Von Christopher Schrader

Im Kampf gegen den Klimawandel wurden auf der UN-Umweltkonferenz in Bali Kompromisse geschlossen. Doch die Zeit läuft uns davon, warnen Forscher - und fordern eine schnelle Entwicklung neuer Energietechnik.

Das Tata-Mundra-Projekt ist ein Spiegel der Weltpolitik. Fünf Kohlekraftwerke von jeweils 800 Megawatt elektrischer Leistung will der Tata-Konzern in der Stadt Mundra im Nordwesten Indiens errichten, um dem chronischen Strommangel des Landes zu begegnen.

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Windkraft gewinnt an Bedeutung. Der weitere Einsatz von Kohlekraftwerken ist umstritten. (© Foto: ddp)

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Darum wollte am Dienstag auch die Weltbank beraten, ob sie sich an der Finanzierung des 4,2-Milliarden-Dollar-Vorhabens beteiligt. Doch dann erreichten sie Aufrufe von Umweltschützern, erst einmal die ökologischen Folgen zu überdenken. Die Kraftwerke würden auf Jahrzehnte große Mengen Kohlendioxid freisetzen.

An einem Beispiel wie diesem sind die Spannungen auf der Welt abzulesen. Große Schwellenländer wie Indien, Brasilien und besonders China mögen sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht verbieten lassen. Besonders die USA hingegen beharren, dass auch die Schwellenländer ihre Emissionen reduzieren müssten.

Amerika aber belegt zusammen mit China mit großem Vorsprung die Plätze eins und zwei in der Statistik der CO2-Freisetzung. Zur Lösung dieser Blockade haben sowohl der Weltklimarat IPCC als auch die Regierungen bei Klimagipfeln diplomatische Formulierungen gefunden.

Teil des Meinungs-Spektrums

Ein zukünftiges Abkommen soll Industriestaaten "Pflichten" auferlegen, während es Schwellen- und Entwicklungsländer zu "Aktionen" einlädt, hieß es bei der Konferenz in Bali im Dezember 2007.

Doch für solche Kompromisse hat die Welt womöglich überhaupt keine Zeit, wie in den vergangenen Tagen prominente amerikanische Klimaforscher geschrieben haben.

Die Reduktion der Treibhausgase müsse viel aggressiver geschehen, als es der IPCC vorsehe, sagten James Hansen von der Nasa und Kollegen in einem noch unveröffentlichen Aufsatz. Kohlekraftwerke dürfe eigentlich niemand mehr bauen.

Zugleich rügte ein Team um Roger Pielke von der University of Colorado in Boulder, der Weltklimarat habe unrealistische Vorstellungen verbreitet, wie sich solche Einsparungen erzielen ließen: "Die Annahmen sind im besten Fall optimistisch und im schlechtesten unerfüllbar", kommentieren sie im Fachblatt Nature.

Schnell erkannten Kommentatoren einen "Schwenk in der Debatte um die globale Erwärmung". Andere sahen die "Weltretter unter Feuer", weil beide Mahnrufe den IPCC kritisierten.

Doch die Positionen der beiden Teams sind seit langem Teil des Spektrums der Meinungen, Analysen und Forschungsergebnisse, aus denen der IPCC alle paar Jahre seinen großen Sachstandsbericht erstellt. Nichts anderes sind die Bücher der Organisation: Zusammenfassungen des vorhandenen Wissens, keine politischen Dokumente. Regierungen nicken nur die jeweiligen Zusammenfassungen ab.

Mehr Ertrag für weniger Einsatz

Diese enge Zusammenarbeit hat in Bali einen Beschluss erleichtert, den man aus Fußnoten herauslesen kann. Ein neues Abkommen soll den Ausstoß an klimaschädlichen Stoffen bis 2050 halbieren. Die Mengen aller Treibhausgase dürfen nicht über etwa 500 ppm (Moleküle pro einer Million Luftmoleküle) Kohlendioxid-Äquivalente steigen. Davon macht CO2 selbst die überwiegende Mehrheit aus. Zurzeit schweben etwa 385 ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre.

James Hansen und sein Team haben in ihrem Aufsatz nun für ein dauerhaftes Ziel von 350 ppm plädiert. Um es zu erreichen, müsste die Menschheit sogar CO2 aus der Atmosphäre absaugen. Von 2030 an dürfe überhaupt keine Kohle mehr verfeuert werden.

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