Im Kampf gegen den Klimawandel wurden auf der UN-Umweltkonferenz in Bali Kompromisse geschlossen. Doch die Zeit läuft uns davon, warnen Forscher - und fordern eine schnelle Entwicklung neuer Energietechnik.
Das Tata-Mundra-Projekt ist ein Spiegel der Weltpolitik. Fünf Kohlekraftwerke von jeweils 800 Megawatt elektrischer Leistung will der Tata-Konzern in der Stadt Mundra im Nordwesten Indiens errichten, um dem chronischen Strommangel des Landes zu begegnen.
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Windkraft gewinnt an Bedeutung. Der weitere Einsatz von Kohlekraftwerken ist umstritten. (© Foto: ddp)
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Darum wollte am Dienstag auch die Weltbank beraten, ob sie sich an der Finanzierung des 4,2-Milliarden-Dollar-Vorhabens beteiligt. Doch dann erreichten sie Aufrufe von Umweltschützern, erst einmal die ökologischen Folgen zu überdenken. Die Kraftwerke würden auf Jahrzehnte große Mengen Kohlendioxid freisetzen.
An einem Beispiel wie diesem sind die Spannungen auf der Welt abzulesen. Große Schwellenländer wie Indien, Brasilien und besonders China mögen sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht verbieten lassen. Besonders die USA hingegen beharren, dass auch die Schwellenländer ihre Emissionen reduzieren müssten.
Amerika aber belegt zusammen mit China mit großem Vorsprung die Plätze eins und zwei in der Statistik der CO2-Freisetzung. Zur Lösung dieser Blockade haben sowohl der Weltklimarat IPCC als auch die Regierungen bei Klimagipfeln diplomatische Formulierungen gefunden.
Teil des Meinungs-Spektrums
Ein zukünftiges Abkommen soll Industriestaaten "Pflichten" auferlegen, während es Schwellen- und Entwicklungsländer zu "Aktionen" einlädt, hieß es bei der Konferenz in Bali im Dezember 2007.
Doch für solche Kompromisse hat die Welt womöglich überhaupt keine Zeit, wie in den vergangenen Tagen prominente amerikanische Klimaforscher geschrieben haben.
Die Reduktion der Treibhausgase müsse viel aggressiver geschehen, als es der IPCC vorsehe, sagten James Hansen von der Nasa und Kollegen in einem noch unveröffentlichen Aufsatz. Kohlekraftwerke dürfe eigentlich niemand mehr bauen.
Zugleich rügte ein Team um Roger Pielke von der University of Colorado in Boulder, der Weltklimarat habe unrealistische Vorstellungen verbreitet, wie sich solche Einsparungen erzielen ließen: "Die Annahmen sind im besten Fall optimistisch und im schlechtesten unerfüllbar", kommentieren sie im Fachblatt Nature.
Schnell erkannten Kommentatoren einen "Schwenk in der Debatte um die globale Erwärmung". Andere sahen die "Weltretter unter Feuer", weil beide Mahnrufe den IPCC kritisierten.
Doch die Positionen der beiden Teams sind seit langem Teil des Spektrums der Meinungen, Analysen und Forschungsergebnisse, aus denen der IPCC alle paar Jahre seinen großen Sachstandsbericht erstellt. Nichts anderes sind die Bücher der Organisation: Zusammenfassungen des vorhandenen Wissens, keine politischen Dokumente. Regierungen nicken nur die jeweiligen Zusammenfassungen ab.
Mehr Ertrag für weniger Einsatz
Diese enge Zusammenarbeit hat in Bali einen Beschluss erleichtert, den man aus Fußnoten herauslesen kann. Ein neues Abkommen soll den Ausstoß an klimaschädlichen Stoffen bis 2050 halbieren. Die Mengen aller Treibhausgase dürfen nicht über etwa 500 ppm (Moleküle pro einer Million Luftmoleküle) Kohlendioxid-Äquivalente steigen. Davon macht CO2 selbst die überwiegende Mehrheit aus. Zurzeit schweben etwa 385 ppm Kohlendioxid in der Atmosphäre.
James Hansen und sein Team haben in ihrem Aufsatz nun für ein dauerhaftes Ziel von 350 ppm plädiert. Um es zu erreichen, müsste die Menschheit sogar CO2 aus der Atmosphäre absaugen. Von 2030 an dürfe überhaupt keine Kohle mehr verfeuert werden.
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@Kuni
welche Richtung solls denn gehen?
"Diese -dezentrale- Technik hat nur einen Fehler: Sie läuft weitgehend an den Kassen der Energiekonzerne vorbei. "
Genau das ist der Punkt. Interessant finde ich allerdings, dass z.B. EON hierzu ausserhalb Deutschlands ganz andere Strategien verfolgt. Stichwort: WhisperGen. Da werden gerade 150 Millionen Euro als Starthilfe fue die Massenproduktion von "stromerzeugenden Heizungsmodulen" investiert. Alerdings in Engalnd. Nicht in Deutschland. Die hierzulande führenden Entwicklungen (Sach-Dachs) wurden von englischen Heuschrecken übernommen und die Patente des legendären Solo-Stirling werden inzwischen von einer Schweizer Firma für mittelgrosse BHKW genutzt.
Hier in Deutschland hingegen absolute Forschunsgwüste. Dank der Lobbyarbeit der Energiekonzerne und der Dummheit unserer Politkaste.
Die S Z weiß vielleicht, wie sehr d a m a l s unsere Seite (aber auch viele andere) für neue Energien gekämpft hatte: das war Anfang, Mitte der 80er Jahre. Es waren neben Vorträgen, Büchern, etc. unzählige Leserbriefe an die Redaktion gewesen. Aber seit dem Auftreten des Privat-TV oder seit DALLAS in D gegriffen hat ging es nach und nach mit Umweltbewusstsein in D abwärts.
N e u e Technologien: solche, die von dem generellen Umweltdesaster und Dreck befreien.
JA! SOFORT! Sie sind schon da!
Sofern und weil Masse / Materie Energie, kann Energie aus luft- und gas- u. lichtförmigen Stoffen zugenüge gezogen werden. Diese Energieseite wurde in den zurückliegenden zehn Jahrzehnten systematisch geblockt. Wie wild waren die Jäger der Erdöllobby (nicht nur die) hinter denen her, die Lösungen angeboten hatten, diese billig, umweltsauber und unzentral.
Die Klimakatastrophe ist die Folge der weltweit betriebenen Technologieblockaden.
Man könnte auch reden vom gestohlenen Fortschritt. r.kendel
Wieder einmal eine dieser Verhinderungsaussagen: "Wir müssen schnell neue Technik entwickeln". Was für ein Unsinn. Die notwendige Technik zur CO2-Reduktion ist weitgehend vorhanden und sofort breit einsetzbar, bei unserer täglichen Arbeit damit (BHKW, Regelungstechnik, Optimierung von Heizungs-, Klima- und Kälteanlagen, Biomasse-Nahwärmenetze, Hocheffizienz-Biogasanlagen der 2. Generation etc.) sind Reduktionen um 30, 40, 50 % oder mehr die Regel. Die deutsche Industrie ist bei diesen weltweit gefragten Spitzentechnologien fast immer unangefochtener Marktführer.
Diese -dezentrale- Technik hat nur einen Fehler: Sie läuft weitgehend an den Kassen der Energiekonzerne vorbei. Und so wird laut gejammert: Wir würden ja gern, aber es fehlt die Technik - gemeint ist vor allem solche Technik bei der ein Zähler zum Abrechnen installiert werden kann (" Wie bekommt man einen Zähler zwischen die Sonne und den Verbraucher?").
Was die massive CO2-Einsparung wirklich behindert sind nicht fehlende Technologien, sondern die massiven Verhinderungsstrategien der veralteten Energiesysteme und Ihrer Verfechter in Politik und Medien. Die Realität draussen im Land hat sie dabei, was die technologischen Möglichkeiten betrifft längst überholt. Wirklich im Weg sind nur noch die blanken betriebswirtschaftlichen Interessen von EON, RWE, Shell, Ruhrgas & Co. Sie sind die in überkommenen Denkstrukturen gefangenen Blockierer der überfälligen Energiewende.
Und neue Techniken? Die können hervorragend parallel zum grossflächigen Einsatz der vorhandenen dezentralen Spitzentechnologie entwickelt werden - so wird ein Schuh draus.
gegebenenfalls eine Möglichkeit ... Aber mir fehlt das Geld, sie experimentell zu erkunden, aber das Patent ist schon zugewiesen ... wer hat Kohle genug, um das Patent zu finanzieren und beim Scheitern (ist ja nicht ausgeschlossen) nicht zu weinen?, aber bei Erfolg zu triumphieren? fragt
Kuni