Von Jeanne Rubner

John Maddox machte Nature zu einem Leitmedium in der Welt der Forschung. Nun ist der langjährige Chefredakteur der britischen Wissenschaftszeitschrift im Alter von 83 Jahren gestorben.

Über diese Zeitschrift wird gerne geschimpft und gespottet. Und doch gieren Wissenschaftler auf der ganzen Welt nach einem Abdruck im britischen Journal Nature; Wissenschaftsjournalisten durchsuchen jedes Heft nach Stoff für Artikel.

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Der ehemalige "Nature"-Herausgeber Sir John Maddox, geboren 1925, ist nun im Alter von 83 Jahren gestorben. (© Foto: dpa)

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Nature setzt, zusammen mit der US-Konkurrenz Science, die Leitplanken in einer unübersichtlich gewordenen Welt der Forschung. Während deren Ergebnisse zunehmend in Spezialzeitschriften erscheinen, widmet sich Nature weiterhin der gesamten Wissenschaft.

Einen gehörigen Anteil am Ruhm des Blattes hat John Maddox, den die Queen 1995 adelte. Als Chefredakteur von 1966 bis 1995 (mit einer Unterbrechung von sieben Jahren) hat er Nature von einer respektierten, aber konventionellen Fachzeitschrift zum Leitmedium gemacht - indem er journalistische Prinzipien und wissenschaftliche Qualitätsmaßstäbe verband.

Er pflegte das Renommee von, indem er auf das "peer review" bestand, die strenge Begutachtung der Studien durch Fachkollegen. Nur jede zehnte eingereichte Arbeit wird gedruckt.

Aber Maddox liebte auch Exklusivmeldungen und spähte stets nach schlagzeilenträchtigen Entdeckungen. Er druckte auch zunächst umstrittene Ergebnisse (das berühmte Papier über die Doppelhelix, die Struktur der DNS, hätte es nie durch den peer review geschafft, sagte er gern) und hatte dabei fast immer eine glückliche Hand.

Wenn er einmal daneben lag - etwa im Fall des französischen Mediziners Jacques Benveniste, der glaubte, einen Beweis für die Homöopathie erbracht zu haben -, dann wusste Maddox die Geschichte zu vermarkten. Er nahm den Zauberer James Randi, der schon Uri Geller enttarnt hatte, mit in Benvenistes Labor und veröffentlichte einen gemeinsam Bericht, wie Benvenistes Mitarbeiter offenbar einer Selbsttäuschung erlegen waren.

Der studierte Physiker, der zunächst als Redakteur beim Manchester Guardian arbeitete, schaffte es, die Auflage von Nature von 11.000 auf knapp 60.000 Exemplare zu steigern: durch spannende Originalarbeiten, Kommentare ("News and Views") zu besonders wichtigen Studien und nicht zuletzt durch seine eigenen Meinungsbeiträge.

Dafür zog Maddox sich allwöchentlich mit einer, bei schwierigen Themen auch zwei Flaschen Rotwein und vielen Zigaretten zurück, um ein meist brillantes, pointiertes Editorial zu schreiben. Er glaubte an die Rationalität der Wissenschaft und hasste Bedenkenträger.

Das Verbot von Genmais hätte Sir John wohl in Grund und Boden geschrieben, wäre er nicht längst Pensionär in seiner Heimat Wales gewesen. Am vergangenen Sonntag ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Man darf ihn als Grandseigneur der Wissenschaft verabschieden.

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(SZ vom 16.04.2009/gal)