Kanada steigt aus dem Kyoto-Protokoll aus Wie Kanada den Klimaschutz für Öl opfert

Gerade erst hat sich die Weltgemeinschaft auf eine gemeinsame Strategie zum Klimaschutz geeinigt. Nun steigt Kanada aus dem Kyoto-Protokoll aus. Wie kam es zu der Entscheidung und welche Folgen hat sie für die Weltklimapolitik? Antworten auf die drängendsten Fragen.

Kanada verabschiedet sich vorzeitig vom Kyoto-Klimaschutzabkommen - um Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu entgehen. Außerdem wolle man künftig einen eigenen Klimaschutzplan verfolgen, kündigte Umweltminister Peter Kent an. Was steckt wirklich hinter der Entscheidung, und was bedeutet sie für den Klimaschutz?

Wieso steigt Kanada aus dem Kyoto-Protokoll aus?

Komplett überraschend ist der Schritt der kanadischen Regierung nicht. Kanada hält schon seit Jahren ganz bewusst die Ziele des Protokolls nicht mehr ein. Auch hatten kanadische Medien vor der Konferenz in Durban über Pläne der Regierung berichtet, vorzeitig auszusteigen. Und schließlich hatte sich Kanada bereits in der Vergangenheit klar und deutlich gegen die Verlängerung des Protokolls ausgesprochen.

Einige der Gründe für die Regierung in Ottawa sind kein Geheimnis: Kanada hätte seine Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um sechs Prozent im Vergleich zu 1990 senken müssen. Tatsächlich ist der Ausstoß jedoch massiv gestiegen: 2010 war er 35 Prozent höher als 1990. Bliebe Kanada in dem Vertrag, würde die Nichteinhaltung der Ziele das Land teuer zu stehen kommen. 14 Milliarden Dollar - 10,5 Milliarden Euro - werde man nun sparen, erklärte Kanadas Umweltminister Peter Kent.

Außerdem waren die Ziele, denen die Vorgängerregierung zugestimmt hatte, seiner Meinung nach sowieso utopisch. Schließlich hätte man dafür jedes Fahrzeug von der Straße nehmen oder den gesamten Landwirtschaftssektor stilllegen und die Heizung jedes Gebäudes in Kanada kappen müssen, erklärte Kent.

Unabhängig vom Kyoto-Protokoll hat sich Kanada nun vorgenommen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent zu senken - allerdings im Vergleich zum Jahr 2006. Im Vergleich zum Jahr 1990 wäre das eine Verringerung von nur etwa drei Prozent.

Was Minister Kent nicht sagte, wovon manche Kritiker der Entscheidung jedoch überzeugt sind: Kanada dürfte die Zeit bis 2020 auch nutzen, um ohne große Rücksicht auf das Klima auf die eigenen Bodenschätze zugreifen zu können. Zwar ist die Gewinnung von Öl aus Ölsand und -schiefer besonders teuer und klimaschädlich. Doch angesichts der steigenden Ölpreise rentiert sich der Abbau inzwischen. Und damit verfügt Kanada inzwischen über große Öl-Reserven, auf die man ungern verzichten will. Für Hans-Josef Fell, den Energieexperten der Grünen, sind die kanadischen Lieferungen von Erdöl aus diesen Quellen die Hauptursache dafür, dass sich Kanada seiner Verantwortung für den Klimaschutz verweigert.

Welche Prioritäten die kanadische Regierung setzt, lässt sich den Erklärungen des Umweltministers entnehmen. Verbindliche Emissionsziele erst ab 2020 erlaube Kanada, "weiter Arbeitsplätze zu schaffen und Wachstum in Kanada zu fördern".