Stresstests für alle Atommeiler Japan will Reaktoren wieder hochfahren

Um Stromengpässe zu vermeiden, will die japanische Regierung alle heruntergefahrenen Atomkraftwerke außer Fukushima-1 möglichst schnell wieder in Betrieb nehmen - und hat Stresstests für alle Reaktoren angeordnet. Unterdessen brach in einem AKW im Nordosten des Landes ein Feuer aus.

Fast vier Monate nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima-1 will Japan alle übrigen Atommeiler im Lande sogenannten Stresstests unterziehen. Das gab Wirtschaftsminister Banri Kaieda bekannt.

Mit den neuerlichen Überprüfungen werde man dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung besser Rechnung tragen, zitierten ihn japanische Nachrichtenagenturen. Kaieda will die Meiler anschließend allerdings so bald wie möglich wieder hochfahren. Die Regierung stößt mit ihrem Vorhaben jedoch auf Widerstände bei den umliegenden Gemeinden. Diese fordern schärfere Sicherheitsauflagen.

Wirtschaftsminister Kaieda hatte kürzlich vor gravierenden Folgen der Stromknappheit für die Erholung der Wirtschaft gewarnt. Das Bruttoinlandsprodukt war bereits im ersten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft.

Derzeit sind in Japan zahlreiche Atomkraftwerke abgeschaltet - entweder weil sie beschädigt wurden oder als Vorsichtsmaßnahme. Nur 19 von 54 Reaktoren zur Stromerzeugung sind in Betrieb. Der Strom ist deshalb seit Monaten knapp.

Im Sommer erhöht sich der Bedarf in Japan wegen der vielen Klimaanlagen jedoch rapide. Schon jetzt steigen die Temperaturen stellenweise auf fast 40 Grad. Um Stromausfälle zu vermeiden, ist die Bevölkerung aufgerufen, Energie zu sparen. In Bahnhöfen, Bürogebäuden, Restaurants und anderen Orten bleiben daher viele Glühbirnen dunkel.

Unterdessen meldete die Nachrichtenagentur Kyodo einen erneuten Zwischenfall in einem Atomkraftwerk. In einer Müllentsorgungsanlage für Reaktor 2 des AKW Tokai in der nordöstlichen Provinz Ibaraki - 110 Kilometer südlich von Fukushima-Daiichi - sei aus unbekannter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Es sei aber schnell wieder gelöscht worden. Nach Angaben der lokalen Behörden sei dabei jedoch keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt.