Das in Europa gebaute Raumschiff Jules Verne hat mit sieben Tonnen Fracht vollautomatisch an der Raumstation ISS angedockt.
Für die letzten 249 Meter hat das Raumschiff fast eine Stunde gebraucht. Mit nur sieben Zentimetern pro Sekunde näherte sich das europäische Raumschiff Jules Verne der Internationalen Raumstation ISS.
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Angedockt. "Jules Verne" hat sich mit der ISS verbunden. (© Foto: dpa)
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Dort hat der Weltraumfrachter aus der Baureihe ATV (Automated Transfer Vehicle) am Donnerstag um 16.45Uhr angedockt - exakt nach Plan und vollautomatisch.
Im Europäischen Astronautenzentrum bei Köln hatten sich Mitarbeiter der Europäischen Weltraumagentur Esa versammelt, um das Andocken auf einer großen Leinwand zu verfolgen.
Hier zeigten Live-Bilder aus dem All abwechselnd das hintere Ende der Raumstation mit dem anfliegenden ATV und den Blick aus der Gegenrichtung - aus dem ATV Richtung ISS.
Beim Andocken brach Jubel aus, immerhin ist Jules Verne Europas erstes eigenes Raumschiff, und das komplizierte automatische Festmachen an der Raumstation funktionierte wie erwartet.
Es war der dritte Anflug. In den vergangenen Tagen hatte Jules Verne die Annäherung an die ISS zweimal geübt, bevor es am Mittwoch die Genehmigung vom Kontrollzentrum bei Moskau bekam, anzudocken.
In 249 Metern Entfernung hatte das ATV seine Laser-gestützten Messgeräte eingeschaltet. Spiegel an der Außenwand des russischen ISS-Moduls Swesda reflektierten die Strahlen, sodass die Bordcomputer von Jules Verne die Entfernung und relative Lage zur Station bestimmen konnten.
Beide Raumfahrzeuge eilten beim Rendezvous mit etwa 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde - 339 Kilometer über dem Südatlantik. Während des Anfluges verringerte das ATV seine Relativgeschwindigkeit selbständig von 50 auf sieben Zentimeter pro Sekunde.
Elf Meter vor dem Ziel, um kurz nach halb fünf deutscher Zeit, hatte das ATV den Andockstutzen der ISS im Visier. Aus den Kontrollzentren der Europäer und Russen kam das letzte "Go", und wie beim Countdown wurden die letzten Meter gezählt.
Ein Kamerabild mit einem Kreuz überlagerte sich langsam mit den Farbmarkierungen am Raumschiff. Um 16.45 Uhr zeigte die Live-Übertragung die applaudierenden Raumfahrtexperten, und der Kommentator im Internet-TV der Nasa sagte anerkennend: "Ein Lehrbuch-Andocken auf dem Jungfernflug." Um 17:15Uhr sollte der Transporter dann luftdicht mit der Internationalen Raumstation verbunden werden.
Große Freude äußerte zum Beispiel Daniel Sacotte, der Esa-Direktor für Bemannten Raumflug: "Wir hatten uns bereits in den 1990er-Jahren entschieden, mit solchen Versorgungsflügen unseren Verpflichtungen als Partner bei der Internationalen Raumstation nachzukommen."
Statt die USA für den Transport des europäischen Raumlabors Columbus ins All zu bezahlen, befördert die Alte Welt von nun an regelmäßig Nutzlasten und Nachschub zur ISS.
Die Nasa sperrt sich
Zum Navigieren in der Umlaufbahn hatte sich Europas Raumschiff in den vergangenen Wochen, seit seinem Start am 9. März, der GPS-Satelliten bedient. Für den Endanflug war diese Navigation aber zu ungenau, schließlich sollte das ATV maximal 1,5 Zentimeter von seinem Kurs abweichen.
Dieses automatische Andocken beherrschen sonst nur noch die Russen, die ihre von Radar geführten Frachttransporter Progress auf diese Weise zum Andockstutzen an der ISS lenken. Das sensorgeführte ATV ist von der Flugtechnik her nun das modernste Raumschiff auf dem Markt. Es ist den Progress-Kapseln mindestens eine Technik-Generation voraus.
Dennoch erlauben die Amerikaner auch künftig nicht, dass die Nachfolger von Jules Verne an einem ihrer Segmente der Raumstation andocken. In ISS-Flugrichtung vorn kommt dafür der Verbindungsknoten Harmony in Frage, an den das europäische Weltraumlabor Columbus angeschlossen ist.
Hier dürfen nur Spaceshuttles anlegen, da diese von Hand gelenkt werden, und ein Eingreifen, Gegensteuern oder Umlenken durch den Piloten jederzeit möglich ist.
Beim ATV hätten die beteiligten Menschen, im Kontrollzentrum ebenso wie die Astronauten an Bord der ISS, das Anlegemanöver nur abbrechen können. Nach einem Druck auf den roten Knopf wäre das europäische Raumschiff automatisch auf seine Parkposition einige Kilometer von der Station entfernt zurückgekehrt.
Weil das den Amerikanern nicht genügt, bleibt den Europäern nur das Festmachen an der gegenüberliegenden Seite der Station, am russischen Swesda-Modul.
"Deshalb fliegen wir auf dem ATV als Reservesystem auch die russische Docking-Software, die die Progress- und Sojus-Raumschiffe benutzen", erläutert Rachid Amekrane von der EADS-Tochter Astrium in Bremen, die das ATV mitgebaut hat. "Bei einem Ausfall der europäischen Steuerung können wir auf das System der Russen umschalten, das seit vielen Jahren erfolgreich angewandt wird."
Nachschub für Columbus
Das ATV ist eine große, unbemannte Tonne von fast zehn Metern Länge, die eine Ariane-V-Rakete vor drei Wochen von Kourou in Französisch-Guayana aus in eine Umlaufbahn befördert hat.
Die Jules Verne bringt den Astronauten an Bord der ISS Nachschub: Treibstoff, Nahrung, Wasser, Sauerstoff und Kleidung, außerdem 136 Kilogramm Material für das Labor Columbus.
Auch zwei Manuskripte von Jules Verne, dem französischen Schriftsteller und Namensgeber des Raumschiffs sind an Bord. Insgesamt kann ein ATV 7,7 Tonnen Fracht in Tanks, Säcken, Schubläden und Regalen zur ISS bringen.
Alle 17 Monate soll ein Transporter abheben. Bis zu einem halben Jahr kann er an der Raumstation angedockt bleiben. Dabei zündet er von Zeit zu Zeit seine Triebwerke, um die Reibung im Orbit auszugleichen, die die Station abbremst und so auf tiefere Bahnen drückt.
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Mubarak-Prozess in Ägypten