Karakorum-Anomalie Schutzgebiet für Eis

Trotz Klimawandel - im Karakorum-Gebirge schrumpfen die Gletscher offenbar nicht, sondern wachsen womöglich sogar leicht.

Von Christopher Schrader

Gegen den globalen Trend schrumpfen die Gletscher im Karakorum-Gebirge offenbar nicht, sondern wachsen womöglich sogar leicht. Die Eismassen an der Grenze zwischen China und Pakistan hätten zwischen Ende 1999 und 2008 um 1,10 Meter zugelegt, schließen drei französische Glaziologen aus dem Vergleich von Bildern aus dem Orbit:

Den ersten Satz Aufnahmen hatte der Spaceshuttle geschossen, den zweiten der kommerzielle französische Satellit Spot 5.

Allerdings ist das Ergebnis noch unsicher, weil der mittlere Höhenunterschied viel geringer ist, als es die Genauigkeit der Methode hergibt, und weil die Wissenschaftler nicht wissen, ob er durch Eis oder Firn ausgelöst wurde.

Zudem haben sie in ihrem 5615 Quadratkilometer großen Messgebiet starke regionale Unterschiede gefunden: Manche Gletscher waren um 16 Meter pro Jahr gewachsen, andere im gleichen Maß geschrumpft (Nature Geoscience, online).

Sowohl die Autoren als auch ein unabhängiger Kommentator im gleichen Blatt, Graham Cogley von der Trent University in Kanada, nehmen die Messung aber als Beleg für die sogenannte Karakorum-Anomalie.

Seit einigen Jahren berichten Glaziologen immer wieder, die Gletscher der Region seien im Gleichgewicht; der Klimawandel lasse sie leicht wachsen oder zumindest nicht schmelzen. Cogley macht dafür "eine Laune der atmosphärischen Zirkulation" verantwortlich, die niemand verstehe.

Weiter östlich im Himalaya schrumpfen die Gletscher aber deutlich. Erst vor zwei Monaten hatten Analysen von Messungen des Schwerefeldes der Region gezeigt, dass beide Gebirge zusammen etwa so viel Eis pro Quadratmeter verlieren, wie das Karakorum nach den neueren Daten gewinnt. Umso größer müssen die Verluste im Himalaya sein.