Japan Strahlende Fische vor Fukushima

Der Super-GAU wirkt sich noch immer auf das Meer vor der Küste Japans aus. Bis zu 40 Prozent der Fische dort sind radioaktiv belastet. Fische gehören zu den beliebtesten Lebensmitteln in Japan.

Von Christopher Schrader

Japaner essen mehr Fisch und Meerefrüchte als die meisten anderen Völker.

(Foto: AFP)

Fast 20 Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind noch viele Fische vor der Küste radioaktiv verseucht. In Japan, dessen Bewohner mehr Meeresfrüchte und Fisch essen als die meisten anderen Völker, sind die Verbraucher darum verunsichert.

Die Regierung hatte im April 2012 den Grenzwert von 500 auf 100 Becquerel (zerfallende Cäsiumatome pro Sekunde) in einem Kilogramm Muskelfleisch gesenkt. Doch die Maßnahme habe die Kunden weiter verstört, berichtet Ken Buesseler von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts. Dadurch ist schließlich der Anteil der Proben gestiegen, die als ungeeignet für den Konsum gelten (Science, Bd. 338, S. 480, 2012).

Bis zu 40 Prozent der Fische sind radioaktiv belastet, zeigten Zahlen des Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei. Dieser Spitzenwert betrifft Tiere, die am oder auf dem Meeresgrund leben und vor der Küste der Präfektur Fukushima gefangen wurden. Hier ist die Fischerei verboten.

Ken Buesseler während der Untersuchungen vor der japanischen Küste bei Fukushima.

(Foto: Ken Kostel, Woods Hole Oceanographic Institution)

Buesseler stützt sich auf die offizielle Auswertung von gut 8500 Proben im ersten Jahr nach der Katastrophe. In den beiden Quartalen seit April 2012 zeigt die Statistik, dass etwa 15 Prozent des untersuchten Fangs über dem Grenzwert lagen. In den Nachbarregionen - Miyagi im Norden und Ibaraki im Süden - sind deutlich weniger Proben auffällig gewesen, noch eine Präfektur weiter entfernt keine mehr. Tiere, die im offenen Wasser oder nahe der Oberfläche leben, sind seltener verseucht.

Buesseler schließt aus den Daten, dass die Bodenbewohner immer wieder Kontakt mit radioaktivem Cäsium haben. Fische scheiden normalerweise einige Prozent des Alkalimetalls pro Tag aus; die Werte müssten also schnell sinken. Offenbar nehmen die Tiere regelmäßig Cäsium-Isotope aus dem Wasser und vom Boden auf, wo sich Rückstände aus den geschmolzenen Reaktoren abgelagert haben dürften.

Japans Behörden stehen daher vor schwierigen Entscheidungen, wenn sie den Fischfang normalisieren wollen. Die höchsten Messwerte wiesen übrigens zwei Grünlinge mit mehr als 25.000 Becquerel pro Kilogramm auf. Sie wurden im August 2012 gefangen.

Forschungen zu Fukushima Weg des radioaktiven Wassers

Deutsche Forscher haben berechnet, wie sich das Wasser, das durch den Super-GAU in Fukushima-1 verstrahlt wurde, von der japanischen Küste aus ausbreitet. Die Farben zeigen, wie es sich mit unverseuchtem Wasser vermischt und verdünnt.

(Video: Geomar)