpft mit der Ankündigung, sein Hitze-Warnsystem auszubauen.

Ungewöhnlich war 2016 in Deutschland jedoch in anderer Hinsicht

Alleine die Tatsache, dass der DWD die Temperatur nicht als besonders bemerkenswert darstellt, zeigt, wie sehr der Klimawandel bereits in Deutschland angekommen ist. Immerhin war 2016 ähnlich warm wie 1934 - ein Jahr, das damals als extrem galt und Hitzerekorde setzte. Aber das ist eben lange her: Mittlerweile ist es in Deutschland im Vergleich zu 1881 um etwa 1,4 Grad wärmer geworden, die Durchschnittstemperatur lag im vergangenen Jahr bei 9,5 Grad.

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Damit ist der Klimawandel hierzulande stärker spürbar als im weltweiten Durchschnitt. Dank der langsameren Erwärmung der Ozeane ist dieser Wert erst um 1,1 Grad gestiegen. Vor zwei Jahren hatte die Weltgemeinschaft in Paris vereinbart, die Erwärmung nach Möglichkeit auf 1,5 Grad zu begrenzen. Besonders realistisch erscheint das aus heutiger Sicht nicht mehr.

Ungewöhnlich war 2016 in Deutschland jedoch in anderer Hinsicht. "Die klimatologische Bilanz wurde 2016 anders als in den Vorjahren nicht durch die Temperatur geprägt", sagte Thomas Deutschländer vom DWD bei der Präsentation der Daten. Auffallend seien vielmehr die Niederschläge gewesen, vor allem ihre Verteilung. Insgesamt war 2016 zwar trockener als üblich, das sechste zu trockene Jahr in Folge - von Juli 2016 bis in den Februar 2017 hinein regnete es viel zu wenig.

Wenn aber doch Regen fiel, dann waren es oft gewaltige Mengen. Vom 26. Mai an trat die berüchtigte Großwetterlage "Tief Mitteleuropa" zwei Wochen lang immer wieder auf. Mit ihr saßen die Boden-Tiefdruckgebiete Elvira, Friederike und Gisela über Deutschland, Frankreich und Österreich fest. Elf Menschen starben in Deutschland nach Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen.

Bei Braunsbach im Landkreis Schwäbisch-Hall fielen am 29. Mai innerhalb einer Stunde 90 Liter Regen pro Quadratmeter, über den ganzen Tag waren es in großen Gebieten deutlich über 100 Liter. Statistisch gesehen sollten solche Regenmassen nur etwa alle hundert Jahre einmal auftreten - aber es kann sein, dass diese Statistik nicht mehr gilt. Die Klimaforscher beim DWD rechnen damit, dass die Wetterlage "Tief Mitteleuropa" bis 2100 um 50 Prozent häufiger wird. Dann dürften auch Starkregen-Ereignisse öfter auftreten. Aber die Prognosen sind mit großer Unsicherheit behaftet: Laut DWD könnte Deutschland künftig durchaus auch doppelt so oft wie heute betroffen sein.

Hinweis auf "starke Wärmebelastungen"

Gefährlich sind aber nicht nur heftige Niederschläge. Der DWD warnt seit Langem vor zunehmenden Hitzewellen. Im Extremfall könnten die Temperaturen bis 2100 viermal öfter im Jahr als heute auf mehr als 30 Grad steigen. Vor allem für ältere Menschen kann Hitze eine schwere Belastung sein: Während der Hitzewelle im Sommer 2003 gab es allein in Deutschland 8000 zusätzliche Todesfälle. Der Wetterdienst erweitert darum von Juni an sein Hitze-Warnsystem. Künftig soll vor Hitzestress gewarnt werden, auch wenn die "gefühlte Temperatur" für fitte, gesunde Menschen noch unter 38 Grad liegt. Zudem will der DWD besonders auf die Gefahren für alte Menschen in Großstädten hinweisen, die im Sommer bis zu zehn Grad höhere Temperaturen ertragen müssen als Menschen auf dem Land.

In den DWD-Warnungen im Sommer 2017 soll darum etwa auf "starke Wärmebelastungen" hingewiesen werden, die jedoch für alte Menschen bereits "extrem" seien. Auch vor zusätzlicher Belastung in Städten, die sich nachts kaum abkühlen, wird gewarnt - und der DWD erinnert dann auch daran, genug zu trinken, direkte Sonne und Anstrengung zu vermeiden und die Wohnung kühl zu halten. Damit all diese Weisheit auch ihr Ziel erreicht, sollen die Warnungen nicht nur direkt an Pflegeheime und Krankenhäuser gehen, sondern auch an Ärzte und Apotheker: Erstmals arbeitet der DWD dafür mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg zusammen.

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