Katastrophale Veränderungen Tödlicher Klimawandel

Mangelernährung, Krankheiten, zerstörte Lebensräume: Einer Studie zufolge fordern die Folgen der Erderwärmung bereits jetzt jedes Jahr Hunderttausende Todesopfer. Milliarden Menschen sollen gefährdet sein.

An den Folgen des Klimawandels sterben nach einer Studie bereits jetzt 300.000 Menschen pro Jahr. Zu diesem Schluss kommt die Organisation Global Humanitarian Forum unter Leitung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Folgen der Erderwärmung: Schon jetzt leiden manche Länder unter Perioden extremer Trockenheit wie Anfang Mai Brasilien.

(Foto: Foto: AP)

Unter der Erderwärmung leiden demnach weltweit 300 Millionen Menschen, dazu verschlingt sie fast 90 Milliarden Euro Folgekosten pro Jahr. Durch eine zerstörte Umwelt und daraus folgender Mangelernährung und Krankheiten könne der Klimawandel bis zum Jahr 2030 sogar jährlich den Tod einer halben Million Menschen verursachen, heißt es in dem Bericht.

Zuvor hatte schon eine Gruppe von Nobelpreisträgern die Auswirkungen des Klimawandels mit den Gefahren von Atomwaffen verglichen. In der Abschlusserklärung einer mehrtägigen Konferenz, zu der Thronfolger Prinz Charles nach London eingeladen hatte, pochten die Wissenschaftler darauf, bis 2050 den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren, wobei die Industrieländer vorangehen und schon bis 2020 ihre Treibhausgase um 25 bis 40 Prozent reduzieren sollten.

Annan bezeichnete den Klimawandel als "größte Herausforderung der Menschheit unserer Zeit". Dem Bericht zufolge werden 2030 schon 660 Millionen Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen sein, etwa weil sie ihre Häuser durch Unwetter verlieren oder weil sie unter Wasserknappheit, Hunger oder Krankheiten leiden. Um 2030 wird der Klimawandel der Prognose zufolge weit mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

Milliarden Menschen gefährdet

Insgesamt seien von einem Anstieg des Meeresspiegels oder Naturkatastrophen wie Überflutungen, Stürmen und Dürren etwa vier Milliarden Menschen bedroht. Viele von ihnen lebten in den ärmsten Gegenden der Welt in Afrika und Asien. Um das Schlimmste zu vermeiden, müsse die Hilfe für diese Menschen in Entwicklungsländern um das Hundertfache steigen.

Das 2007 gegründete Global Humanitarian Forum setzt sich für eine stärkere internationale Zusammenarbeit zur Überwindung humanitärer Herausforderungen ein. Die Studie "Klimawandel - Die Anatomie einer stillen Krise" ist nach Angaben des Forums der erste umfassende Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesellschaft.

Annan stellte die Studie vor dem Auftakt von UN-Klimaverhandlungen in Bonn vor, wo von Pfingstmontag an etwa 3000 Experten über die Zukunft des globalen Klimaschutzes und ein neues Abkommen beraten.

Das als Nachfolger des Kyoto-Protokolls geplante Vertragswerk soll Ende des Jahres in Kopenhagen beschlossen werden. "Um für die Menschen auf der ganzen Welt Gerechtigkeit herzustellen, muss Kopenhagen ein globales, wirksames, faires und verbindliches Ergebnis bringen", sagte Annan.