Ein weiteres Ergebnis überraschte die Forscher. Sie untersuchten in ihrer Studie auch die Immunreaktion einer dritten Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die ihre früheste Kindheit in Waisenhäusern in Rumänien zugebracht hatten, aber nun in stabilen Verhältnissen in Adoptivfamilien lebten.
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Das Abwehrsystem dieser 41 Probanden war ähnlich stark geschwächt wie das der Jugendlichen, die körperlich missbraucht worden waren. "Diese Kinder hatten zwar eine schwierige Kindheit, aber seit mehr als einem Jahrzehnt werden sie geliebt und erleben emotionale Sicherheit", sagt Pollak. "Trotzdem steht ihr Körper so unter Stress, als ob sie missbraucht worden wären."
Eine chronische Stressreaktion des Organismus kann das Lernen und Verhalten von Kindern und Jugendlichen stark beeinträchtigen. Pollak befürchtet, dass in Zukunft Kinder vermehrt unter solchen Einschränkungen leiden werden. Die weltweite Finanzkrise führe schließlich dazu, dass mehr Kinder in Heimen oder anderen Institutionen betreut werden müssen und weniger adoptiert werden können.
Bindungsforscher und Psychosomatiker wissen schon lange, dass frühkindlicher Missbrauch, emotionale Verwahrlosung, extreme Strenge und häufiger Familienstreit in späteren Jahren zu mehr Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Leiden führen.
"Eine unsichere Bindungsentwicklung ist ein großer Risikofaktor", sagt Karl Heinz Brisch, Psychosomatiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München. In jüngster Zeit zeigen immer mehr Forschungsergebnisse, wie psychisches Leid auch starke körperliche Spuren hinterlässt.
"Frühe Erfahrungen bestimmen auch die neuronalen und hormonellen Reaktionen - und zwar ein Leben lang", sagt Michael Meaney, Neurobiologe an der McGill-Universität im kanadischen Montreal.
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(SZ vom 27.01.2009/mcs)
Aktennotiz des Bundespräsidenten
ein ausgesprochen guter Beitrag!
Die Erkenntnis aus diese Studie kann auch sein, dass sich der Wirtschaftszweig Psychosomatik wieder verabschieden kann, denn offensichtlich bleiben Zuwendung, Therapie und geschützte Umgebung ohne langanhaltende Wirkung. Man kann auch daraus folgern, dass im Bereich der Antikörper nach Lösungen geforscht werden sollte. Wenn man bedenkt, dass immer noch jede dritte Frau im laufe ihres Lebens aber eben auch in Kindertagen belästigt wird, ist die Zahl der Betroffenen groß genug. Wie man inzwischen ja auch weiß, ist Psychotherapie und Glückspillen kein Allheilmittel. Die Gefahr, dass Etikett "psychisch krank" verpasst zu bekommen und sich dann in einer gesellschaftlichen Abwärtsspirale zu bewegen, ist für die Opfer derzeit enorm hoch. Geschichten, wie das funktioniert, konnte man an den Schicksalen der Menschen im Adventskalendar genau nachlesen. Ein Umdenken ist hier dringend erforderlich.
Des weiteren ist es auch nie für die Gesundheit der Opfer hilfreich wenn diese Verbrecher nach 3-4 Jahren ihnen im Supermarkt über den Weg laufen.
Diese Forschungen weisen auf die Spitze eines Eisberges hin, dessen Dimension uns erst bei Einbezug von empirisch erhärteten Beobachtungen in der Aufarbeitung von verdrängt in uns liegenden Traumatisierungen, bewusst werden kann.
Leider ist es bis heute kaum Thema, wie sehr die Verlassenheitserfahrung bei der räumlichen Trennung von Mutter und Kind, im Anschluss an die Geburt und in den Tagen danach, eine Traumatisierung darstellt, die das Immunsystem für immer zu schwächen vermag und auch Antrieb für (auto-)destruktives Verhalten sein kann. Das Bedürfnis zugehörig zu sein ist möglicherweise vorrangiger als Wunsch, zu überleben.
Biologisch gesehen sind kommen Kinder als Traglinge zur Welt und haben alle nötigen Reflexe, um am Körper getragen zu sein. Dann findet auch das Imprinting statt (insofern dies nicht durch medikamentöse Einflüsse und schnelle Abnabelung gestört wird), und dies ist eine optimale Garantie für ein intaktes Immunsystem.
Ein Grund mehr Mißbrauch zu verhindern.