Kalifornien So wenig Schnee wie seit 500 Jahren nicht mehr

Satellitenbilder der NASA zeigen, wie wenig Schnee im März 2015 auf den Bergen der Sierra Nevada im Vergleich zum März 2010 liegt.

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Der Sierra Nevada in Kalifornien, dem "verschneiten Gebirge", geht der Schnee aus. Das verschlimmert die historische Dürre.

Von Christopher Schrader

In der kalifornischen Sierra Nevada lag vermutlich seit 500 Jahren nicht mehr so wenig Schnee wie im vergangenen Frühjahr. Wo sonst Messlatten am 1. April noch anderthalb Meter Schnee anzeigten, fand sich dieses Jahr in gut 2000 Metern Höhe trockener Waldboden.

Die Durchschnittswerte liegen damit nicht nur niedriger als in irgendeinem anderen Jahr seit den frühen Dreißigerjahren; bisher hatte 1977 den Negativrekord gehalten. Eine Forschergruppe hat jetzt anhand von Baumringen auch die mutmaßlichen Schneefälle bis ins Jahr 1500 zurück rekonstruiert: So geringe Werte wie 2015 gab es demnach in dieser Periode noch nie.

Schneemangel im Skigebiet "Homewood": Seit 2012 plagt eine extreme Dürre Kalifornien.

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"Unsere Studie belegt den extremen Charakter des Winters 2014/2015", sagt Valerie Trouet von der University of Arizona, die das Team leitete. "Er ist nicht nur beispiellos für 80 Jahre, sondern für 500 Jahre." Die Forscher haben die Baumringe von 1500 Blaueichen aus dem Central Valley ausgewertet. Die Wachstumsstreifen stellen ein gutes Abbild der Regenmenge im Winter dar. Die gleichen Niederschläge dürften in der westlich des Tals gelegenen Sierra Nevada als Schnee gefallen sein. Damit kombiniert haben die Wissenschaftler Berechnungen der Temperaturen am Ende des Winters. Zusammen ließen sich so die seit den Dreißigerjahren gemessenen Schneehöhen gut rekonstruieren, sodass das Team mit dem Verfahren auch bis ins Jahr 1500 zurückrechnen konnte (Nature Climate Change, online).

Keiner der kalkulierten Werte lag niedriger als der von 2015, allerdings gab es laut der Studie in einer Handvoll Jahren im 16. Jahrhundert sehr wenige Niederschläge. Angesichts der verbleibenden Ungenauigkeit der Methode könnte damals tatsächlich weniger Schnee gelegen haben als 2015. Die Schneemengen in der Sierra Nevada (dem laut Übersetzung verschneiten Gebirge) sind für den kalifornischen Wasserhaushalt sehr wichtig. Niederschläge fallen in dem Westküstenstaat zu 80 Prozent im Winter. Bleiben sie als Schnee im Gebirge liegen, kann der Staat auch noch im Sommer davon zehren, weil Schmelzwasser die Bäche und Flüsse auffüllt.