Kernfusion Merkel zündet Wendelstein 7-X

Bundeskanzlerin Angela Merkel zündet Wendelstein 7-X in Greifswald.

(Foto: AP)

In Greifswald beginnt ein großer Forschungsreaktor mit den Messungen. Die Maschine soll Atomkerne verschmelzen.

Von Robert Gast

Mit einem Festakt haben am größten deutschen Versuchsreaktor für die Kernfusion in Greifswald am Mittwoch die Messungen begonnen. Die gut eine Milliarde Euro teure Maschine Wendelstein 7-X testet eine neue Bauweise, mit der Physiker kontrolliert Wasserstoff-Atomkerne verschmelzen wollen.

Diese physikalische Reaktion findet im Inneren der Sonne statt und gilt als effizienteste Energiequelle im Universum. Den Startschuss für die Experimente in Greifswald gab Bundeskanzlerin Angela Merkel - die Stadt an der Ostsee gehört zu ihrem Wahlkreis bei der Bundestagswahl.

Der Forschungsreaktor Wendelstein 7-X ist ein sogenannter "Stellarator"

Um mit der Kernfusion auf der Erde Energie zu gewinnen, ist ein Behälter nötig, in dem heißes Wasserstoff-Gas auf Hundert Millionen Grad erhitzt wird. Erst bei dieser Temperatur kommen sich Atomkerne so nah, dass sie miteinander verschmelzen können. Weil ein heißes, elektrisch geladenes Gas - ein sogenanntes Plasma - beim Kontakt mit der Behälterwand sofort abkühlen würde, versuchen Wissenschaftler seit Jahrzehnten, es mit Magnetfeldern in der Schwebe zu halten.

Der 16 Meter breite und fünf Meter hohe Forschungsreaktor Wendelstein 7-X ist ein sogenannter "Stellarator". Die Bauweise gilt als Exot unter den Fusionsmaschinen. Berechnungen zeigen, dass sie in der Lage sein müsste, ein heißes Gas länger einzusperren als ein Reaktor vom Typ "Tokamak", wie er beim Internationalen Fusionsexperiment Iter in Südfrankreich zum Einsatz kommen soll.

Mit den Messungen in Greifswald wollen die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in den kommenden Jahren zeigen, dass der Stellarator konkurrenzfähig ist. Anders als Iter soll Wendelstein 7-X aber noch keine Energie abwerfen.

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