Die deutsche Kernkraft-Branche strotzt vor Selbstbewusstsein und erwartet eine Renaissance der Reaktortechnik - obwohl Deutschland doch den Ausstieg beschlossen hat.
Die neue Rechtschreibreform der Nuklearindustrie umfasst vier Buchstaben. A-T-O-M darf man dort nun vor Wörter wie "Energie" oder "Kraftwerk" stellen, statt wie bisher nur K-E-R-N. Die Erlaubnis hat einer der Chef-Lobbyisten der Branche erteilt, Walter Hohlefelder.
Bild vergrößern
Die Nuklearindustrie erlaubt es sich selbst, das Wort Atomkraft wieder zu verwenden. (© Foto: dpa)
Anzeige
"Die meisten haben eben gezuckt, als ich den Begriff ,Atomkraftwerk' in den Mund genommen habe", sagte Hohlefelder zur Eröffnung der Jahrestagung Kerntechnik in der vergangenen Woche in Hamburg.
Er versteht die Lockerung als Abkehr vom Lagerdenken. "Heutzutage ist nicht jeder, der von Atomkraftwerken und Atomenergie spricht, aus ideologischen Gründen einer pragmatischen Diskussion nicht zugänglich."
Aus solchen Worten spricht das überschäumende Selbstbewusstsein der Branche. Zwar hat Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, aber viele andere Länder verschaffen der Technik eine Renaissance. Die USA, Großbritannien und Italien steigen wieder ein, Frankreich und Finnland bauen neue Reaktoren, in Asien wächst die Atomindustrie.
"Alle deutschen Firmen sind bis an die Grenzen ihrer Kapazität im Ausland aktiv", sagt Wolfgang Steinwarz, Geschäftsführer der Firma Siempelkamp, die unter anderem Castor-Behälter für Atommüll fertigt.
Die Lobbyisten erwarten, dass Deutschland die Restlaufzeiten seiner Kernkraftwerke nach der Bundestagswahl im Herbst 2009 verlängert. Sie hätten doch, wie jeder rational Denkende einsehen müsse, die besseren Argumente, sagen sie. Wenn nicht sogar die einzigen.
Aus dieser Position lässt sich leicht, und ziemlich gönnerhaft, ein Ende eines ideologischen Streits um die Kernkraft verkünden. Die Präfixe "Atom-" und "Kern-" sind ein zentrales Symbol dafür. Für Befürworter der Nukleartechnik war bislang nur "Kernkraftwerk" akzeptabel, denn der Reaktor nutzt Energie aus den Kernen von Atomen. Kohlemeiler oder Gaskraftwerke gewinnen Strom aus Vorgängen in der Hülle der Atome.
Entscheidender war aber stets die Entscheidung von Gegnern der Technik, auf die Vorsilben "Atom-" zu bestehen. Nicht nur skandiert sich "Ah-Kah-Weh-Nee" flüssiger. Die Bürgerinitiativen gegen Reaktoren in den 1970er-Jahren konnten so nahtlos an den Widerstand gegen die Atombomben-Bewaffnung der Bundeswehr in den 1950ern anknüpfen.
Damals war das Präfix "Atom-" allerdings noch nicht ideologisch besetzt, da war Franz-Josef Strauß Bundesminister für Atomfragen und Walter Hohlefelders Atomforum wurde gegründet. Die Technikeuphorie der Wirtschaftswunderzeit würden die Kerntechniker mit ihrer Rechtschreibreform nun gern wiederbeleben. Die Redner am ersten Tag des Kongresses nahmen daher Hohlefelders Diktum gerne auf.
Den leisen Protest vor dem Kongresszentrum CCH konnten sie getrost ignorieren. Ein paar Dutzend Demonstranten protestierten dort gegen Endlager und Castor-Transporte. In den Pausen zwischen den Vorträgen standen die Kerntechniker vor dem Eingang und blickten milde auf die jungen Leute.
Schecks für Jung-Ingenieure
Kaum etwas unterstreicht die optimistische Stimmung der Nuklearbranche besser als der Erfolg ihrer Nachwuchsarbeit. Jahrelang klagten Kernkraftfreunde über den Mangel an Studenten, die sich auf Reaktortechnik spezialisieren. In Aachen zum Beispiel fand die Vorlesung dazu gelegentlich vor drei Studenten statt, berichten Kenner.
Selbst erklärte Gegner der Technik wie Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe empfanden den Mangel als Krise: Schließlich brauche es Fachleute für Kerntechnik auch beim Abriss von Reaktoren, da sei für mindestens eine Generation von Fachleuten genug zu tun.
Inzwischen machen jedes Jahr etwa 100 Reaktor-Ingenieure und sonstige Fachleute ihr Examen, sagt Siempelkamp-Chef Steinwarz. Damit ließen sich Lücken schließen, für den großen Boom reiche es aber immer noch nicht. "Die Leute werden gehegt und gepflegt, und alle bekommen gute Jobs in der Industrie."
Auch Cora Fischer, bis vor kurzem Sprecherin der Nachwuchsorganisation "Junge Generation", sagte auf dem Kongress: "Der Aufschwung kommt nicht, er ist bereits da." Noch keine 30 Jahre alt, bekundet sie dieselbe Verwunderung wie die Granden ihrer Branche: Wie könne sich Deutschland rationalen Argumenten für die Kernkraft derart verschließen? Fischer arbeitet inzwischen für den Reaktorbauer Areva in Frankreich, wo es solchen Widerstand kaum gibt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Großprojekte in Berlin
Es gibt genügend technische Möglichkeiten der alternativen Energien und immense Einspaarpotentiale statt Atomkraft. Diese heißt es zu bündeln und endlich zu installieren. Wenn alle Kraft in die alternativen Energien gesteckt würden statt in die Kriegsmaschinerie könnten die bekannten Wirtschaftsunternehmen damit Geld verdienen und nicht damit Menschen töten. Solange sich aber die kurzfristige Gewinnorientierung der DAX Unternehmen nicht ändert, wird es Menschen geben, wie den User Mythorus: die diesen Glauben schenken, wir kommen nicht ohne Atomkraft aus. Ein Supergau in Deutschland würde dies ändern, wollen Sie es soweit kommen lassen Mythorus?
Ohne die enge Bindung der Kernernergie-Entwicklung an die Träume der Militärs einerseits und die unter Panik geführten Ausstiegsdiskussionen andererseits wären die Entwicklungen zur Transmutation schon weiter gediehen. Wahrscheinlich werden in ein paar Jahren indische Firmen die entsprechenden Kraftwerke liefern, wenn mangels Grundlast die neuen Kraftwerke notwendig werden.
Nur eine kleine Anmerkung: auch das Uran geht irgendwann aus (wenn ich mich recht erinnere hatte ich mal eine Schaetzung von 50 Jahren gehoert, aber das ist 5 Jahre her). Seitdem mag man zwar mehr Uran gefunden haben, aber wenn dann auch mehr Kraftwerke gebaut werden geht das dann auch schneller wieder weg. Was kommt dann? Irgendwann muss man einfach die Energien verwenden, die nicht auf Resourcen aus dem Boden angewiesen sind, denn der Boden ist nicht voll damit, sondern hat ein begrenztes Volumen. Selbiges gilt auch fuer Erdoel, aus dem man ja nicht nur Strom macht, sondern auch Grundstoffe fuer Medikamente, Plastik, ... Mal sehen wie es dann in 50 Jahren ist.
Über kurz oder lang werden wir in Europa eh ein HGÜ-Netz haben (HochspannungsGleichstromÜbertragung). Europaweite flauten halte ich für ähnlich unwahrscheinlich wie Störfälle in großen AKW. In Spanien entstehen zur Zeit recht große Solarparks, nicht nur die immer als unrentabel und subventioniert abgewatschte Fotovoltaik, sondern auch Parabolrinnenkraftwerke. Im Verbund mit Wasserkraftwerken sollten wir damit schon die Grundversorgung angehen können.
Übrigens: wenn nie jemand etwas neues gewagt hätte, würden wir heute noch Steine klopfen.
Sie sind ja wirklich ein ganz schlauer. Bevor ich lange rumerkläre, wie man die Flaute in den Griff bekommt, schaun Sie mal auf www.kombikraftwerk.de
Paging