Von C. Frank u. W. Luef

Wie sich Firmen, Behörden und Schulen gegen eine zweite, möglicherweise aggressivere Welle der Schweinegrippe rüsten.

Ausgerechnet im Sommerloch war es vergleichsweise ruhig geworden um die Schweinegrippe in Deutschland. Zwar haben sich insgesamt mehr als 16000 Deutsche mit dem Virus angesteckt, täglich werden 300 neue Fälle gemeldet. Doch die Erkrankungen verlaufen bislang meist mild, die Symptome klingen nach einigen Tagen ab.

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In Hongkong wurde ein Hotel wegen der Schweinegrippe unter Quarantäne gestellt. Ein Hotelgast versucht sich durch einen Mundschutz vor Ansteckung zu schützen. (© Foto: dpa)

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Die Schweinegrippe ist offenbar für Betroffene von einer normalen Influenza kaum zu unterscheiden. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen nicht plant, sich impfen zu lassen. Am Wochenende nun prangerte die Bundesärztekammer den Einfluss der Pharma-Lobby an und forderte, lediglich Risikogruppen zu impfen.

Auch Wissenschaftler streiten über die Gefährlichkeit von H1N1. In Deutschland kämpfte zuletzt ein 35-jähriger Deutscher mit dem Tod - er überlebte. Schweden und Italien verzeichnen indes die ersten Schweinegrippetoten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnte: Zwar seien die Ansteckungsraten zuletzt rückläufig, doch eine zweite Welle stehe bevor. Sie komme wahrscheinlich im Herbst, und das Virus könnte dann aggressiver sein, die Symptome heftiger, die Krankheit gefährlicher.

Der CDU-Europaabgeordnete und Mediziner Peter Liese befürchtet gar "eine erhebliche Anzahl von Todesfällen in der EU" und eine Ansteckungsrate von 30 Prozent in der Bevölkerung. Wie aber wappnen sich Unternehmen und öffentliche Einrichtungen tatsächlich gegen eine mögliche Pandemie?

Unternehmen

Grundsätzlich gilt: Für Pandemie-Vorsorge und den Umgang mit Infektionen sind die Unternehmen selbst verantwortlich. "Für die Behörden und Betriebe haben wir keine zentralen Pläne", heißt es aus der Hamburger Gesundheitsbehörde, schließlich wüssten die Mitarbeiter selbst: "Wer krank ist, bleibt zu Hause." Ähnliches verlautet aus den anderen Bundesländern. Zwar wurden in manchen Ländern Broschüren mit Informationen und Handlungsanweisungen an Unternehmen verschickt, eine festgelegte Vorgehensweise, was nach der ersten, zweiten oder dritten Schweinegrippe-Infektion innerhalb des Betriebs zu tun ist, gibt es aber nicht.

Dennoch sind Firmen aufgefordert, Pandemiepläne zu entwickeln - dem sind nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages jedoch bisher nur die Hälfte der Unternehmen nachgekommen. Zentraler Inhalt eines Pandemieplans ist die Frage: Wie kann der Betrieb aufrechterhalten werden, wenn ein Drittel der Arbeitnehmer Schweinegrippe hat und weitere 20 Prozent aus Angst oder zur Pflege von Angehörigen zu Hause bleiben? Solche Zahlen hält das RKI bei einer voll ausgebrochenen Pandemie für möglich.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat bereits vor zwei Jahren ein Pandemie-Handbuch für Unternehmen herausgegeben: Vorsorglich sollen sie Schlüsselpersonal definieren oder Atemschutzmasken lagern. Ist eine Pandemie ausgebrochen, sollen Betriebskantinen geschlossen und Zusammenkünfte von Mitarbeitern minimiert werden.

Im Extremfall könnten Unternehmen vom Staat zwangsweise geschlossen werden. "Das wäre aber eine völlig neue Qualität", heißt es aus dem sächsischen Gesundheitsministerium. "Außerdem würde sich die Frage stellen: Wer bezahlt für den dadurch entstandenen Schaden?"

Lesen Sie auf Seite 2, welche Maßnahmen bei Schweinegrippe-Infektionen an Schulen eingeleitet werden können.

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