Von Christopher Schrader

Der Impuls ist alt und wird weithin befolgt - was man nicht mehr mag, versteckt man im Keller. Das internationale Konsortium "CO2-Sink" prüft nun, ob sich klimaschädliches CO2 im Boden versenken lässt.

Der Impuls ist alt und wird weithin befolgt - was man nicht mehr mag, versteckt man im Keller. Insofern leuchtet die Grundidee des Projekts in Ketzin sofort ein: Lasst uns doch das Kohlendioxid (CO2), das den Klimawandel auslöst, in die Erde pumpen!

Die Bohrmaschine wird für die erste Bohrung im brandenburgischen Ketzin vorbereitet. (© Foto: dpa)

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In dem Ort im Havelland läuft seit Dienstag der Bohrer, um diese Strategie zu erproben. Das internationale Konsortium "CO2-Sink" unter Führung des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) will dort 60 000 Tonnen CO2 etwa 800 Meter unter die Erde pressen, um die Effekte zu studieren: Tritt das Gas wieder aus, wie verteilt es sich in der Tiefe, wie reagiert das Gestein?

Auf der ganzen Welt arbeiten Forscher an solchen Fragen, sie erkunden Kohleflöze, Erdölfelder und den Meeresgrund. Der Weltklimarat IPCC veröffentlichte eine 443-seitige Studie zur CCS-Technik (Carbon Capture and Storage); Deutsche, Amerikaner und Briten stellen jeweils etliche Millionen in ihrer Landeswährung bereit.

Das Grundprinzip ist einfach: Wo Kohlendioxid in großen Mengen anfällt, wird es aufgefangen, komprimiert und entsorgt. "Der Ausstoß von CO2 könnte mit der Methode deutlich verringert werden", sagte der GFZ-Vorsitzende Rolf Emmermann am Dienstag.

Ketzin eignet sich nach Meinung der Projekt-Manager besonders. Sie studieren den Untergrund seit 2004, ihre Diagramme zeigen die sogenannte Stuttgart-Schicht, eine Salzwasser-führende Lage von Gestein, die sich wie eine umgekehrte Salatschüssel unter dem Havelland erstreckt.

Um zu überwachen, ob sich das Klimagas dort unten wie erwartet ausbreitet, installieren die Forscher Dutzende Messgeräte. Das CO2 wird in Ketzin per Tankwagen aus einer Gasfabrik geliefert; das verschlingt allein vier der 35 Millionen Euro Projektkosten.

Anlagen, die bei der Kohleverfeuerung Kohlendioxid auffangen, gibt es nämlich bisher noch kaum - ein Probekraftwerk wird im brandenburgischen Industriepark "Schwarze Pumpe" erst errichtet. Auch das Sammeln müssen Forscher erproben, denn zurzeit verbraucht dies etwa ein Drittel der eingesetzten Energie.

Nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kostet CCS daher um die 40 Euro pro Tonne CO2. An der Börse für Emissionszertifikate zahlen Unternehmen derzeit weniger als einen Euro für das Recht, so viel CO2 freizusetzen; Optionen für 2012 kosten 18 Euro.

Nicht nur wegen der Kosten nennt das Umweltbundesamt die CCS-Technik "nur eine Übergangslösung". Langfristig sei es sinnvoller, CO2 zu vermeiden und Energie aus erneuerbaren Quellen zu nutzen. Bis diese wettbewerbsfähig sind, könne es sinnvoll sein, das Treibhausgas wegzusperren. Viele Umweltschützer sehen in dem Projekt jedoch ein "Ablenkungsmanöver", das den Umstieg auf regenerative Energien behindere.

Der CO2-Speicherbedarf wäre gewaltig. In Deutschland kämen 350 Millionen Tonnen pro Jahr zusammen; sämtliche Lagerstätten wären nach 40 bis 130 Jahren voll, so die Studie des Umweltbundesamts. Weltweit rechnet der Harvard-Forscher Daniel Schrag mit zehn Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr.

Damit die Industrie diese Kosten trägt, bedürfe es großen politischen Drucks. "Unsere Aufgabe heute ist sicherzustellen", schrieb er vor kurzem in der Zeitschrift Science, "dass die Technik bereitsteht, wenn die Politik endlich gegen den Klimawandel vorgeht".

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(SZ vom 28.2.2007)